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Der Israelit · 1885-07-09 · Heft 54 (9.7.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 54 (9.7.1885)
Date
1885-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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898 Benehmen, zumal gegen jüdischeKundschaften, erhielt von Frau Rosenberg die Kündigung. Darob erzürnt, verlieb er sofort das Local, kehrte jedoch bald wieder zurück, streifte die Hemdärmel auf und brüllte: D' Inden müssen hin werden, ich derfchlag' alle, hin müssen's werd'n u. s. f. Die erschreckte Frau, sowie ihre Tochter Josefa liefen auf die Straße, der Knecht ihnen nach, immer schreiend und brüllend, so daß der Scandal immer größere Dimensionen annahm. Durch die Intervention des Sicherhcitswachmannes Zawisch fand die rohe Scene endlich ihr Ende. Mühlfeit wurde arretirt. Vor einem Erkenntniß - Senate unter Vorsitz dcsLGN. Groß stand am 26. d. M. Mühlfeit wegen Verbrechens der öffentlichen Gcwaltthätigkeit angeklagt. St.-A.-S. Feigl hebt in seinem Schlußantrage als besonders erschwerend den Umstand hervor, daß der Angeklagte, in einer Zeit, wo es nur des zündenden Funkens bedarf, um Unheil und großes Unglück zu verbreiten, in solch' provocatorischcr Weise gegen Bürger jüdischer Confession ausgetreten sei. — VertheidigerDr.Heinrich Benies — ein Israelit — tritt dieser Auffassung des Staatsanwaltes entgegen. „Nicht erschwerend, sondern mildernd sei dieser „Zug der Zeit" dein Angeklagten auzurcchnen. Nicht der Flcischcrknecht Mühlfcit sei intellccteull verantwortlich für das, was er gcthan. Diejenigen, die den Samen ausgestreut, aus ivelchein Früchte, wie die That Mühlfekts cmporgeschosseu, diese säßen sicher und ruhig daheim, nur ihre Opfer erscheinen vor den Schranken des Gerichtes. Er bitte bei dem Angeklagten Verführung durch fremde intcllectuelle Urheberschaft als Mildernngsgrund anzunehmen." Mühlfeit wurde zu dreimonatlichem schweren Kerker verurtheilt. Pefth, im Juni. Im Ünterrichtspavillon der Landesausstellung haben auch die Humanitären Anstalten unserer Hauptstadt ihr Wirken vor die Oeffentlickkeit gebracht und — sagen wir es' offen — groß sind die Erfolge, die ihnen neidlos zuererkannt worden. Auch auf diesem Gebiete nehmen die „jüdischen" Institute, welche der speziellen oder allgegemeinen Wohlthätigkeit dienen, die ersten und hervorragendsten Stellen ein. So finden allgemeine Anerkennung das isr. Landes-Taubstummeninstitnt, die Frimm'sche Jdioten-Erziehungsanstalt, der Pesther isr. Frauen-Vcrcin u. A. Wir wollen uns für heute blos flüchtig mit dem letztgenannten Vereine beschäftigen. Jüngst erschien vom tüchtigen Secretär dieses Vereines, Gabor F ri e d m a n n, ein treffliches Merkchen, in deutscher und ungarischer Sprache, welches in anziehender und belehrender Weise über das Entstehen und die bisherige Entwickelung des Pesther isr. Frauenvereines die genauesten Daten gibt. Der Verein hat ein prächtiges Waisenhaus für Mädchen, erhält und erzieht eine respectable Zahl interner und externer Waisenmädchen und unterhält^ außerdem noch eine Speiseanstalt und zwar die einzigem der Hauptstadt. Mit Vergnügen liest man in dem Buche, daß der Verein von 1866 bis 1885 außer der Gründung seiner ansehnlichen Fonds noch für Unterstützungen in Daarem 183,000 fl. verwendet und insgesammt eine halbe Million Gulden zu wohlthätigen Zwecken verausgabt hat, eine Summe, welche auch nur aufzubringen, ausschließlich durch die größte Opferwilligkeit seiner Gönner ermöglicht war. Während seines Bestehens wurden bisher über 180 Kinder theils in seinen Instituten, theils außerhalb derselben vor dem physischen und moralischen Untergange bewahrt und zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen. In der Spciseanstalt des Vereins wurden seit dem Tage ihrer Eröffnung über 900,000 Menschen gespeist. Ans den Schularbeiten und Handarbeiten sieht man, daß d r Unterricht der Zöglinge rationell geleitet wird, und wer einmal die Anstalt selbst betritt, überzeugt sich beim Anblick der blühenden Gesichter der Kinder, daß auch für die leibliche Wohlfahrt derselben gut gesorgt ist. Temesvär. Im hiesigen Gymnasium hat am 12. v. M. die Maturitätsprüfung stattgefunden. Obcrdirektor Pctrowitsch fragte einen Schüler: „Sie wissen doch, daß die Schwägerin Ludwig des Großen ihren Mann ermordet hat und dennoch hat sie der Papst von diesem Verbrechen freigesprochen. Was war denn der eigentliche Grund dieses Freispruches?" Der Schüler beantwortete diese Frage ganz gut und der Oberdirektor entfernte sich aus der Klaffe. Jetzt richtete Direktor Horwath an denselben Schüler die Frage: „Ist Ihnen kein ähnlicher Fall ans der neuesten Geschichte Ungarns bekannt?" Als der Schüler diese Frage verneinte, schrie der Direktor: „Wissen Sie denn nicht, daß die Juden in Tisza-Cßlar von der ganzen Welt der Blutschuld beschuldigt waren? Und dennoch wurden sie wegen Mangel an Beweisen freigesprochen!" Was sagt der ungarische Justizminister zu dieser höheren Lehrmethode? Es sollte uns nicht wundern, demnächst im ungarischen Amtsblatte zu lesen, daß Horwath zum Oberdirektor avancirt sei. Ist doch auch Bari, der famose Tisza-Eßlarer Bicenotar, zum wirklichen Notar befördert worden. Frankreich. Paris im Juli. Es ist unendlich wohlthuend, wenn in unseren Tagen der beschränkten und unwissenden Leidenschaftlichkeit, der bewußten und nn-

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