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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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940 in Ncde stehenden Ausspruche Hillels noch eine andere Deutung geben, die vielleicht mit einem Erlebnisse des groben Mannes in Verbindung steht. Im Traktat Sabbat (141».) wird uns berichtet, das; Schammai und Hillel die Einrichtung haben treffen wollen, dab man, bevor man die Priester- Hebe (rann) bcrübrc, sich selbst dann die Hände waschen müsse, wenn diese vollkommen rein sind. Eine solche Einrichtung hatte König Salomo bereits für die Opfer (c'jnp) getroffen. Die beiden großen Lehrer Israels vermöchten die Erweiterung der Salomonischen Thckanah nicht durchzufetzen, weil das Volk widerstrebte. Trotzdem hielten Schammai und Hillel sich nicht zurück, diese Einrichtung zu treffen, wiewohl sie nicht acceptirt wurde und in Folge dessen Gesetzeskraft nicht erlangte. Später jedoch, als die Schulen Schammai's und Hillels erstarkten, gelang cs den beiden großen Männern in Verbindung mit ihren Schülern (vergleiche Toßafoth daselbst tan cn"-) diese Einrichtung zum Gesetze zu erheben. Anlehnend an diesem Vorgang können wir den vorliegenden Ausspruch Hillels folgendermaßen erklären: Wenn du etwas als gut, recht und nützlich erkannt hast, und willst, daß es zur allgemein giltigen Norm werde; aber man widerstrebt dir und will nicht auf dich hören, so lasse dennoch nicht ab; am Ende wirst du es doch durchsetzen. „Sage nicht in Bezug auf irgend eine Sache, es sei unmöglich, daß sie Gehör finde — am Ende wird sie dennoch gehört werden." Nach dieser Erklärung schließt sich auch dieser Theil unsrer Mischna einfach und schön an den vorhergehenden an. Wir haben oben auseinandergesetzt, daß die Lehre: beurtheile deinen Nebenmenschen nicht, bis du dich gleichsam an seine Stelle gesetzt hast, mit dem göttlichen Gebote, beit irrenden Ncbenmenschen znrechtzuweisen im engsten Zusammenhänge steht; diese Lehre soll den Maßstab bilden -ei der Zurechtweisung des Nächsten. In den meisten Fällen erscheint die Ermahnung ganz erfolglos, und trotzdem ist es unsere Pflicht, unsre Ncbenmcnschcn znrechtzuweisen. — Als Gott einst, so erzählen die Weisen im Traktat Sabbat (55 a.), dem Würgengel befahl die Bösen zu erschlagen und die Frommen zu verschonen, da trat der Ankläger vor Gottes Thron und sprach: Herr der Welt, warum willst Du Diese verschonen und Jene bestrafend und Gott sprach: Diese, sind vollkommen Fromme und Jene sind vollständige Bösewichter. — Der Ankläger entgegnete: Die Frommen hätten die Bösen warnen, ermahnen, zurückhaltcn sollen. — Gott sprach: Offenbar und bekannt ist es vor Mir, daß die Ermahnungen erfolglos geblieben wären. — Aber der Ankläger entgegnete: Wenn es auch vor Dir offenbar und bekannt, so konnten sie das doch nicht wissen, und sie hätten wenigstens ihrer Pflicht genügen sollen. — Gott hörte auf die Stimme des Anklägers, und auch die Frommen wurden bestraft, weil sie es unterlaßen hatten, ihre sündigen Brüder znrechtzuweisen. Teßhalb mahnt Hillel: Sage nicht, daß dein Wort unmöglich gehört werden kann, daß cs unmöglich sei, daß deine Mahnung Erfolg habe, denn am Ende wird sie doch gehört werden. Wenn auch der sündige Mensch deine Mahnungen nicht hören will, wenn er sie höhnend zurückweist, wenn gar sein Zorn über dich entbrennt — die Mahnung macht dennoch Eindruck auf ihn; es werden Stunden kommen, in denen er sich deiner Worte erinnert, in einsamen Nächten, in Sttmden der Gefahr, in Tagen der Krankheit und des Elends, und dann wird er sich vielleicht aufraffen, und wenn auch vielleicht erst nach Jahren den Worten Gehör geben, die er einst mit Hohn und Spott oder voll Zorn zurückgewicfen. Es gleicht ein gutes Wort oft einem Fruchtkern, der auf Gestrüpp und Stein gefallen und deßhalb nicht ausgehen kann; aber immerhin ist es möglich, daß Gestrüpp und Steine hinwcggeräumt werden, und daun findet der Fruchtkern, wenn auch spät, den günstigen Boden, senkt sich in die Erde, geht auf und wird zu einem schönen Baume, der die herrlichsten Früchte trägt. (Fortsetzung folgt.) Mauer. Von Dr. H. Sänger. In der Zeit, da Feste auf Feste gefeiert werden, da die Menschen hinauseilcn aus der Enge ihrer Wohnungen, aus dem lärmenden Getriebe der Städte, aus ihren stauberfüllten Straßen, hinaus in die freie, herrliche Natur, um sich an dem reinen, blauen Hinnnel, an dem saftigen Grün von Wald und Flur, an der duftgewürzten Landluft, an der sonnedurchstrahlten Gegend zu erfreuen, sich aufzuheitern, zu erfrischen, um sich zu erholen, und auszuruhen von der Last und den drückenden Sorgen des Alltagslebens, um dem ermüdeten Geiste neue Frische und Spannkraft zu verschaffen: in dieser Zeit ist es wahrlich schwer, sich der Trauer hinzugeben, der Trauer um eine Vergangenheit, der Trauer mit einen Verlust, den man nicht mehr empfindet. Um was denn trauern? So werden erstaunt Manche fragen. Und sie haben recht. Wissen ja Viele heute kaum mehr, daß wir einst ein Volk unter den Völkern, ein Gottesvolk unter lauter Heid-

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