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Der Israelit · 1885-07-13 · Heft 55 (13.7.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 55 (13.7.1885)
Date
1885-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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932 Zeitungsnachrichten und Corresponderrzerr. Deutschland. Berlin, 9. Juli. Die Zahl der aus den östlichen Provinzen ausgewiesenen russischen und österreichischen Unlerthancn beträgt, wie verlautet, jetzt rund 30,009. Davon hat aber thatsächlich erst ein kleiner Thcil Deutschland verladen, die Mehrzahl hat längere Frist, bei Vielen schwebt auch das Verfahren noch. Juden sind unter den Ansgewiesenen etwa 4000. Es ist zu bemerken, daß die von der Ausweisung Betrogenen nicht gezwungen werden, in rhr Vaterland znrnckzukehren, es steht ihnen frei, zu gehen, wohin sie wollen. Thatsächlich wenden sich auch Viele nach Amerika, der Schweiz und anderen Ländern. Breslau. Dem uns vorliegenden Protokolle der siebenten ordentlichen General-Versammlung am 24. und 25. Mai des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen entnehmen wir: Nach längeren Debatten wird folgende von der Commission gefaßte Ncsolntion angenommen: „In Erwägung, daß die Sabbatseicr einer der Grundpfeiler ist, ans denen dlis Gebäude des Judenthums ruht, und das; der ögentliche Gottesdienst einen wesentlichen Bestandtheil derselben bildet, von welchem daher unsere Schuljugend nicht ohne den größten Nachthcil für ihre religiöse Erziehung scrnbleiben kann; in Erwägung ferner, daß die Eltern die Verfügung des königlichen Ilutcrrichts-Ministerii, wonach es ihnen gestattet ist, die Dispensation ihrer Kinder vom Schulbesuch am Sonnabend nachznsuchen, bei der großen Einbuße, die dieselben durch ihr Wegblcibcn vom Unterricht erleiden würden, unbeachtet lasten; in Erwägung endlich, daß es den Direktoren, resp. Hauptlehrern der Lehranstalten auch bei dem besten Willen vielleicht nicht möglich ist, den Stundenplan so eiuznrichten, daß die jüdischen Schüler in sämmtlichen Klassen am Sonnabend auch nur eine Stunde ohne Schaden versäumen: erklären wir es als die unerläßliche Wicht der Gerneinden und ihrer Rabbiner oder Religionslehrer, an allen Orten, wo die jüdischen Schüler ans den angegebenen Gründen den Sabbat-Morgen-Gottesdienst nicht besuchen, die Einrichtung zn treffen, das; sich dieselben an einem besonderen Nachmittags-Gottesdienst, resp. dem Miucha-Gebct der Gemeinde betheiligen zu können und dabei womöglich das Wort der religiösen Belehrung vernehmen. Rabbiner Dr. Joel, Breslau hält einen Vortrag: „lieber die Opfer und Stellungnahme der Schule zu denselben." Er kouunt zu folgendem Schluffe: In der Schule könne man unbedenklich den Theil des Pcutateuches, der vom Opsercntt handle, lehren. Bibelkritik gehöre nicht _ in die Schule; da haben alle Richtungen zu schweigen. Wir sollten uns hüten, im Innern mit einander zu hadern; draußen gebe cs Kampf und Verfolgung genug. Schlimm genug sei es schon, daß der Streit über Opfer in der Gemeinde praktische Folgen haben könne (durch Aendcrung mancher Gebete.) Die Schule solle mindestens davon frei bleiben. — Reicher Beifall folgte den Worten dieser Rede. Dr. Seligmann, Breslau gibt eine „Geschichte der Entwicklung der jüdischen Religionsschule." Eine Diskussion! über diesen Vortrags wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen auf das folgende Jahr verschoben. Der Verein zählt gegenwärtig 127 Mitglieder und hatte im verflogenen Jahre eine Einnahme von 202 M., wovon 85 M. verausgabt wurden. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Pefth. Unter der Ueberschrift „Nur nicht empfindlich" veröffentlichte unser Glaubensgenosse, Hosrath Ludwig v. Dozi, Sectionschef im Ministerium des Äeußern im „N^ P. Journal" einen hochinteressanten Artikel, dem wir folgende Stell«! entnehmen: Die Rede de« hachwsirdigen Bischofs von Veßtzrim an die jüdische Deputation von Marczali enthält nicht nur einen Trost, sondern anch eine Mahnung. „Seien Sic ruhig, meine Herren, seien Sie nicht so empfindlich und ich glaubt, es wird Alles gut sein." Ruhig sind wir Inden, wir greifen Niemanden an, sondern lassen uns angreisen. Wir haben uns auch das Klagen bei den Geschworenengerichte» abgewöhnt, seitdcuk sich heransgestellt hat, daß diese für nnsere Klagen blind und taub sind. Wtt lesen „ruhig" die Blätter, in denen den Inden täglich ungestraft Dinge gesagt werde», für welche anderswo das Gesetz auch uugerufe» den rächenden Arm erhebt. In jedem Quartal entdecken diese Blätter, daß ein Ehristemnädchen verschwunden und deuten au, daß die Inden wieder einen Mord begangen haben. Das Mädchen wird gesucht und Mfunden; was aber weder gesucht, noch gefunden wird, das fit der Widerruf in den Blättern, die fi.iedliche Em- \

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