Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1885)
- Date
- 1885-07-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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905 Präs.: Also Keifte» vir nicht dabei, gehen wir weiter. Der Angeklagte Iheilt mit, der Fremde habe bei ihm angefragt, ob er etwas dergleichen brauchen könne. Er habe ansangs abgelehnl; allein der Bruder des Professors Rohling, welchem er von dem Anerbieten des Fremde» Kenntnis gegeben, habe erklärt, eS wäre von Nutzen für ihn, wenn er ein MaturitätS-Zcugniß hätte, um nach Amerika zu gehe» und dort Doctor zu werden. Rohling habe hinzugesügt, daß dies auch für ihn, Brimann, von Stutzen wäre. Zn Folge dessen hätten nun sie Beide bei dem Manne Maturitäts-Zeugnisse bestellt. Der Fremde habe erklärt, daß er mit dein Director der Anstalt gut bekannt sei. Präs.: Ein sauberer Director! Brimann berietet ferner, die beiden Dokumente seien von Zassy mit der Post eingejendet und von ihm mit je 10 fl. bezahlt worden. Er habe sich darauf bei dem Rector der Universität Würzburg zur Jmmatricuürung gemeldet. Da indeß schon der 10. Zanuar war, habe der Rector wegen der Verspätung Anstande erhoben. Auf Grund eines Telegramms an seine Schwester habe er von dieser ein Telegramm bekommen, worin dieselbe bestätigt, daß seine Eltern ihm nicht früher den Eintritt in die Universität gestattet hatten. Präs.: Sie haben nach viernwnatlichem Besuche der Universität am 14. April eiu Abgaugszeuguitz erhalten. — Angekl.: ES war ohne Werth für mich, weil ich meine Studien nicht fortsetzen konnte. Präs.: Profeffor Rohling hat Ihnen die Unterstützung entzogen. Warum? — SUujeß.: Ich möchte ergebenst bitten, mir die Antwort hierüber zu erlasse». Präs.: Nun gut, ich will Sie auch nicht zwingen. Der Angeklagte gibt im weiteren Bcrlause an, daß ihm versprochen worden sei, an der Innsbrucker Universität Vorlesungen über chaldäisch-aramäische Sprache halten zu dürfen. Präs.: Sic waren auch an Pros. Bickel empfohlen? — Angekl.: Ich habe mit ihm nach Rom corrcspondirt. Aus den weiteren MiUheilungen des Angeklagten geht hervor, daß ihm die Buchhandlung Schuhmacher in Innsbruck für die Uebersetzung des Talmud in die deutsche Sprache im kaufe des Jahres 1084 ei« Honorar von 3ü0» fl. ausbezahlt habe. Die Regierung habe ihm für diese Uebersetzung eine Subvention von 2000 fl., zahlbar iu vier Jahresraten k 500 fl., zugesagt. Im November 1884 — erzählt der Angeklagte — sei er nach Lien gekommen. Präs.: Sie haben auf der Reise hierher in Wels die Bekanntschaft eines Fräuleins Pacher gemacht; auch in Innsbruck haben Sie ein Liebesverhältnis mit einem Mädchen begonnen? — Angekl.: Ja, ober dasselbe war schon zu dieser Zeit beendet. Präs.: Das ist schon mo^ich. Wie kommt rs, daß Sie solche Liebesverhältnisie ««gehe», wiewohl Sic zu Hause tute Gattin und zwei Kinder haben?.— Angekl.: Da ich Convertit bin, so ist die Ehe.nngiltig geworden. Präs.: Das ist falsch. Darüber wollen wir aber nicht rechten. — Angekl.: Ich habe ihr auch einen Schcidcbrief geschickt. Präs.: Hat sie ihn angenommen? — Angekl.: Ja. Präs.: Wir habar J^r Frau nicht gchört, wir können darüber nichts Genaues erfahren. Sie haben das Berhältniß mit Fräulein Pacher wieder gelöst? — Angekl.: Nicht ich, sie hat eS gelöst. Präs.: Sie sind nach Wie«, was hoben Sie hier gen,acht? — SbtgefL: Den Talmud übersetzt. Präs.: Sie haben Leute hiebei beschäftigt als Stenographen re., welche aber von Ihnen wicht vollständig bezahlt wurden? — Der