Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1885)
- Date
- 1885-07-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI« Jahrgang. Erste Beilage }it Nr. 56 des Israelit. Heiteubet Artikel. Beiträge zur talmudischkn Sprach- und Sachkunde. Bon D r. H—ch. E. VII. Z« Iowa 3 d findet fich eine Eoutroverse zwischen R. Iochanan und Nab bi Simeon bcn Lakisch über den Grund der Absonderung des Hohepriester» vor denl Bersöhnnugstage. Daselbst heißt es v"x .i> rD> xp vjTiD **-b Vh und nachdem R. Lakisch Rabbi J/s Ansicht bekäurpst, entgegnet letzterer xVx rb *f? xdtjd td d. h.: Nun, o Herr, woher hast Du diese Befirmnurng hcrausgclernt? Wem das VerhAtuiß, das zwischen R. Iochanan und St. Lakisch obgewaltet hat, nicht fremd ist, wird hier gleich die Schwierigkeit herausfühlen, die in diesen beiden Anreden liegt, ft. Lakisch, der Schüler des N. Jochanau, lveun uuch zuweilen -an -rcbn genannt, redet diesen so ohne Umstände au, während N. Iochanan seinen! Schüler gegenüber das ehrende Epitheton TD gebraucht, welches gewöhnlich nur der Schüler dem Lchrer gegenüber anweudct! Unter allen Erklärer», die mir zrigänglich find, scheint nur 9t. Akiöa Eger Ncse Schwierigkeit bemerkt zu haben, und er sucht diesclbe z» beantworten, indem er in seinen mrjn auf Topafoth Arachin 5 a hinwcist, wo diesüben es ebenfalls als ungewöhnlich erklären, daß Abaji zu «r iu der Anrede TD sagen sollte, und daher die Lesart in Rabba nm umändern. Damit ist aber die Frage nicht beantwortet und auch die Erklärung, dieToffafoch dort gibt, dafür, daßR. Josef den Abaji cimmllTD aurcdet, paßt nicht gut hiehcr, sowenig wie sie zu derGemüthsartnnd zudem Wesen R. Jochanau's paßt. Roch eine andere Schwierigkeit liegt.in unser«» Texte, in der Antwort R. Lakisch, welche lautet DDD TM statt, wie es gewöhnlich bei Antworten heißt, *b tdx. In Wirklichkeit ist das Wsckhen rvb iu den neueren Ausgaben des Dalnmd von eüügeu hmzugefügt worden. Wir wolle» zeigen, daß dies nicht so nothwendig ist, denn «ach miserer Erklär«^ der Anfrage wird diese Form der AutwM DüLcicht als richtig erscheinen. Nabbinowrtsch km bringt «ne Handschrift, welche an safere? Melle lieft rb reh* w'.Tv td x^x also chic ZusauWSLstchssg von zwei Redensarten, die -etwa so ISsgt, wie, weun wir sagen würden „Du, mein Herr" in gewöhnlichem Gespräche. Rabbinowitsch bemerkt auch, das; dies eine gänzlich unrichtige Lesart sei. Entweder sollte es heißen rb nd\td td oder rr; vshy xd\td x^x. Meiner Ansicht nach, ist gerade diese schwierigere Lescart die bessere, sie muß nur richtig anfgefaßt werden. Jeder Talmudknudige kennt den Unterschied zwischen der Sprache das Babli nnd derjenigen des Jcruschalmi. Wer z. B. eine nnd dieselbe Halacha, die in beiden Talmuden rcferirt wird, vergleicht, wird diese Verschiedenheit bemerken nnd nothwendig zu dem Resultat kommen, das; die Aussprüche der paläsiinenfischen Lehrer in den babylonischen Schulen gemäß der Aussprache der Babylonier umgemodelt wurden, tvährend andererseits Anssprüche babylonischer Lehrer in Palästina, nach der in Palästina üblichen Redeweise vorgetragen wurden. Anders läßt sich diese Verschiedenheit nicht erklären; denn cs ist doch nicht anzimehmeu, daß jeder Lchrer seine Aussprüche in beiden Idiomen mitgethcilt habe. Es finden aber Ausnahmen von dieser Regel statt, indcul manchmal Aussprüche paläftinensischerLchrer int Vabli mit ihren eigenen Worten mitgethcilt werden. Namentlich finden wir diesen Fall bei R. Iochanan einige Male. Lnzzatto, Grammatik des chaldaischen Jdeoms des babylonischen Talmud, 0, macht schon auf diese Eigenthümlichkekt aufmerksam. Ich will nur auf ein markantes Beispiel für viele Hinweisen. In Verachvth 5 b wird in einem Ansspruch des R. Iochanan der Ausdruck yd für „Sohn" gebraucht, was sonst weiter im Babli nicht vorkömmt, während cs im Jcruschalmi gewöhnlicher Sprachgebrauch ist. Meines Erachtens haben wir nun an unserer Stelle ein ähnliches Beispiel vor uns. Bekanntlich wird im Jcruschalmi bei den Verdis x"ö häufig das 'x am Anfänge ausgelassen, ähnlich wie im Althcbräischcn bei den Verdis ’"e. Es heißt daher im Jernschalmi oft pD für pex; nnd bei Hauptwörtern xd für xdx und dgl. Ebenso sagt man im Imperativ TD für tdx, welches eigentlich vollständig TDX heißen sott im Aramäischen. Wer speziell für dieses Wort Beispiele verlangt, findet sie häufig gleich auf den ersten Seiten des Jeruschalmi in Berachoth. Demnach wird auch das TD an unserer Stelle in Joma kein Epitheton sei», sondern ein Imperativ von tdx. R. Iochanan sagt demnach zu N. Lakisch, der seine Ansicht bekämpft: