Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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064 große Mizwah; aber auch an den Wochentagen den Körper durch Speise und Trank im Dienste (Lottes zu kräftigen, ist eine Mizwah. Hillel wollte keine Mizwah aufschiebe» oder gar entbehren, selbst dann nicht, wenn es galt, später eine größere Mizwah zu thuu; daher sprach er er er 'i "jna „gepriesen sei Gott an jeglichem Tage!" Und um den Sabbat ängstigte er sich nicht: da vertrante er auf des Allmächtigen Fürsorge, rko unyur ^nti tat? cqjt „er wird uns aufladen (was wir bedürfen), der Gott unserer Hilfe, Selah!" (Vergleiche Nasch!, Bezah 16 a). Wir lernen daraus, daß es Hillels Grundsatz war, niemals eine Mizwah aufznschieben; selbst dann nicht, wenn er später wahrscheinlich die Mizwah freier und besser zu üben vermocht hätte. Dieser Grundsatz Hillels ist auch im. Schnlchau Arnch (Orach Ehajim (5. 2:",. § 1 run) zum Gesetze erhoben worden (vergleiche Magen Abraham daselbst 'a p"D). Auf Diejenigen, die ans solchem Grunde die Ausübung der Mizwoth aufschieben, kann man den Vers anwendcn: . .■;min ren '~k rmyb ny „Die da sprechen: es ist noch Zeit, für Gott zu wirken, wir können das später noch vollbringen — die haben Deine Thora zerstört" (Psalm 119, B. 126). Deßhalb warnt Hillel: Sage nicht, wenn ich frei sein werde (von meinen Geschäften), will ich mit um so größerer Sorgfalt und Ruhe lernen — vielleicht wirst du niemals die gehörige Muße gewinnen. Daß Hillel vor alten andern Mizwoth gerade daS Thorastndiuiw hier hervorhebt, hat seine guten Gründe; vor Allem deßhalb, weil das Thorastudium eine immerwährende, zu allen Zeiten gebotene Beschäftigung ist, wie es heißt (Josna iS. 1, V. 8). „Es soll nicht welchen dieses Buch der Lehre von deinem Munde, du sollst dich damit beschäftigen Tag und Nacht, damit du beobachtest zu Ihn«, wie Alles, was darin geschrieben, denn dann wirst du beglücken deine Wege, und dann wirst du weise und verständig sein." — Und dieses Thorastudium wird so leicht bei Seite geschoben; den meisten Menschen genügt der geringste Anlaß, sich davon zu dispensiren. Da hat Jemand ein kleines körperliches Leiden; es genügt ihm als Vorwand, nicht zu „lernen;" da hat Jemand eine außergewöhnliche Beschäftigung; die Zeit dafür wird nicht am Spaziergange, am Mittagsesseu, am Mittagsschläfchen gekürzt, sondern sie lvtrd der dem Studium bestimmten Stunde abgezogen. — Es hat Jemand eine Viertelstunde übrig, mit der er gar nichts anzufangen weiß. „So „lerne". doch, Wenns auch nur eine Viertelstunde ist. „Ach", wird er entgegnen, „ehe ich recht angefangen, muß ich wieder aufhören." 'Er langcweilt sich lieber und stirbt beinahe vor langer Weile oder er geht ins Wirthshaus und säumt dort viel länger als die freie Viertelstunde. — Wer sich aber gewöhnt, zu lernen und zu lernen, wann und wo immer er nur kann, der wird auch immer freie Zeit dafür gewinnen; er wird aus lauter Stückwerk am Ende Großes zusamnienzusetzerr im Stande sein. „Daun werde ich in Freiheit wandeln, wenn zuvor ich in Deinen Gesetzen geforscht habe; dann werde ich von Deinen Zeugnißen in Gegenwart von Königen zu reden vermögen und mich nicht zu schämen brauchen." (Psalm 119. V. 45 u. 46). Nach dem Gesagten wird uns auch der Zusammenhang mit dem Vorhergehenden klar. Wir haben oben auseinandergesctzt, daß man bei der Beurtheilung des Nächsten den Maßstab an sich selber legen soll *.eipct> jrcnzr -y -Tan n» pn ^i, daß inan aber auch dann nicht unterlassen soll, den Nebenmenschen zurechtznwcisen, wenn die Ermahnung voraussichtlich erfolglos sein wird, „denn sage nicht auf eine Sache, daß sie unmöglich gehört werden kann, da sie am Ende doch gehört wird;" habe Geduld rnit deinem Nächsten und entziehe ihm die Wohlthat der Ermahnung nicht, selbst trotz voraussichtlicher Erfolglosigkeit; cs bleibt sicherlich etwas hasten und macht sich später geltend. Gegen dich selbst aber übe diese Geduld und Nachsicht nicht; gegen dich selbst sei strenge und sprich nicht: wenn ich frei von (tzeschäften bin, werde ich mich mit der Gotieslehre befallen. Für dich selbst denke vielmehr an die Möglichkeit, daß diese Muße vielleicht niemals eintreten wird, daß eine Störung der andern folgt, ja, daß eine Störung die andere herbcizieht. Deßhalb hange dem Baume des Lebens an trotz alter Störungen und Hindernisse. Der Baum des Lebens, das ist die Lehre unsres Gottes, wie es heißt (Mischle E. 3. B. 18) x*n nrn yy -iü'nd n’aeim na e'p’moS. „Ein Baum des Lebens ist sie Allen, die sie ergreifen, und die sie pflegen, sind beglückt." (Fortsetzung folgt.) Die Keöräer in Egypten. Bon vr. I. H. Bondi. Wie häufig und nachdrücklich Egypten in die alte Geschichte des jüdischen Volkes eiutritt, ist bekannt. Vor und nach der für Israel so bedeutungsvollen Epoche seines Aufenthaltes im Lande Mizraim gibt uns die heilige Schrift vielfache Kunde von der lebhaften uud innigen Berührung der beiden Nation«-