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Der Israelit · 1885-07-20 · Heft 57 (20.7.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 57 (20.7.1885)
Date
1885-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M 57 (Sin Kentrak - Grgan für das orthodoxe Zudenthum. Heraiis'gegcbe» von irr. Lehmann in Mainz. Montag, den 20. Juli 5645 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Däter. XXVIII. 3Wciin3, Iß. Juli. Cs muß des Israeliten angelegentlichste Sorge sein, von frühester Jugend an bis zu Ende seiner Tage, sich mit der Gotteslehre zu beschäftigen, in ihr zu forschen, ihre Vorschriften kennen zu lernen und in die Tiefen ihrer Geheimnisse einzudringcn. Am Besten ist es, wenn mall gleich Morgens früh, da der Geist nach nächtlicher Ruhe noch frisch und durch die Beschäftigung mit andern Dingen noch ullgestört ist, eine oder einige Stunden dem Studium der Thora widmet. So hat auch David es ausgesprochen (Psalm 119. V. 45) >3 rorro rü^nnNi wn *pp£>. „Dann werde ich wandeln in Freiheit, wenn ich zuvor in Deinen Gesetzen geforscht habe," nicht aber umgekehrt, wenn ich zuvor meine Geschäfte besorge und nachher erst in Deinen Gesetzen forschen wollte. Und so lehrt auch Hillel nsxn n>m r-6 xvw nnw* rugwab. „Sage nicht, wenn ich frei (voll Geschäften) sein werde, will ich lernen, sonst wirst du vielleicht niemals frei werden." Wir werden diesen Ausspruch des großen Hillel erst dalm recht verstehen lernen, wenn wir diese Warnung in Verbindung bringen mit Anderem, was uns von Hillel erzählt wird. Im Traktat Bezah (10 a.) berichten die Weisen: Man erzählt von Schammai, dem Aeltern: alle seine Tage hat er seine Mahlzeiten zu Ehre» des Sabbat eingerichtet; kam ihm ein schönes Stück Vieh zu, so bestimmte er es für den Sabbat; fand er später ein noch schöneres, so ließ er das erste sofort schlachten und bestimmte das zweite für den Sabbat. Hillel, der Aeltere aber hatte eine andere Gepflogenheit, denn all sein Thun war dem Dienste des Ewigen geweiht, denn er sprach (Psalm 08. B. 20): „Gepriesen sei Gott an jeglichem Tage." Und so haben wir auch in einer andern Boraitha gelernt: die Schnle Schammai's lehrt: Schon vom ersten Wochentage an bereite dich auf den Sabbat vor. Die Schnle Hillels aber lehrt: Gepriesen sei Gott Tag für Tag. Die Begründung dafür, daß alle Thateu Hillels dem Dienste des Ewigen geweiht waren, durch den Psalmvers: „Gepriesen sei Gott an jeglichem Tage", ist nicht recht verständlich und wird uns erst klar, wenn wir eine Midraschstelle damit vergleichen. Es heißt (Wajikra Rabba E. 94): „Es thut wohl seiner Seele der fromme Mann (Mischte E. I I. B. 17); diesen Ausspruch bewahrheitete Hillel, der Aeltere. Wenn er seine Schüler (nach vollendetem Vortrage) entließ, so ging er mit ihnen. — Rabbi, fragten die Schüler, wohin gehst Du? — Ich gehe, antwortete Hillel, ein Gottcsgebot zu erfüllest. — Und welches, fragten die Schüler. — Ich gehe ins Badehaus, ein Bad zu nehmen, zu pflegen, zu ehren, zu kräftigen de» im Ebenbilde. Gottes Geschaffenen. — Ein anderes Mal gab er zur Antwort, daß er ausgehe, Einkäufe zu besorgen zu Ehren seines Gastes, und als die Schüler nach diesem Gaste fragten, sagte er: Das ist die unsterbliche Seele, welcher Gott für eine Zeit lang meinen Leib zum Aufenthalir angewiesen. Da muß ich die Wohnung in Ehren halten, alles dafür Nothwendige besorgen, damit der himmlische Gast sich in ihr heimisch fühle. Wir lernen daraus, daß Hillel Alles, selbst die Befriedigung der Bedürfnisse des Körpers, als die Erfüllung von Gottesgeboten betrachtete; er aß und trank nur, um seinen Körper im Dienste Gottes zu kräftigen, er gönnte sich den Genuß des Bades nur, um seinen Leib als Wohnung der gottentstaunnten Seele in Ehren zu halten. Den Sabbat durch bessere Speise und besseren Trank zu ehren, ist eine

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