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Der Israelit · 1885-07-20 · Heft 57 (20.7.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 57 (20.7.1885)
Date
1885-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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969! i - mit gutem Gespann etwa 12 Stunden, inclusive 1 Stunde Rast in Bab-el-Wadi. einem alleinstehen- Hause, woselbst man einige Erfrischungen, wie Eier, Thee, Kaffee haben kann und die Pferde gefuttert werden. Der Wirth ist ein Jchudi, dessen 'Familie in Jerusalem wohnt. — Von hier ab geht der Weg stets bergan bis nach Jerusalem, welches wie bekannt, außerordentlich hoch liegt. Wir kamen, wie ich schon in einer früheren Eorrespondenz gemeldet habe, nachdem wir ungefähr 1 Stunde von Jerusalem in „Eolonie" von verschiedenen Vorständen der Gemeinden empfangen wurden, mit Dämmerung in Jerusalem an, das man bereits auf einer Entfernung von ungefähr ','4 Stunde sieht^ Mit welchen Gefühlen ich' diese Stadt, an die sich so großartige und heilige Erinnerungen knüpfen, zum ersten Rial sah — das zu schildern, ist meine Feder zu schwach. Der schmerzliche Gedanke, das; diese Stadt unsere hl. Tempelftadt gewesen, das; diese Ruinen die Ueberreste jener Stätte sind, in denen unsere Voreltern so viel Glück genossen und in denen nun seit 2000 Jahren so großes Elend herrscht, preßte mir unaufhörlich Thränen hervor. — Wir fuhren bis an das Jaffathor, woselbst wir abstiegen, da ein Fuhrwerk die engen Straßen Jerusalems überhaupt nicht passircn kann. Es war schon Nacht geworden, bis wir in das Innere der Stadt kamen, und wir gingen direkt nach dem sogenannten deutschen Platz aus Zionsberg, woselbst wir uns in den für Fremde bestimmten 2 Zimmern der Pilgerwohnnngen eiulogirien. Es waren noch verschiedene Herren zum Empfange da, allein, durch die schwere Reise und die Aufregungen der lebten Stunden abgespannt, legten wir uns bald zu Bett. Wir schliefen gut und wurden Morgens ziemlich früh zu mnty geweckt. Ein sehr schönes resn n*3 ist an diese Wohnungen augebaat, die von dem sel. Dr. Frankel aus' Witzenhausen gegründet; vom Fenster aus sieht man nach der Westmauer — brro 'T-iyo — und dem Oelberg — cmi ->n. — An dem ersten Tage unseres Lortseins war iw'n rwyn wegen Wassernoth, da es noch nicht geregnet hatte. Es wurde» nwjsnn und mrvto gesagt und -ei - geblasen; man mnß diese herzzerreißenden und inbrünstigen mitanhören, um beurtheilen zu können, was Wassernoth für diese armen Menschen heißt, es blieb kein Auge trocken, Kinder von 8 Jahren jammerten bei der rfrm Ich werde nie im Leben den Eindruck verlieren, den dieses Gebet auf mich machte. Nach mrw hatte ich erst Gelegenheit den deutschen Platz nud speciell unsre Zimmer zu sehen. Dieser Platz mit seinen 73 Wohnungen für arme Leute macht bei seiner Sauberkeit und schönen luftigen Lage glauben, man befinde sich in Europa in dem hübschen Viertel einer Stadt, da die Baron Rothschild'schen Häuser eine Zierde für jede Stadt wären; nicht minder hübsch ist es aber im Innern der Häuser, obzwar der Platz für die einzelnen Familien oft sehr beschränkt ist; cs herrscht darin eine musterhafte Ordnung, so daß diese Einrichtung wahrhaft segensreich wirkt und nur zu wünschen bleibt, daß die Wohnungen durch weitere Spenden vermehrt würden, indem noch Platz vorhanden ist. Ebenso angenehm ist die Wohnung, die wir inne hatten, sehr geräumig und mit Aussicht auf den omn in. Nachdem wir uns orientirt hatten, gingen wir ans Werk, unfern Reisezwcck zu verfolgen und das Haus, welches znm Hospital augekaust wurde, zu besichtigen. Ans dein Weg dahin vollführten wir aber zuerst eine Pictätspflicht, indem wir nach der ’mj/D gingen, um dort jnip zu fein und nSrn zu thun. Wenn man nun als fühlender Jchudi schon erregt wird beim Betreten des hl. Landes und beim Anblick der hl. Stadt, so glaubt man nicht Herr seines Schmerzes werden zu können, beim Herantreten an die Grenze der Statte, wo seiner Zeit unsre Zierde und unser Stolz gestanden. Es sind dorten zu jeder Zeit Dutzende von Männern und Frauen, alte und gebrechliche Leute, die unter bitteren Thränen beten. Dieses Stück Mauer, das noch steht, ist etwa ir> Meter hoch und enthält Steine von mächtiger Größe. Dieser Bau war in der That für ewige Zeit bestimmt, und bei genauerem Betrachten dieser Felsblöcke versteht mau auch, wieso die Belagerung eine so lange sein konnte; es sind darin einzelne Steine von über 0 Meter Länge 1111b ca. 95 (Zentimeter Höhe, nnd ist nur zu verwundern, wie bei der Lage Jerusalems der Transport solcher Steine möglich war. Sie sind znm Theil noch sehr gut erhalten und es ist bei jedem au du; 4 Enden der Außenseite eine etwa 3 Finger breite »mH l Finger tiefe .Kante eingehauen, so daß das'Ganze wie ein Tafelwcrk anssieht. Unsrer Aufgabe bewußt, und des Umstandes, daß unsre Zeit nur kurz bemessen, entfernten wir uns, nachdem wir einige Kapitel n^nn gesagt hatten. Nun machtet! wir unfern eigentlichen ersten Gang bei Tage durch die hl. Stadt. Wer vertrant mit dem Gedanke», ein zerstörtes und armes Jerusalem zu besuchen, dahin kömmt, der ist nicht enttäuscht, wenn er durch diese engen, bergigen Straßen mit dem schlechten Pflaster wandert, die dabei sehr sinster sind, denn sehr oft be-

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