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Der Israelit · 1885-07-09 · Heft 54 (9.7.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 54 (9.7.1885)
Date
1885-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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901 TOI. Die alte Treindel stmck am Heerde und kochte Fische, die heute schr Mig waren und die sie, wie alle Kinder ihres Stammes, sehr gerne aß. Und wahrend es im Topfe brodelte und zischte, dachte sie an ihren Ascher; wie es doch besser gewesen, als er noch bei ihr gewesen war, da brauchte sie die schönen Fische doch nicht allein zu essen, da erfreute sie beim Kochen der Gedanke, wie gut sie ihm schmecken würden. Und jetzt war sie allein. Für dieses Opfer aber hatte er eine gute Stellung außerhalb, und damit hatte sie sich eben getröstet, als die 2Mr geöffnet wurde und ein junger Mann mit einem Reisekoffer in der Hand hereintrat. — „Guten Tag", sagte er, „wohnt hier Frau Treindel Süßgut?" „Treindel Süßgut, die bin ich!" „Ich habe hier einen Gruß zu bestellen von Ihrem Sohn Ascher!" „Von meinem Ascher, einen Gruß von meinem Ascher? Ach bitte, setzen Sie sich,. stellen Sie doch den Koffer hin. — Wie geht« ihm denn, meinem Sohn?" „Sehr gut, Frau Süßgut. Er ist wohl und munter," sagte der Fremde, und er setzte hinzu: „Komme ich Ihnen nicht ein wenig bekannt vor, Frau Süßgut?" „Bekannt kommen Sie mir eigentlich vor," sagte die Alte, „weiß Gott, schr bekannt — Herr des Hinunels, sind Sie nicht? —" „Nun freilich, bin ich es, freilich!" „Der Moritz Dessau?" „Der Moritz Dessau, ja. Der so lange nichts hat von sich hören Älffeu." „Herr Gott, was werden die Großeltern sagen? Du willst doch, Sie wollen doch Ihre Großeltern besuchen?" „Deßhalb bin ich ja hier. Ich will alles wieder gut machen, Frau Süßgut, Sie sind doch gesund, die Großeltern?" „Gesund, wie die Wche im Wasser, nur nicht so froh, Sie wissen ja wohl warum?" „Ich bin unschuldig, Frau Süßgut. Denken Sie nur, meine Briefe an die Großeltern sind alle unterschlagen worden." „Unterschlagen worden? Zst die Möglichkeit! Von wem denn?" „Von einem, der mich meiner Familie abspenstig machen wollte, von einem Missionär, der mich lausen wollte." „Ist die Möglichüü^ es ist kaum zu glauben!" „Und doch ist es! Ah werde Ihnen das Alles erzählen, Frau Süßgut. Ader seien Sie doch so gut, Md nennen Sie muh Du, nicht wahr?" ,Meil Du es bist, ja!" sagte die Alte und drückte ihm die Hände. „Und dann bereiten Sie meine Großeltern auf mein Hiersein vor, ich fürchte, es könnte ihnen schaden, wenn ich so plötzlich komme." „Hast Recht, Du darfst nicht plötzlich kommen, es könnte ihnen schaden. Ich will sogleich zu ihnen gehen; aber die Fische, sie könnten unterdeß anbrenncn. Ach was, die Fische, sie schmecken auch, wenn die Sauce später gemacht wird. Es läßt mir keine Ruhe, ich muß hinüber zu den alten Leuten und ihnen mittheilen, daß Du da bist." Sie schlug ein Tuch um ihre Schultern und eilte fort. Der alte Nastali und seine Frau hatten eben ihren Thee gettMken, als Treindel herein trat. — „Guten Abend," sagte sie, „ich soll Euch grüßen von meinem Ascher." „Danke", sagten die Alten, „und was weiter?" — denn sie sahen es Treindel an, daß noch etwas Nachkommen mußte. — „Und Moritz läßt euch auch grüßen, schreibt er. Denkt Euch die Briefe, die er an Euch geschrieben hat, haben die Missionäre unterschlagen!" Die beiden Alten schlugen die Hände zusammen, und die Großmutter rief: „Ich wußte es ja, ich wußte es ja, daß es so etwas sein würde!" „Ascher schreibt mir, Moritz würde bald kommen!" „Er wird bald kommen? nein, sagt's gerade heraus, Treindel, er ist schon da!" rief die Großmutter. „9kun, wenn Ihr es meint! ja, er ist schon da, ich gehe, um ihn zu holen." „Komm, sie wissen es schon!" rief sie Moritz entgegen, der ihrer Wiederkunft harrte. Moritz folgte ihr, und bald darauf lag er in den Armen seiner Großeltern. Als der Sturm des Wiedersehens vorüber war, mußte Moritz erzählen, webhalb er nicht geschrieben. Zwar wußten es die Alten durch Treindel, aber sie wollten es aus seinem eigenen Munde hören, daß die Briefe an sie unterschlagen worden. Moritz erzählte Alles, was ihm wahrend der Zeit geschehen, nnd der alte Großvater wurde Feuer und Flamme und hätte Doktor Scharf gern unter seinen Fäusten gehabt, besonders, als er vernahm, daß dieser ein getaufter Jude sei. Die Großmutter war erbost auf Frau Born, während sie Marie im Stillen segnete. Die alte Frau konnte sich vor Freuden nicht lassen, wiederholt nahm sie Morktz's Kopf zwischen beide Hände nnd küßte ihn, und der Großvater sah dann jedesmal in die vor ihm liegende hebräische *

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