Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1885)
- Date
- 1885-07-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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897 nung wachzumftn,.daß Israels Söhne auch ferner festhalten werden an dem Prinzipe ihrer Religion. Dem jungen Vereine aber wünschen wir zu seinem Gedeihen reichliches Glück und Segen, zn seinem Heile und zum Helle von ganz Israel. — —t Posen, im Juli, hop» ’sb ab. In unserer ausschließlich dem Materialismus ergebenen Zeit berührt es thatsächlich wohlthuend, zn erfahren, daß trotzdem religiöse Bestrebungen noch Förderung finden und zwar in so großartigem Maßstabe, wie kaum in der höchsten Blüthezeit religiösen Wirkens und Strcbcns. Wie schon mehrfach mitgetheilt, ist von dem Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfcld die Errichtung eines Lehrerseminars angeregt worden und hatten die veranstalteten Sammlungen bereits ein erfreuliches Resultat ergeben, jedoch immer noch nicht die Höhe erreicht, die den Bestand der Anstalt hätten sichern können. Im Hinblick auf diesen Umstand haben die Söhne des unlängst in Lang-Guhle bei Bojanowo verstorbenen Rittergutsbesitzers Herrn Abraham Rohr sich entschlossen, ein Kapital von 300,000 Mark zur Errichtung des Seminars und ein Haus- und Gartengrundstück zur Unterbringung der Anstalt zu stiften. Die Anstalt soll nämlich ihrem Wunsche zufolge an diesem Orte, dessen jüdischer Gemeinde ihr verstorbener Vater angchört hat, errichtet werden. Es wird nun hoffentlich der Ausführung des Planes nichts mehr im Wege stehen. Bon einer so großartigen Munificcnz ist wenigstens in hiesiger Gegend noch kein Beispiel bekannt. Außerdem beabsichtigen dem Verlauten nach die Herren Rohr in Jarocin, dem Geburtsorte ihres Vaters, eine jüdische höhere Bürgerschule zu stiften. Es ist eine erfreuliche Wahrnehmung, daß seit einigen Jahren die Schwurrcsp. Strafgerichte sich mit jüdischen Angeklagten fast gar nicht zu beschäftigen haben, und die Vcrbrecherstatiftik dieser Jahre wird sicherlich eine starke Abnahme der jüdischen Verurtheilteu Nachweisen. Es ist dies um so bemerkenswcrther, als bekanntlich der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in Stadt und Provinz Posen ein außerordentlich hoher ist. In einer der letzten Nummern der „Zeitung des Judenthums" wird „eine Stimme ans der Prov. Posen" und zwar aus Lissa angeführt, die gegen das -na bo zu Felde zieht und kategorisch dessen Abschaffung fordert; es folgen auch einige Ausfälle gegen „gut dotitte (?!) Rabbiner", die zwar die Verwerflichkeit des tu b anerkennen, aber mit der Abschaffung noch warten. Es ist hier nicht der Ort, für das »tu b eine Lanze zu brechen, da über die Wichtigkeit desselben bereits vor Jahren in diesen Blättern eine gediegene Arbeit des Herrn -Herausgebers veröffentlicht worden ist; indeß erscheint wohl die Bemerkung nicht überflüssig, daß eben jetzt derartige gegnerische Kundgebungen höchst inopportun sind, wo von christlicher Seite das angegriffen wird. Für den gewissenhaften Israeliten, dem jeder Eid, jedes Wort heilig ist unh der auch vor einem fahrlässigen Meineide znrückschrcckt, bildet das gerade eine Beruhigung des Gewissens wegen übereilter Aeußcrnngcu und unwillkürlicher Verletzung eines Gelübdes, das er — wohlgemerkt — im Asfcct gethan hat und keinem Anderen zu Liebe noch zu Leide gereicht; es ist daher im Rituale unentbehrlich. Wenn von christlicher, wie von jüdischer gegnerischer Seite etwas Verwerfliches herausdeduzirt wird, so ist dies lediglich ein Beweis von Ignoranz oder Verkennung der talmndischen Prinzipien oder auch — von bösem Willen. Schweiz. Ztargau. In dem hohen Alter von 91 Jahren verschied am vcrwichcnen npn '5 rat? der älteste Bürger der hiesigen Gemeinde, Herr Daniel Hirz Guggcnheim, Vater der weithin bekannten Gebrüder Gnggenhein in Lengenan. Wenn auch kein Talmudgelehrter, hatte doch der Verstorbene in seinen Jngcndjahrcu einen tüchtigen Lehrer ans Preßbnrg, der ihn in den heiligen Geboten unserer Religion unterrichtete und nach denen er bis an sein Ende lebte. Lange Zeit war er rö'er, bp-, bis in sein hohes Alter fastete er jeden myn, sowie auch die nawnn ’d*. In demselben Sinne erzog er auch im Verein mit seiner ihm schon vor 5 Jahren vorangcgangcnen Gattin, Henriette Gnggcnhcim, gcb. Wyler, seine Kinder zu wahre Dnirv. Trotzdem er 78 Jahre mit einem hartnäckigen Fnßlcidcn behaftet war, war er dennoch einer der rüstigsten Fußwandcrcr, zu jener Zeit, in welcher man noch keine Eisenbahn kannte. Er durchreiste Italien, die südlichen, östlichen und inneren Kantone der Schweiz mit seinen Waarcn, nm für den Unterhalt seiner Familie zu sorgen. Obschon er oft mehrere Wochen auf Reisen war und nicht Gelegenheit fand bei omn» einznkehrcn, verletzte er niemals die Speisegesetze und aß nur trockenes Brod. n«3«s«j"n Oestcrr. - Unga r. Monarchie. Wie». Dem Ftcischhauer-Mcister Fried in Währing wurde von einem rabiaten Knecht der Bauch aufgeschlitzt. Der Wittwe von Fried, welche unter ihrem Mädchennamen Elara Rosenberg das Geschäft wciterführt, drohte am 12. Juni ein ähnliches Schicksal. Ihr Knecht, Johann M ü h l f e i t, sonst ein tüchtiger Gehilfe, aber rüde im Ton und