Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1885)
- Date
- 1885-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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928 tischen Matrikel-Zentrum, nach wie vor aufrecht erhalten können. Krakau, «. Juli. Eine an sich einfache Strafverhandlung, die hier vor einem Vier-Richter- Eollcgium ftattgcfundcn, erhält dadurch eine besondere Bedeutung, weil sic mit dem noch immer zu keinem Abschlüsse gelangten vcrhängnißvollen Prozesse „Ritter" in Verbindung sieht. Dieser Prozeß, in welchem es sich bekanntlich um den angeblichen Mord an dem Bauernmädchen Francisca Mnich in Lutcza handelt, wird demnächst, nach zweimaliger Eassirnng des Schuldurthciles durch den Obersten Gerichtshof, wahrscheinlich zum drittenmalc dnrchgesührt werden. Es durfte nun aus der im Octobcr vorigen Jahres stattgehabten Schwurgerichts-Verhandlung in dieser Affaire noch ein Intermezzo in Erinnerung sein, welche zwei Entlastungszeugen, die Bäuerin Francicca Teleszowa und den Ehiel Reumann, betraf. Das erwähnte Bancrnwcib deponirtc zu Gunsten des angeklagtcn Ehepaares Ritter, indem es, von anderen entlastenden Angaben abgesehen, anssagte, daß es nie von einem Liebesverhältnisse zwischen Ritter und der angeblich ermordeten Mnich gehört habe. Der damals fnngircnde Staatsanwalt unterzog die Zeugin einem Kreuzfeuer von Fragen und, nachdem dieselbe mit Entschiedenheit dabei bcharrt hatte, daß sie die reine Wahrheit anssage, stellte er bei dem Gerichtshof den Antrag, gegen die Teleszowa die strafgcrichtliche Ilntersnchnng wegen Ablegung falscher Zengcnschaft einznleitcn, weil sie dcffcn, was sie in Krakau aussagte, in der früheren Verhandlung in 'Rzeszow nicht erwähnt hatte. Der Gerichtshof gab dem staatsauwaltlichcn Anträge, trotz der lebhaften Einwendungen der Vcrtheidigcr Dr. Machaluski und Dr. Rosenblatt, Folge und ordnete die sofortige Verhaftung der Francisca Teleszowa an. Ein gleiches Loos mit Ausnahme der Verhaftung — widerfuhr dem Entlastungszellgen Ehicl Neumann. Francisca Teleszowa wurde zwar nachher aus der Haft entlassen, cs wurde jedoch so wohl gegen sie als gegen Ehiel Reumann die Untersuchung durchgeführt, in Folge dessen heute gegen sie die Schlußverhandlung wegen Betruges durch falsche Aussage vor einem hiesigen Richtersenate stattfand. Francisca Teleszowa, die zur Verhandlung nicht erschien, wurde in contumaciam zu neun MonatcnKcrkers vcrurtheilt, während dieVcrhandlung gegen Neumann behufs Vorladung von drei Zeugen vertagt wurde.. Dieser Fall ist sehr wichtig für die cvcntilclle dritte Verhandlung des Prozesses Ritter, da durch die Verurtheilnng der Zeugin Teleszowa eine wichtige Entlaftungszeugin bei der erwähnten Wiederholung des Gerichtsverfahrens wegfällt und cs ailch fraglich ist, ob Ehiel Neumann, wenn seine Verhandlung inzwischen stattfindct, im nächsten Prozeß Ritter als Zeuge einvernommen werden wird. Horodcnka. Der Bürgermeister der Stadt Horodenka, Rcichsraths - Abgeordneter Baron Vomaszkan, berichtet: Für unsere unglückliche Stadt flogen als erste Gnadcngabe die Spende des Kaisers im Betrage von 9000 fl., ferner von der galizischen Statthalter« 2000 fl. und von Baron Albert Rothschild 2500 fl. cin. Das requirirte Militär hält die Ordnung aufrecht. Das Elend ist sehr groß. Bereits sind 9 Leichen aufgefunden worden; täglich werden aus dem Schutte noch weitere Opfer ausgcgrabcn. Gestern hat ein sehr heftiger Hagelschläg einen großen Thcil der Ernte vernichtet und unser Unglück noch vermehrt. Palästina. ' In Tiberias ist in der Nähe des Jeremiasgrabes cin Platz gekauft worden, auf welchem ein jüd. Krankenhaus mit warmen Bädern — da die Quellen in der Nähe sind, ist die Leitung nicht kost spielig— erbaut werden soll. Feuilleton. Derirrt. Erzählung von S. Behrend. IX*). Herr Dr. Wenzel ging in seinem Garten spazieren, verwundert darüber, daß Dr. Scharf ihm über den Blumeukauf keinen Bescheid gebracht hatte, er näherte sich der Hecke und sah im Nachbargarten die Gärtncrburscheu damit beschäftigt. Guirlanden und Kränze zu binden. Er rief Einen der jungen Leute heran. „Hören Sie, guter Freund, für wen sind diese Blumen?" „Sic kommen zum Markt nach der Stadt für die Laubhütten der Israeliten," sagte der Bursche. „So," sagte Dr. Wenzel gedehnt , „für die Israeliten, hat man sie denn nicht für mich angekaust?" Der Bursche zog die Schultern empor. Dr. Wenzel ging in's Hans zurück, kleidete sich an und begab sich sofort zum Gärtner; bei diesem war Niemand gewesen, der im Altstrage des Doctors die Blumen kaufen wollte. Ehrwürden. Wenzel *) Fortsetzung und Schluß.