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Der Israelit · 1885-07-09 · Heft 54 (9.7.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 54 (9.7.1885)
Date
1885-07-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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904 Präs.: Bekennen Sie sich schuldig? — Angekl.: Ich bekenne mich insofern« schuldig, daß ich einen Fehler begangen habe, weil rch von der Unrichtigkeit des Inhalts dieses Zeugnisses gewußt habe. Ich habe aber nicht gewußt, daß dasselbe einFalsisicat sei. Wenn ich das gewußt hätte, wurde ich mich desselben keinesfalls bedient haben. Präs.: Sie geben also \ii, daß Ihnen die Unrichtigkeit des Zeugnisses bekannt war? Geben Sie zu, daß Sie aus Grund desselben die Immatriculirung an der medicinischen Facultät in 'Würzburg erlangt haben? — Angell.: Ja. Präs.: Wie heißt Ihr Pater? — Angekl.: Jacob Sin Israel. Präs.: Wie heißt Ihre Mutter? — Angekl.: Lea. Präs.: Ist Ihr Vater rumänischer Staatsangehöriger? — Angekl.: Nein, ich glaube, er ist nach Rußland zuständig. Präs.: Wann ist Ihr Bater nach Rumänien eingrwandert? — Angekl.: Vielleicht vor 35 Jahren. Präs.: Ihre Mutter sagte mir. daß Sie allerdings rnmänischcr Staatsangehöriger sind. Cie scheinen das selbst nicht zu wissen. — Angekl.: Die Inden, die nicht in Rumänien geboren sind, können überhaupt das Bürgerrecht nicht erlangen. Präs.: 'Wo haben Cie Ihre Heimath? — Angeklagter: Nirgends. Präs.: Haben Sie irgcnd'.vü die Staatsangehörigkeit erworben? — Angekl.: Nein. Präs.: Welche Schulen haben Sie besticht? — Angekl.: Die Volksschule in Dolina. dann habe ich Privatlehrer zu Hause gehabt, dann habe ich in Jassy drei Semester die philosophische Facultät besucht. Präs.: Haben Sie denn das Gymnasium besucht? — Angekl. : Nein. Präs.: Wie kommen Sie alsdann auf die philosophische Facultät? — Angekl.: In Rumänien ist das nicht so. Präs.: Wie alt waren Sie damals? — Angekl.: Sechzehn Jahre. Präs.: Sie führen ja auch den Doctortitcl. Wo haben Sie den erworben? — Angekl.: Zu diesem Titel bin ich durch zwei Momente berechtigt, sowohl dadurch, daß meine rabbinischen Zeugnisse mir. den rite! „Gaon" verleihen, daS ist so viel wie Doctor_ Präs.: Wer hat diese Zengnissc ansgestellt? — Angekl.: Verschiedene Rabbiner, Kreisrabbincr Rappaport, Salvm Mordochai und Andere. Präs.: Aus Grund welcher Prüfungen? — Angekl.: Aus der gejannntcn rabbinischen Literatur, die umfaßt circa hundert Bände. Präs.: Also daraus leiten Sie die Berechtigung zum Doctortitel ab. Sie haben noch einen zweiten Grund angegeben? — Angekl.: Weil mir auch von G a l l i p o l i ein derartiges Zeugniß zugekommen ist, in welchem der Doctortitel steht. Präs.: Von einer Universität in Gallipoli? — Angekl.: Nein, von der Rabbinatsschule. Präs.: Wo haben Sie dieses Diplom? — Angekl.: Es muß in den Acten sein. Präs.: Da findet es sich nicht vor. Es könnte höchstens im Tepositcnamte sein. Bezüglich Ihres Schulbesuches haben Sie in der Untersuchung andere Angaben gemacht. Daß Sie das Gymnasium in Jassy besucht haben, das ist falsch; betreffs der Universität in Jassy war es wenigstens insoferne falsch, daß Eie heule behaupten, erst nach Ihrer Rückkunft aus.Oesterreich drei Semester die philosophische Facultät besucht zu haben. Präs.: Wann und wen haben Sie geheirathet? — Angekl.: Bor noch