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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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943. bei den jüdischen Kindern hiezu sammeln ließ. Noch mehr, obwohl sich ein armes, krankes jüdisches Schulkind beim Comite meldete und sich in jeder Richtung den Einrichtungen der „Ferien-Colomen" unterwersen zu wollen erklärte, wurde dasselbe zurückgewiesen. (Ist ihm recht geschehen! Red.) Wir registircn nur diese traurigen Thalsachen, die keines Commentarcs bedürfen, und wodurch uns Juden der Staudpunkt klar gemacht wird, welchen nicht etwa das ungebildete Volk, sondern die Spitzen der Intelligenz in Bezug auf uns einnehmen. Wir können nicht die versuchte Entschuldigung mit den jüdische» Spciscgcsetzen als triftig acceptircn, da es rsache der Herren war, für die jüdischen Schulkinder wenigstens einen angemeffencn Theil der Beiträge auszuscheiden, nachdem sie bei ihren Sammlungen den confessionellc» Charakter ausgeschloffcn hatten. Doch die Sache wurde anders erledigt, und wir sind die letzten, welche den christlichen armen Kindern die ihnen zutheil gewordene Wohlthat etwa mißgönnen. Aber sicher ist es, daß die jüdischen armen anämischen Schulkinder nach ihren kümmerlichen Verhältnissen, solche Feriencolonien noch weit nöthiger haben, und daß unsere Talmudweifen gar sehr Recht haben wenn sie fragen: „Wenn ich nicht selbst für mich sorge, wer wird es thuu?" An unsere jüdische Bevölkerung ist daher die Ehrenpflicht hcrangetreten, für die armen jüdischen Schulkinder ebenfalls eine Ferien-Colonie iu Leben zu rufen. In der That, hat dieser Gedanke durch die Initiative des Herrn Cuttnsrathes Jacob Stroh, dessen Wohlthätigkeit allgemeine Nachahmung verdient, Verwirklichung gefunden. Herr Jacob Stroh hat mit dem ihm eigenen Esser und rastloser Energie ein jüdisches Comite zu diesem Zwecke gebildet, um Sammlungen eknzuleiten, die er sclbt mit einem sehr ansehnlichen Beitrage cröffnete. Dieses Comits besitzt schon einen Fond von circa 650 fl, welcher die Aussicht gibt, daß schon indiesem gegenwärtigen Jahre eine Fericncolonie von wenigstens 20 jüdischen Schulkindern wird entsendet werden können. (Lcmb. „Jsr.") Nikolsburg, im Juli. Vor Kurzem wurde der Rabbiner zu Brünn, Herr Dr. P l a c z e k, Sohn des früheren wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit weitberühmten Landcsrabbiners Var":, zum Landesrabbiner von Mähren ernannt. Hoffentlich wird derselbe es sich zur Aufgabe machen, das Judenthum zu heben, die religiösen Zustände zu verbessern, insbesondere den überhandnchmenden Miß- Mißbrauch bei der Schcchita-Funttion zu beseitigen. Ich habe auch in dem aus Anlaß seiner Erhebung zum Landrabbiner an ihn gerichteten Glückwunschschreiben diese Angelegenheit berührt, und in der geschätzten Antwort, mit welcher cr mich beehrte, sprach er sich dahin aus, daß Hoffnung vorhanden ist, mit Regelung der äußern Vrrhältniffe der Juden in unserem Staate auch diesem Nebel abhelfen zu können.' 'n jo» pl Mos. L. Kohn, Rabb.-Affessor. Aus Poyrlitz (Bezirk Auspitz) wird vom 5. dss. geschrieben: Eine höchst aufregende Scene hat sich heute hier ereignet. Der neunjährige Sohn des hiesigen Bürgermeisters Herrn Georg Vogel gerieth beim Baden im Jglawaflusse unterhalb des Wasserwchrs in eine tiefe Stelle und wäre sicherlich ertrunken, wenn nicht noch rechtzeitig der Sohn des hiesigen Restaurateurs, Herr Julius Adler, halb angekleidet ins Wasser gesprungen wäre und den bereits besinnungslosen Knaben den Flnthen entrissen hätte, worauf er ihn der am Ufer stehenden Dienstmagd, welche den Knaben an dieser gefährlichen Stelle hatte baden lassen, übergab. Herr Adler wurde von der versammelten Menge durch Bessallsrufe ausgezeichnet, als schon an der nämlichen Stelle ein anderer Bursche, der Sohn des Taglöhnlers Trojan, vor den Augen vieler anderer Badender nntcrging. Schnell entschlossen sprang nun der Viehhändler Herr Simon Bauer zur Stelle mtd ergriff den mit dem Tode ringenden Burschen. Dieser aber packte Herrn Bauer am Fuße, wodurch auch dieser in die Gefahr gerieth, zu ertrinken. Plötzlich wurden Beide von einem Wellenschläge nach dem Ufer geschleudert. Nun war cs wieder Julius Adler, der schnell ans Ufer eilte und den ohnmächtigen Viehhändler mit seinen Armen fing und ins Trockene brachte. Auch der Knabe Trojan wurde gerettet. Der Schrecket: über die beiden fast gleichzeitigen llnfälle und später die allgemeine Freude, daß Niemand verunglückt ist, lassen sich kamn schildern. Herr Adler wurde von allen Seilen beglückwünscht, und die Gemahlin des Herrn Bürgermeisters Vogel, der abwesend ist, erschien persönlich bei Herrn Adler, um demselben für die Errettung ihres Sohnes den Dank anszusprechen. Von Seite der Gemeinde ist das Baden der Kinder an dieser Stelle der Jglawa sofort streng verboten worden. England. London, 5. Juli. Heute Nachmittag fand die Einweihung (*iun) der Dalston-Synagogue statt. Hen Samuel Montagu legte den Schlußstein und spendete bei dieser Gelegenheit L. 100. — Die Feier war eine sehr erhebende. Der vertretende Chief /

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