Angeklagte gibt dies za. behauptet jedoch, daß er die Slcn»VLrphen beftüÄK hätte, da ifjm von Schuhmacher in Innsbruck Geldsendungen in Aussicht gestellt waren. Zu dem Zwecke habe er sich nach Gra; begeben, um fiir die Uebersetzung des Schulchan Arnch einen Verleger zu finden. Für diese Uebersetzung sei ihm auch von Seite der Galizi scheu Akademie der Wissenschaften eine Summe von 10,000 fl. als Subvention in Aussicht gestellt worden. Präs.: Wann» haben Sic sich aus Wien heimlich entfernt? — Angekl.: Warum heimlich? Präs.: Sie haben den Leuten gesagt, Sie übersiedeln von der Frankenberggasse in die Führichgasse und sind auf den Sudbahnhof gefahren. Es scheint Ihnen übrigens schlecht gegangen zu sein. Sie haben iu Gra; bei der Frau, bei welcher Sie sich cinlogirt, gleich einige Gulden entlehnt. Endlich sind Sie im März dieses Jahres i» Gra; verhaftet worden. Der Angeklagte bemerkt, daß er seine Gläubiger alle befriedigt hatte, nachdem ihm von Seite des Abgeordneten Menlnowiez und der galizischen Akademie der Wissenschaften die obenerwähnte Subvention zugcsichert worden war. Auch vom Staate sei ihm durch vier Jahre eine jährliche Snbv.ntion von 500 fl. gezahlt worden. Präs.: Wie viel hätten Sie von Schuhmacher bekommen »ach Vollendung des Werkes? — Angekl.: 20,000 fl Präs.: Schuhmacher spricht nur von 4000 fl. Bei all den Summen, die Sie bekamen und die Ihnen in Anssicht gestellt waren, haben Sic doch noch Fräulein Pacher in Wels angepumpt. Das thnt man denn doch nicht, daß man seine Geliebte anpumpt. Aus Befragen drS Vertheidigers, womit er denn belegen könne, daß er auch humanistische Studien betrieben, entgegnete der AngeNagte: „Ich habe Homer und Virgil (Jliade und Aencidc) zum großen Theile auswendig gelernt. Ich habe gelegentlich einer Soiree in Würzburg, in Anwesenheit des Fürsten Fürstenberg Vieles von diesen Dichtern, darunter 6 „Bände" des Hourer, recitirt. Votant Adamek: Sie mcineil wohl sechs Gesänge? — Angekl.: Dom Schulchan Aruch kann ich sechs Bände wirklich auswendig. Votant Adamek: Das genügt aber nicht für cine Maturitais-Prüsung. Bis;» welchen Elajsikern haben Sie es gebracht? — Angekl.: Bis Plato und Aristoteles. Präs.: Als Sie mit Professor Rohling corrcspondirten, wußte er bereits von Ihrem „Judenspiegcl"? — Angekl.: Ja. Votant Adamek: Ihre Ausrede, daß Sie den Inhalt des gefälschten Zeugnisses kannten, aber nicht wußten, daß eS gefälscht sei, verstehe ich nicht. Sie möchten mit Spitzfindigkeit etwuS wcgdispiltiren. Geben Sie lieber zu, daß Sie auch um die Fälschung gewußt haben. — Der Angeklagte gibt endlich diese» Umstand;u. Votant Adamek: Nun also, sehen Sie, jetzt reden wir Deutsch! Es gelangt;ur Verlesung eine Zuschrift der Universität Würzburg. Dieselbe enthält die Mtttheilung, daß August Brimann am 10. Dezember 1883 unter Prodneirung eines Maturitäts-Zeugnisses ddo. Jassy den 13. August 1878, ferner zweier älterer Sittenzengnisse ddo. Heiligerstadt 4. Dctober 1882 und Paderborn 26. April 1883 zur Jmmatricnlation an der hiesigen Universität, und zwar als Cand. mcd. sich gemeldet habe. Es hrißt weiter: Wegen des bereits vorgeschrittenen Semesters konnte indessen die Jmniatriculation ohne besonderen. Entschuldigungsgrund nicht mehr gestattet werden. Von dem damaligen Hern, Ileatar ma^nitivus, k. Geheimen Rathe Professor Dr. Gerhardt, danach gefragt, gab er, so weit solches «och in Erinnerung des Universitatsrathes Gölbel ist, an, « $afte die elterliche Einwilligung zum Studium der Medici» erst