Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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X % 965 litäten. Dü naheliegendc Frage, ob in der glücklich entzifferten altegyptischcn Literatur gleicherweise von dem Volle der Hebräer die Rede ist, muß bis jetzt verneint werden. Allerdings glaubte man schon manchen wichtigen Fund gemacht zu haben, der sich späterhin jedoch als irrig erwies. Wenn früher einzelne Gelehrte unter der Mitthcilnng eines Papyrus, daß die Apnrin Steine ziehen, die Hebräer vcrmnthcthcn und in einem anderen Papyrus die Geschichte des Moscheh, ja sogar seinen und der Mirjam Namen fanden, so hegt mau heute über elfteres mindestens sehr ernsten Zweifel, während letzteres einfach belächelt wird. Wohl haben biblische Berichte über spätere Zusammenstöße Israels und Egyptens bereits hie und da ihr Egnivalcnt in hieroglyphischcn Kuudgcbungen gefunden, die in die Wände der Göttcrtcmpel des Nilnfcrs gemeißelt sind. Aber noch hat lein altersgrauer Stein seine Stimme über den Aufenthalt der Hebräer im Pharaoncnland erhoben und noch ist der fortgesetzten Forschung und glücklichen Entdeckung Vorbehalten, unter dem Schutt und Wüstensand der Jahrtausende den egyptischen Quell anfzudcckcn, der in jenen Tagen von dieser geschichtlichen Thatsache erzählt. Und doch enthüllen die hieroglyphischcn Texte grade jener Tage, lebendiger und wahrheitsgetreuer als ihre historische Ucbcrlicfcrnng cs vermöchte, die Anwesenheit Israels .in ihren Gebieten; sic thun es unwillkürlich. Es sind die Eigenthümlichkeiten ihrer Sprache ein Fingerzeig, dem wir nur mit den Augen zu folgen brauchen, um in ein Licht der Erkenntnis; zu blicken. In den Schriftdenkmälern aus der Hcrrschcrzcit der Ramcssidcn, jener Fürsten, deren ctiirt: durch der Juden Hand die Stadt Ramses erbauen ließ, tauchen urplötzlich Wörter auf, welche die Literatur früherer Epochen nicht kennt, die nicht egyptisch, sondern — hebräisch sind. Auf Obelisken und Statuen, auf mächtigen Pylonen und ragenden Tcmpclmauern, aus dem zarten Fascrwerk zerbrechlicher, aber unvergänglicher Papyrnsrollen tritt uns in der Schrift der Hieroglyphen das Sprachgnt entgegen, das die Egypter den Israeliten (und zum Theil den Phöniziern) entlehnt haben. Was aber anderes ist nundieses entlehnte Sprachgnt als die augenscheinliche Illustration der biblischen ÄiittHeilungen, als das Resultat der innigsten, durch Jahrhunderte währender'. Berührung zweier Völker, ihres intensiven Zusammenlebens? Zeigt cs uns doch handgreiflich, wie der hebräische Arm semitischer Culturerrungenschaft sich hincinergießt in den breiten Strom der egyptischen, wie die Herrscherin es wohl der Mühe wcrth hält, sich mit dem Geschmeide der dienenden Magd zu schmücken! Ja, zur Zeit höchster ramcssidischer Machtfülle gehört es schlechthin zur Feinheit höheren Stils, möglichst viele hcbr. Wörter in die hcimathliche Sprache hincinzusäcn. Jede Art von Litcraturgattung weist diese fremden Eindringlinge auf. In schwungvollen Preisgcdichtcn auf den Pharao und seine Siege , in triumphircndcn Aufzählungen von Beutestücken, in endlosen Verzcichuissen der heiligen und der königlichen Schätze und Vorräthc figmircn die hebräischphönizischcu Wörter nicht minder als in familiären und geschäftlichen Briefen, in hochernsten juristischen Aktenstücken, i» trockenen und langweiligen Rechnungsablagcn. Lesen wir die wenigen erhaltenen Romane oder die Zauber- und Beschwörungsformeln, folgen wir der dctaillirten Beschreibung eines monumentalen Baues oder der lebendigen Schilderung einer Palästina-Reise, lauschen wir der behaglichen Erzählung von einem au Genüssen reichen Dasein oder dem Berichte über einen kleinen Kriegszng, der eine Empörung dämpfen soll, vertiefen wir nns endlich in die idyllische Malerei einer Delta-Gegend, stets und immer begegnen uns wohlbekannte Ausdrücke des alten Testamentes. Und nicht etwa, auf eine bestimmte Kategorie von Wesen oder Dingen beschränkt sich diese Entlchnnng, sic breitet sich auf die verschiedensten Gebiete ans. Bezeichnungen von militärischen Chargen, von Körpcrthcilen, Baulichkeiten, Gefäßen, Musikinstrumenten, Metallen, Pflanzen, Thieren re. re. sind es, die bald in größerer, bald in geringerer Anzahl als hcrübergcnommen bezeugt sind. Besonders bcmcrkcnswcrth ist dabei noch foE gcndcs. Es befindet sich nämlich in den Texten hinter jedem egyptischen und ebenso hinter jedem entlehnten semitischen Wort ein Bild, das bald den von dein 2Bortc bezeichnten Gegenstand oder die durch cs ausgedrnckte Handlung darstellt, bald den Stoff, woraus der Gegenstand gemacht ist, bald die Anschauungsclasse, in die das Wort gehört, vor Augen führt. Wie diese Bilder nun einerseits auf den richtigen Weg leiten und das Verständnis; ungemein erleichtern, so sind sie andererseits eine hochinteressante Bestätigung der von der jüdischen Tradition erhaltenen Bedeutungen biblischer Wörter und so bcsindet sich hinter den entlehnten Wörtern ra nnd V.-in das Bild eines Hanfes, desgleichen hinter o* und nrns ein Bild, das durch drei Wellenlinien und ein Bassin die allgemeine Anschauung „Wasser" gibt, ebenso hinter dem Worte nbv das Bild eines 6