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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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945 mir bekannten Familie vorher avisirt hatte und wir sehr gut ausgenommen wurden. Die jüdische Gemeinde in Alexandrien besteht vorzugsweise ans d’ted (Spaniolen) und zahlt ausgezeichnete Jehudim zu ihren Mitgliedern; es sind da 2 große Synagogen, die Baron Menasche's- und die Eliahu- Synagoge, sowie noch 3 kleinere und 1 piv Aschkcnasim. An die »asn in^x-Schnle knüpfen sich sehr viele Sagen. Dieselbe ist ein uraltes Gebäude, aber doch sehr groß und schön rcstaunrt. Sie erhielt ihren Namen vor langer Zeit, als einst ein schrecklicher Brand das ganze Viertel, m dem sie steht, verzehrte und nur dieses Gebäude verschont blieb, damals will man in'bvr au ihrem Eingänge gesehen haben. — Die Synagoge des Baron Menasche wurde von dem leider vor einigen Monaten so rasch verstorbenen Baron Menasche gegründet und ganz erhalten; sie ist ein imposantes Gebäude Inmitten der Stadt mit Marmorsäulen rc. Derselbe schuf auch eine Armenschule, welche von über 100 Kindern besucht wird. Wir waren dort und hörten den Unterricht an. Es ist diese Einrichtung für so viele Arme eine unermeßliche Wohlthat. Die Aussprache der oh-ed war meinem Ohre Anfangs etwas fremdartig, doch gewöhnte ich mich bald daran. Die Leute sind sehr aufmerksam gegen uns gewesen und haben uns außer dem Aufrufen zur Thora auch sonst alle möglichen Ehre erzeugt. Einige Gebräuche bei den nfrsn sind grundverschieden von den unfern und bemerkenswcrth cercmoniell; besonders siel mir auf, daß am Freitag Abend beim Herausgehen aus der Synagoge jedem einen Strauß Myrthen zum 71212-Machen gereicht wird. Am rattf Mittag fuhren wir wieder weg, nachdem wir am Tage vorher auf rmserm Schiff ruip nmtp gewesen sind und kamen Sonntag den 30. November, früh 8 Uhr, nach Portsaid, wo wir bis Abend Aufenthalt hatten. Dortselbst besteht eine kleine portugiesische Gemeinde, deren Synagoge äußerst ärmlich ist. Aschkenasim find hier nur wenige, und diese Wenigen sind meistens aus Rumänien und niache» uns in religiöser Beziehung keine Ehre. — Von Portesaid bis Jaffa ist eigentlich nur 15 Stunden Fahrzeit, allein wir konnten nicht landen, sondern fuhren vorüber, um 5 Tage Quarantaine vor Beyronth emf dem Schiffe zu halten. Wir bekamen täglich warmes Essen durch einen jüdischen Boten per Boot herüber, was wir der Fürsorge des Herrn Bankier Valera in Jerufolem verdankten, welcher seinen Beyrouther Vertreter telegraphisch beauftragte, uns zu Diensten zu sein. Aus dessen energische VorstÄkurgen hin wurde, ferner unsre Ouarautairre um 1 Dag reducirt, wodurch wir 8 Tage prositirten und direkt Anschluß zurück nach Jaffa hatten. Obzwar unser Aufenthalt vor Veyruth in den ersten Dezembcrtagen stattfand, so war es doch so heiß, wie bei uns im Juli und während der Mittagszeit nahezu unerträglich. Jeden Tag kam ei» Bote von der Stadt' mit Früchten, Brod rc. zum Verkauf an die Schiffspassagiere. Der Preis dafür war nach unfern Begriffen außerordentlich billig; ein Gewicht besaß der Händler nicht, er benutzte als solches Kartoffeln, welche im Orient noch nicht so heimisch und billig wie bei uns sind. Er verkaufte z. B. 4—5 Stück ■ schöne Trauben, das Stück im Gewicht von über - 4 Pfund und 10 Orangen zusammen um 1 Franc, und das ist noch sehr theuer, weil eine Taxe für die Erlaubniß des Hcrüberfahrcns zum Quarantainschiff zu zahlen ist. Hier lernten wir auch die Vedürfnißlosigkeit der armen Araber kennen, die wir in zahlreichen Exemplaren auf dem Schiff hatten (es waren Fcllahen d. i. Bauern von aram. rfo und Kameeltreibcr). Dieselben aßen Zwiebeln, Knoblauch und Brod, die bessern unter ihnen kauften sich etwas billigen Käse dazu. Wie schon erwähnt, erhielten wir die Erlaubniß, schon am 4. Tage uns von unserem Schiff direkt auf ein aiiberc» zu begeben, welches nach Jaffa fuhr, und so kamen wir rat? früh 8 Uhr, wohlbehalten, bei prachtvollem Wetter in Jaffa an. Es ist allerdings sehr unangenehm, auf rav anzukommen, doch hatten wir schon zuvor mit einem unserer Mitreisenden verabredet, daß er unser ganzes Gepäck rc. mit sich nehme, so daß wir keinem ra» Wn ausgesetzt waren. Die Paß- und Gepäckcontrolle ging sehr rasch und ohne alle Schwierigkeit von Statten, und wir waren glücklich nach so langer Seefahrt frei aufathmen zu können und endlich auf heiligem Bode» angelangt zu sein. — Mein Eollcge erinnerte sich eines jüdischen Namens, zu dessen Träger er uns sofort hinbringen ließ; wir fanden in seiner Behausung zwar ein echt für paar hergerichtetes Zimmer, aber Niemanden darin als ein Mädchen, welches uns in sehr schwer verständlichem, polnischen Jargon erklärte: „Die Leute seien in Schul." So richteten wir unsere Schritte nach der Synagoge, wurden aber von unserem Führer nach der portugiesischen gebracht, wo wir noch rechtzeitig ankamen. Man erzeigte uns jede Ehre, da man gleich richtig vermuthete, daß wir die bewußten, deutschen Abgesandten seien; wir sagten die bm raia und wurden nach Beendigung des Gottesdienstes vielseitig zu Tisa-e eingeladen, allein wir nahmen cs nicht an, mit dem Bemerken, wir müßten erst unfern Hausherrn gesprochen haben, bei dem wir ohne Auf-

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