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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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nb nsb* 8o*na ic nVn „Nun, so sage, woher Du es herauslernst!" Darauf paffe» auch die folgenden Worte ohne Korrektur vdo er entgegnen : von Sinai. Vgl. eine ähnliche Redeweise in Megillah 12 a, wo im Dialog zwischen Lehrern und Schülern ebenfalls solche Aufforderungen zur Meinungsäußerung Vorkommen. Zum Schluffe bemerke ich, daß ich wohl weiß, daß -2 auch sonst Schülern gegenüber gebraucht wird, wie Asnlai im px tjt bereits bemerkt, ja sogar vom Later dem Sohne gegenüber, Pesachim 104 b; dennoch glaube ich an unserer Stelle aus den angegebenen Gründen, meine Erklärung für richtig halte» zu dürfen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Wnrzburg, 29. Juni. Vor etwa zwei Monaten fand man in der Nähe von hier, im Unter« pleichfeldcr Walde einen Unbekannten erhängt. Die katholische Gemeindeverwaltung begrub ihn auf dem dortigen Kirchhofe. Kaum hatte sich das Grab über demselben geschlossen, als bekannt wurde, daß der vermeintliche Katholik in Wirklichkeit ein Jude gewesen. Das Nabbinat dahier veranlaßte die Exhumirung und Beisetzung der Leiche auf dem hiesigen j ü d i s ch e n Friedhöfe. Polizeiliche Recherchen nach der Identität des Verstorbenen ergaben jetzt aber, daß derselbe in Fürth die Taufe empfangen und zur protestantischen Kirche übergetrcten war!" Berlin, 10. Juli. Am nächsten Mittwoch kehrt Hofprcdiger Stöcker von seinem bayerischen „Bauernhöfe" zurück, um den „großen Kampf zur Befreiung Deutschlands von seiner inneren Fremdherrschaft" fortzusetzen, vorerst jedoch, um wegen grober persönlicher Beleidigung des Fabrikanten Schmidt iu Elberfeld als Angeklagter vor den Schranken des Gerichtes zu erscheinen. Wenn auch das Ende vom Liede nur in einer Geldstrafe bestehen wird, zumal Herr Stöcker die Widerklage erhoben hat, so dürfte gleichwohl der Prozeß kaum geeignet sein, zur Erhöhung der Autorität des Königlichen Hof- und Domprcdigcrs irgendwie beizutragen. Inzwischen setzen seine Freunde ihr Reinigungsgeschäft mit ungeschwächten Kräften fort; die Herrn Stöcker von seinen Kameraden öffentlich ausgestellte Censur, daß die Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit seines Charakters gegenüber den Schmähungen der jüdisch-liberalen Presse über jedem Zweifel erhaben sei, findet täglichHunderte von neuen Unterschriften. Confistorialräthe, Universitätsprofefforen, Abgeordnete, Geistliche, Richter, Studenten, Rentiers, Bäckermeister und noch viele andere Leute, welche gern ihren Namen einmal gedruckt sehen möchten, beeilen sich ihremApostel nachträglich die Vertheidigung angedeihen zu lassen, die derselbe im Verlaufe des Prozesses ,ffo schmerzlich vermißte. Unter der Spitzmarke „den Eidhelsern des Zeugen Stöcker in's Album" bringt die Magdeburger Zeitung" eine recht bemerkenswerthe Auslassung des „Dtsch. Ev. Bl." vom Professor der Theologie Dr. Beyschlag in Halle a. S. über den Prozeß Stöcker und dessen Folgen, der wir Folgendes entnehmen: Glicht ohne Mtgefühl kann der christliche Gegner stkllstehen vor dem moralischen Ende der Stöcker'schen Staats-, Kirchen- und Gesellschaftsreform. Denn dieser Spruch unparteiischer Richter, der den Träger derselben als leichtfertig charakterisirt, ist das moralisch e En d e, wenn auch der äußere Spektakel einstweilen weitergehen wird. Welcher edlere Mensch hätte nicht Theilnahme für Talent, Muth, Thatkrast, die sich in den Dienst großer, humaner, patriotischer und christlicher Aufgabe stellen. Aber wer die Fahne christlicher Reform in's öffentliche Leben der Zeit hinaustragen will, muß au Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit das Mittelmaß überragen, nicht unter dapelbe hinabgleiten, er muß ein Ritter nicht blos ohne Furcht, sondern auch ohne Tadel sein. Die intellekuelle. wie ethische Unzulänglichkeit, mit der Stöcker an seine Aufgabe ging, war sehr bald jedem Unbefangenen klar und hat sich während seiner öffentlichen Wirksamkeit immer wieder von Neuem so handgreiflich herausgestellt, daß man staunen muß über den kurzsichtigen und leichtsinnigen Beifall, mit welchem weite konservative und Pastorale Kreise sein Auftreten begleitet haben und durch den sie an der nun zu Fall gekommene» Selbstüberhebung des beklagcnswerthen Mannes mit schuld geworden sind. Ich verzichte darauf, dies hier näher auszuführen, und will nur ausdrücklich aussprechen, daß auch ich Herrn Stöcker keine bewußten und absichtlichen Unwahrheiten zutraue, — nur, daß sein Unterscheidungs- Vermögen für Wahrheit sehr wenig ausgebildet und daß überhaupt von der christlichen Behütung der Zunge bei ihm wenig zu spüren ist, das werden auch seine besten Freunde nicht in Abrede stellen. Inmitten aller Selbsttäuschungen aber mußte mindestens eine Erkenntm'ß ihm zugemuthet werden, die Unvereinbarkeit des Geistlichen und dieser Agitatorenrolle. Auf der Kanzel die geweihte Sprache der evangelischen Predigt handhaben und in der

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