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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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944 Nabbi Ncv. Dr. Hermann Adler '"2 hielte eine sehr gediegene Festrede, welche das Auditorium hegeisterte 'und zu vielen Spenden veranlaßte. Zum Schluß trug Herr Ncv. Herrmann Gollancz, — (Sohn des berühmten Obcrcantors Ncv. S. M. Gollancz) das Gebet ny.ffn jrfun vor. Der erwähnte Herr Hcrrmann Gollancz wurde zum Prediger in der Dalston- Synagoge mit absoluter Stimmenmehrheit erwählt, und wir hoffen, nachdem derselbe sowohl in seiner früheren Prediger-Stellung hier in London, auch in seiner jüngst innegchabtcn zu Manchester stets den orthodoxen Prinzipien huldigte, daß sein neuer Wirkungskreis ein recht segensreicher sein möge. — Die Dalston-Gcmeinde zählt eine beträchtliche Anzahl deutscher Mitglieder und ist in steter Zunahme begriffen, weßhalb der Wirkungskeis des geistlichen Oberhauptes dieser Gemeinde ein nicht unbedeutender ist. Es wäre sehr erwünscht, wenn Herr Gollancz sein Augenmerk auch auf die Förderung des Jngendunterrichtcs lenken würde. London, 9. Juli. Heute fand, wie bereits berichtet, die officielle Ernennung des Sir Nathanicl de Rothschild zum Lord in festlich vorgeschriebener Weise statt. Die Eeremonie bei der Ernennung eines „Peer" ist eine altherkömmliche Hofsittc, indem das Deeret Ihrer Majestät der Königin durch den Lord-Kanzler, mit seinem festlich geschmückten Gewände bekleidet, feierlichst überreicht wird. — Der Eid wird an den Stufen des Thrones geleistet, nlid alsdann nimmt der neuernannte Peer seinen Sitz zum ersten Male im hohen Hcrrenhause (Lvuse ot' Lords) ein. Um 4 Uhr setzte sich die Procession von des Herald's Bürcau zum großen Saale in Bewegung; daran betheiligten sich die Lords: Monson, Ellenborough, Rosebery, Sidney, Enfield, Herzog v. Wemyß, Lord Adeland und Earrington. Sir Nathaniel erschien in seinem neuen Staatsgewande, welches von scharlachrothcr Farbe und reichlich mit Gold gestickt war und nahm das königliche Patent in Empfang, nachdem ihm dasselbe vorgclescn worden. — Die bei der Eidleistung vorgeschriebcne Sitte hierzulande ist, daß der Eidlcistende das neue Testament zu küssen hat. Dem ausdrücklichen Nachsuchen des Baron Rothschild zufolge wurde gestattet, daß er den Eid auf das sogenannte alte Testament leisten dürfe und zwar wurde eigens hiefür ein in hebräischer Sprache gedruckter Pentateuch (ffvin) seinem Wunsche gemäß in das Ronso of Lords gebracht. Der Baron bedeckte sein Haupt nach jüdischer Sitte und leistete den Eid, wie folgt: „Ich, Nathaniel Mayer Rothschild, schwöre „hierbei, daß ich anhänglich und treu gehorsam „an Ihre- Majestät der Königin Victoria, ihren „Erben oder Nachfolgern sein werde, nach gesetzlicher Vorschrift, so helfe mir Gott." Der Act wurde unterzeichnet, und die Versammlung begrüßte den neuen Lord dreimal mit Begeisterung^_ Feuilleton. Aus Jerusalem. Von H. Grünebaum. Es ist vielleicht Manchem Ihrer werthen Leser noch unbekannt, weshalb ich in Begleitung des Herrn Abr. Roos in Amsterdam im November vorigen Jahres eine Reise nach dem heil. Lande, spcciell nach Jerusalem, unternommen, und schicke ich deshalb kurz voraus, daß der Hauptzweck die Erwerbung der Concession zu einem Hospital dorten war, sowie Jnformirung betreffs der nöthigen Mittel und Personen zur Einrichtung und Erhaltung desselben. Unfern Empfang daselbst theilte ich bereits von dort aus in diesem Blatte mit, und will ich heute den geehrten Lesern nun ein kleines Bild der gewonnenen Erfahrungen vorsührcn. Es kann meine Aufgabe nicht sein, eine genaue Schilderung der Stadt und der Einwohner hier niederzuschreiben, denn es cxistiren verschiedene Werke hierüber, die Alles ausführlich behandeln, wie cs andrerseits unmöglich ist, nach kurzem Aufenthalte umfangreiche Mitthcilungen zn machen, wie dies schon öfters geschehen; in solchen Unternehmungen treten die größten Fehler auf und erscheinen die unsichersten Urtheile, die entweder von der Voreingenommenheit des Reisenden mit nach Palästina gebracht sind, oder bei einzelnen der dortigen Einwohner cursiren. Run ist aber nichts undenkbarer als ein richtiges Urtheil der letzteren, über ihre öffentlichen Institute und sonstigen Verhältnisse, da bei einer solch drückenden Armuth, wie sie dort herrscht, ein objectives Urtheil nicht zu erwarten ist. Es war uns sowohl durch die Empfehlungen des wohl. Präses des Hospitals-Comites, des Herrn Dr. Lehmann, als auch durch solche der Herren Pekidim zu Amsterdam das Studium der allgemeinen Lage unsrer dortigen Brüder sehr erleichtert, so daß ich mir schmeichle, durch 3- bis wöchentliches, rastloses Arbeiten, an der Hand meiner früheren Kenntniß der Zustände, ein richtiges Urthell erlangt zu habe». — Zunächst sei ein gedrängter Ueberblick meiner Reise gegeben: Wir fuhren Freitag den 21. November von Triest über Corfu nach Alexandrien und kamen daselbst Donnerstag den 27. November, nach einer ziemlich unruhigen Fahrt, glücklich an. Wir blieben über in Alexandrien, wo ich mich bei einer

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