nicht ganz 16 Jahren habe ich die Tochter eines Gutsbesitzers in der Nähe von Stanislau, Namens Birkholz, gerhrlicht. Präs.: Wie wurde die Ehe geschlossen? — Angettagter: Vor einem Talmudkundigen; ein Rabbiner wurde nicht brrgezogen. Präs.: Wie lange haben Sie mit ihr gelebt? — Angekl.: Ein halbes Jahr. Präs.: Haben Sie Kinder? — Angekl.: Zwei. Präs.: Dann ist es doch unmöglich, daß Sie blos ein halbes Jahr mit Ihrer Frau gelebt haben. Ihre Mutter sagte mir übrigens, daß Sie sünf Jahre verheirathet waren. Warum haben Sie Ihre Frau verlassen? — Angekl.: Weil ich sie nicht leiden mochte, da ich gegen meinen Willen geheirathet habe. Präs.: Wohin gingen Sie dann? — Angekl.: Zuerst nach Hause und von dort zunächst nach Frankfurt a. M., daun nach dem Haag. Präs.: Was thaten Sie dort? — Angekl.: Dort war ich l1/* Jahre, in den Jahren 1879 und 188V, Rabbiner. Präs.: Da waren Sie mit 21 bis 22 Jahren, also als ein noch ganz junger Mensch, Rabbiner. Warum sind Sie von dort fort, da Sie doch als Rabbiner ein schönes Einkommen haben mußten. — Angekl.: Ich bin nach Berlin, um mich taufen zu lassen. Präs.: Sie waren zuerst Protestant; wie lange? — Angekl.: Zwei Monate, dann wurde ich Katholik. Präs.: Nun. es steht mir nicht zu. dies weiter zu kritisiren, allein ich möchte wissen, womit Sie sich, seitdem Sie Haag verließen, beschäftigten. — Angekl.: Mit Schriftstellern. Präs.: Was habe» Sie geschrieben? — Angekl.: Für die BonisaciuS-Druckcrei in Paderborn. Präs.: Wie viel war Ihr jährliches Einkommen? — Angekl. : Ein paar tausend Thaler. Präs.: Wohin gingen Sie von Berlin? — Angekl.: Rach Gättingen, wo ich an der Universität als Lector Vorlesungen über orinrtalische Sprachen und rabbinische Literatur halten wollte Präs.: Sind Sie dort geblieben? — Angekl.: Ich habe dort zunächst den bischöflichen Kanzler von Heiligenstickt kennen gelernt, auf dessen Aufforderung ich zur katholischen Kirche überging; von Heiligenstadt ging ich nach Paderborn. Präs.: Dort haben Sie den sogenannten .Indenspiegel* geschrieben? — Angekl.: Ja. Präs.: Und blieben? — Angekl.: Bis März oder April 1883. Um diese Zeit lud mich Profesior Rohling nach Prag, um ihn im Talmud zu unterrichten. Präs.: Rohling ist ja selbst Profesior der hebräischen AÜerthümer; wozu bedurfte er Ihre» Unterricht? — Angekl.: Rohling ist allerdings ein sehr gelehrter Herr, aber rabbinische Literatur ist nicht speciell fein Fach. Präs.: Haben Sie ihm wirklich Unterricht ercheilt? — Angekl. : Jawohl, während des ganzen Sommers 1883. Präs.: Haben Sie Unterstützungen von ihm genosie«? — Angekl.: 100 Gulden monatlich bis Ende März 1884. Präs.: Erzählen Sie uns nun über das MaturilätS- Zeugniß und sagen Sie uns lieber die Wahrheit, den» di« Mär von dem lothringischen Israeliten glaubt Ihnen so Niemand. Der Angeklagte beharrt indesien bei seinen diesbezüglichen Angaben. Er erzählt, daß er in Prag in einem Gasthause einen fremden Israeliten aus Elsaß-Lothringen kmne» gelernt habe, welcher im Laufe des Gesprächs eine Brieftasche mit mehreren Paffen und Zeugnissen hrrvorgezogen nnd babri geäußert habe, daß er jederzeit in der Lage sei, aus Bestellung solche Dokumente zu liefern. Präs.: ES war also eine gewerbliche Beschasinng von Falsifikaten? Angekl.: Nein, Falsificate nicht.

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