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Der Israelit · 1885-07-06 · Heft 53 (6.7.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 53 (6.7.1885)
Date
1885-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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883 Gericht mindestens leichtfertig sei. Ja der Staatsanwalt mutz sogar erklären, datz Stöcker« einen Meineid geschworen habe, wenn auch nicht einen strafbaren. Dies alles zusammengeuommcn wirft ans die Persönlichkeit Stöcker's trübe Schatten, die dadurch nicht gemildert werden, datz gesagt wird, es habe nicht der Hofprediger, sondern der politische Agitator vor Gericht gestanden. Beides läßt sich nicht trennen. Der Gerichtshof hat immer vom Hofprcdiger gesprochen, und Stöcker selbst hat bei (einem öffentlichen Auftreten immer seinen Charakter als Hofpredigcr Sr. Maj. betont. Von einem evangelischen Geistlichen verlangt man auch auf der politischen Arena ein anderes Auftreten, als von jedem Anderen. Wenn die Gcstmumgsgcnossen Stöcker's dennoch sein Auftreten korrekt finden, ihn wegen des Prozesses als Verfechter von Recht und Wahrheit preisen, jp ihm zu Ehren geistliche Lieder anftimmen und Stöcker darauf geistliche Ansprachen hält, in denen er sich als die verfolgte llnschuld, als das von der Welt verkannte Werkzeug Gottes ansgibt, so beweist das eben nur, datz bei ihm und seinen Anhängern das, was politisch nutzt, mehr gilt, als was sittlich 'gut ist; lmtz die Politik ihnen über die Religion geht. Es fragt sich aber, ob nach sochcn Vorgängen unsere hyhe Kirchenbehörde der Ansicht sein wird, daß die politische Agitation Stöcker's unserer evangelischen Kirche Nutze» bringt; ob sie zulassen wird, daß die konservative Partei zum Schaden des geistlichen Standes sich ferner der evangelischen Geistlichen als Agitatoren bedienen darf. Berlin,!. Juli. Nach zwolfswnatlicher Unterbrechung veröffentlicht der Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gcmcindcbundes die Nr. 14 feiner „Mittheilungen", denen wir Folgendes entnehmen: Das Bureau ist zur Mt beschäftigt, ein Almanach der jüdischen Gemeinden in Deutschland und ihrer Beamten hcrauszugebca. Das gesammelte Material ist schon ein sehr umfangreiches, und wir danken allen Vorständen und Eorrespondcnten, welche uns in der Beschaffung desselben unterstützt, sowie auch den Redaktionen jüdischer Mttmgen, welche ihre Leser zur Förderung dieses gemeinnützigen Unternehmens freundlichst ausgefordcrt haben. Immer aber fehlen uns noch sehr viele Namen, besonders aus Bayern, Elsaß-Lothringen und dcmGroßherzogthmn Hessen. Unsere Gönner in diesen Theilcn des Reiches bitten wir ergebenst, uns recht bald Namen von Gemeinden imd mittheilcn zu wolle». Zu große Lückenhaftigkeit unseres Almanachs wäre ja schon int Albzommmr sehr zu beklagen, aber es würde auch für ben Einzelnen nicht angenehm sein, wenn sein Name vermißt würde. Die Verwaltungskommission der Friedrich- Wilhelm-Victoria-Stiftung hat auch für das neue Geschäftsjahr wieder eine Summe zum Einkauf unserer Gemcindebeamten in die Achawa und andere Provinzialhilfskaffen votkrt. Zu unserem großen Bedauern mußten im vorigen Jahre manche Petenten, welche wegen vorgeschrittenen Alters nicht mehr in die.Kassen ausgenommen wurden, unberücksichtigt bleiben. Wir bitten daher die Herren Lehrer re., schon in jüngeren Jahren an die Sicherung ihrer Zukunft zn denken, und machen besonders darauf aufmerksant, daß viele Kassen Meldungen von Solchen, die das 40. Jahr schon erreicht haben, statntcnntäßig gar nicht mehr annehmen können. Berlin, 3. Jnli. Die „Asfaire Stöcker" nimmt mit jedem Tage immer größere Dimensionen an — tut Lager der Antisemiten. Die Herren setzen ihre dummdreiste Taktik fort, ihren Propheten wcißbrennen zu wollen, ihn als das Opfer eines schmählichen Berrathes anszugcben und durch unausgesetztes Kriegsgcschrci in höheren Kreisen Stimmung für ihre Sache zn „machen." Täglich werden Versammlungen abgehalten, in denen Herr Stöcker znm Heiligen gestempelt wird, jeder einzelne „couscrvative Vürgervercin" sendet Ergebcnheitsielegranune nach Partcnkirchcn, in jedem einzelnen Städtchen der Monarchie thun sich ein paar ehrenwerthe Atitisemiten zusammen, um Vcrtrancnsadressen anszulegcn, und diese werden dann mit Behagen über viele Spalten hin in der „Krenzzeituug" und den anderen Hetzblättern abgcdruckt, und der „Deutsche Autisemitenbnnd" feiert Sonntag ein großes Sicgesfest. Stöcker ist der Netter des Vaterlandes geworden, sein Name wird in den Gcdcnkbüchcrn der Geschichte in Goldschrift glänzen, die später» Enkel werdet! mit staunender Bewunderung auf ihn, den Apostel der Wahrheit, schauen — und das hat alles der böse Prozeß gethan, welcher, wie es nun endlich gestern Herr Pickenbach vcrrathen hat, von der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris angezettclt worden ist. „Wer niemals falsch geschworen hat, der ist kein braver Maitn," so schrieb vor einigen Tagen die „Franks. Ztg.", und doch Herr Stöcker hat noch nie falsch geschworen und ist gleichwohl ein kreuzbraver Mann. Auch hat er nie die Unwahrheit gesagt, denn, wenn er ben getauften Inden Horwitz einen Inden genannt hat, meinte in einer anderen Versammlung Prof. Wagner mit Recht, so hat er die Wahrheit gesprochen; denn „einem getauften Juden wird doch ewig sein Judenthum an-

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