Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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966 Mannes, bei* stehend oder liegend die Anne flehend ansbreitet n. s. w. u. s. w. Greifen wir aus der Falle des gebotenen Stoffes ein derartiges Lehrwort heraus, um das von uns Behauptete mit einem Beispiel zu belegen. Wer die Prachtwerke schon in der Hand gehabt Hat, welche von europäischen Negierungen veranstaltet, getreue Abbildungen der egyptischen Denkmäler den Freunden und Fängern der Kunst und Wissenschaft zugänglich machen, dessen Auge hat gewiß schon bewundernd auf dem stolzen Anblick gehaftet, den der Pharao darbietet, wenn er, in einem zweirädrigen Wagen stehend, hineinrast in das Gewühl der Feinde. Die Zügel der prächtig geschirrten Rosse hat er sich um die Hüften geschlungen, in seinen Händen ruht der gespannte Bogen. „Nichts hält Stand vor seinem gewaltigen Ändrängeu", sagen die Dichter, „wie die Götter Baal und Moath ist er stark und «nächtig." Wer denkt nicht beim Anschanen des stolzen Gespannes an die njre 212212, an .-wen r-2212, aus dem Joseph seinen Triumphzug hielt? Fn der That, mit doppeltem Rechte denken wir daran, denn die Egypter haben diesen Kriegsrvagen sannnt seiner Benennung 712212 den Semiten entnommen. Gin Prachtstück der Givilisation -müssen sie in ihm gesehen haben, den» mit Borliebe widmen sie sich seiner Beschreibung, ja feiern ihn mit dichterischem Schwünge in preisenden Hymnen. Ban und Einrichtung des „,12212" wie Bild und Wort sie detaillirt därstellen hier zu behandeln, würde nun allerdings zu weit führen. Es sei nur im Allgemeinen als recht bemerkenswerth angeführt, das; für den Egypter ein anderes Stück des Wagens den Haupttheil oder Grundstock desselben bildet als für den Hebräer. Während es nämlich I. Kon. 7, urr. heißt: 71221271;sw desinti tiefet pyiE v27i 27.'1L'7N OiTpBTn 27»'2§ DtTIT also der ganze unten befindliche Apparat des Wagens idtn „Rad" genannt wird und Achse, Felge, Speiche, Nabe als dessen Theile anfgezählt sind, ist bei dem Egypter die Achse (..clA*4 eigentlich „Hand" wie das Hebr. iss das Hanptslück, denn er sagt: „Die Räder werden an der Achse angebracht." Noch belehren uns die egyptischen Monumente über einige Ausrnstungsgegenstände des 7,2212, deren hebräische Bezeichnungen sie ebenfalls entlehnten. Dahin gehören 2in Schwert, tebw Köcher mit Pfeilen, und ddj Kissen. Zn letzterem ist zu vergleichen Ezech. 13, 18 und 20, wie das in Mischna und Talmud häufige 2227» 127«. Gleich dieser Entlehnung könnten wir noch eine große Anzahl vorlegen, doch befürchten wir, den geehrten Leser damit zu ermüden. Wir bescheiden uns mit dem Zlnsdruck der Hoffnung, unsere Meiimng in Lbigem deutlich dargetha» zu haben. Zeitsrrgsnachrichten und Correspondenzc». Deutschland. Berlin, 17. Juli. Am gestrigen Donnerstag kam vor der 100. Abtheilung des Schöffengerichts beim hiesigen Amtsgerichts I ein Prozeß zur Verhandlung, der in den weitesten Kreisen begreifliches Aufsehen erregte: Hofprediger Stöcker erschien während seiner siebenjährigen öffentlichen „Thätigkeit" zum ersten Male als Angeklagter vor den Schranken des Gerichtes. Ter Andrang des Publikums war ein massenhafter, doch konnten in dem beschränkten Raume neben einen Stabe von c. 20 Berliner Rechtsanwälten mit ihren Damen nur noch zwanzig andere Zuhörer Einlaß finden, unter ihnen der Eorrespondent Ihres Blattes, der bereits durch höhere gütige Vermittlung einen reservirten Platz erhielt. Da der Prozeß in seinen Einzelheiten uns Juden als solche weniger angeht, so wollen wir nur einige interessante Momente aus der Verhandlung heransgreifen und den Lesen« das Urthcil und seine Begründung mitthellen, zumal letztere in den Berichten der Zeitungen uiehr oder minder lückenhaft ist. Der Thatbestand, um den es sich handelte, war kurz folgender: Stöcker und derFabrikantSchmidt ans Elberfeld kandidirtm in der vorjährigen Wahlkampagne im Kreise Siegen für den Reichstag, elfterer als conservativer, letzterer als freisinniger Kandidat. Es kam zwischen beiden zu einer Stichwahl. Am Vorabende desselben hielt Stöcker in einer antisemitischen Versammlung eine Rede, die nach bem Zeugnisse des Stenographen Dr. Nixdorf u. A. folgenden Passus erhielt: „Demi die elenden Lügen, die jetzt mein Gegenkandidat, Herr Schmidt, auf rothes Papier drucken läßt, werden nicht verfangen. Gegen solche Infamien schützt der dortige gesunde konservative Sinn, das dortige gesunde, kräftige, lebendige Ehristeuthnm. Sie wissen, was solche Buben von mir schreiben, ist nicht wahr, einfach, weil ich evangelischer Geistlicher, well ich Hofprediger Sr. Majestät des Kaisers bin." Herr Stöcker erhob nun die Widerklage, weil Schmidt M zwei Versammlungen gesagt habe: Hofprediger Stöcker sei ein Lügner, er sei doppelzüngig, ihm wohnc der Geist des Haffes und der Zwietracht inue, der Kronprüiz habe sein Wirken für eine erklärt, er fei ein gehorsamer Dieser des