Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1885)
- Date
- 1885-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. M 56, er ^sra E i n Kentrat - Hrgan für das orthodore Zudenthmn. Herausgegcben von Vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 1«. Juli 5645 (1885). Leitende Artikel. Are Sprüche der Water.? xxvii. Mainz, 13. Juli. In Bezug auf den nun folgenden Theil unserer Mischna gibt es eine ganze Reihe verschiedener, sich theilweise widersprechender Erklärungen. Wir haben bereits darauf aufmerksam gemacht, daß auch verschiedene Lesarten existiren. Raschi hat die folgende Lesart: :jmnb ibidp jot; -wziw ■vwn bw „Sage nicht auf etwas, was du jetzt hören kannst, daß es auch später vernommen werden könne." Nasch! gibt dafür zwei Erklärungen. Die erste ist: Wenn du Gelegenheit hast, etwas zu lernen, so ergreife die Gelegenheit sofort und tröste dich nicht damit, daß die Gelegenheit sich später auch noch bieten werde. Je früher du etwas lernst, desto früher kannst du es anwenden. Die andere Erklärung ist: Sage nie etwas, wovon du wünschest, daß es ein Geheimniß bleiben soll; denn sobald auch nur ein Anderer davon weiß, so gehört das Geheimniß nicht mehr dir, und die Gefahr ist da, daß cs zur allgemeinen Knude gelange. Der Sinn ist demnach der: Sage nie ein Geheimniß (auch wenn du allein bist) derart, daß man es hören kann; denn sonst, wenn auch nur Einer dich belauscht, kann es leicht zur allgemeinen Kunde gelangen. MaimonideS, und mit ihm all die Andern, haben die folgende Lesart: lynvab ibidp jncE6 twbk w 121 icnh fcn Maimonides erklärt den Ausspruch Hillels folgendermaßen: Sage nie etwas, was unverständlich ist, indem du dich darauf verlässest, daß es nach sorgfältiger Prüfung ltub tiefem Nachdenken am Ende noch verstanden wird. — Demnach ermahnt Hillel hier die Weisen, daß sie ihre Lehren klar, deutlich und allgemein verständlich aussprechen, ungefähr so wie Abtalion gesagt: Ihr Weisen, seid vorsichtig in euren Aussprüchen. — Mit Recht wird gegen diese Erklärung des Maimonides der Einwand erhoben, daß Hillel in diesem Ausspruche dann selbst gegen seine eigene Lehre gefehlt hätte. Wenn er sagen wollte, daß die Weisen ihre Lehren nicht derart geben sollen, daß ihre Worte eine vielfache Deutung zulassen, so hätte er diese Lehre doch nicht in einer Form gegeben, welche die verschiedenartigsten Deutungen herausfordert. Die zutreffendste Erklärung scheint uns die folgende zu sein: Sage nicht von einer Sache, daß sie unverständlich sei; sie wird am Ende doch verstanden. — Das Zeitwort ycw bedeutet nicht allein hören, sondern auch verstehen. Wenn dir also bei deinen Studien tiefe und unergründlich scheinende Materien Vorkommen, so lasse nicht ab, sie zu erforschen und dich darein zu versenken; am Ende wird deine Mühe belohnt und das dir unergründlich Scheinende wird dir klar und verständlich werden, gemäß dem Ausspruche der Weisen: Wenn Jemand zu dir sagt: ich habe mich nicht bemüht und doch gefunden, so glaube ihm nicht; wenn Jemand sagt: ich habe mich bemüht und nicht gefunden, so glaube ihm nicht; wenn aber Jemand sagt: ich habe mich bemüht und gefunden, so glaube ihm. — In der Lehre unsres Gottes gibt es viele Dinge, die bei oberflächlicher Betrachtung unverständlich erscheinen; aber der ernste Wille und der unablässige Fleiß lassen tief eindringen, und ermöglichen es dem menschlichen Geiste, selbst das Schwerste zu erkennen. Eine andere Bedeutung des Wortes ym ist „gehorchen." Dem entsprechend können wir dem