Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-07-06 · Heft 53 (6.7.1885) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 53 (6.7.1885)
Date
1885-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449553--22476-2512099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i 882 Zeugnis; für die Eharaktcrgröße des Betrauerten, wie auch zugleich für den großen Verlust, den wir alle zu beweinen haben. Möge Gort der tiefgebeugten Wittwe und den trauernden Kindern den Trost senden, dessen sie bedürfen, den schweren Schlag zu ertragen, und auch den Freunden, und das sind ja Alle, die ihn kannten, die den Verlust betrauern, seinen Trost spenden. Er ruhe in Frieden! n"3'W'a 8. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Arrs Süddeutfchland. Nach langen Jahren führte mich kürzlich mein Weg wieder einmal nach Hcchingcn. Es war eine schöne Zeit, die ich einst in dem alten Zollcrnstädtchcn verbrachte, und ich empfand ein lebhaftes Interesse, mich über die Veränderungen und Neugestaltungen, die seitdem daselbst Platz, gegriffen, zu unterrichten. Ein Jugendfreund gab mir die erwünschte Auskunft. Die Religiosität in der Gemeinde Hcchingcn mit der einstigen blühenden rcr> liegt sehr im Argen. Einen der wundesten Punkte innerhalb ihres Gcmeindewescns bildet aber die gänzliche Verwahrlosung der new. In der 70—80 Familien zahlenden jüdischen Gemeinde befindet sich nur ein' jüdischer Metzger, der in ritueller Hinsicht nicht das mindeste Vertrauen verdient. Oder wäre es nicht geradezu lächerlich, einem Manne in Bezug auf nntra Zutrauen zu schenken, der öffentlich am mp raa? Fleisch anshackt und mit dem Hciiwagcn cinherführt? Und dieser Mann besitzt, wer weiß von welcher Autorität, die nbap und schachtet selbst. Er hat das seltene Glück, daß ihm Jahr aus Jahr ein niemals ein Stück Vieh i-ß'-ii: wird, lieber die Vertrauenswürdigkeit der schächtenden christlichen Metzger, die mit den zum Schweineschlachten benützten Geräthen auch das -wp sein sollende Fleisch behandeln, bedarf cs wohl keiner Erörterung. Es ist Thatsache, daß viele jüdische Familien in Hcchingcn sich durch die geschilderte Nothlage in ihrem Gewissen tief betroffen und verletzt fühlen. Es erscheint eben die Möglichkeit, im Orte selbst koscheres Fleisch zu erhalten, derzeit so gut als ausgeschlossen. Ein streng religiöser Metzger von auswärts, der sich in H. ansässig machte, würde zweifelsohne rasch einen großen Kundenkreis und Aussicht auf auskömmlicheu und dauernden Brodcrwerb finden. Wenn mein Bericht dieses und zwar recht bald bewirken sollte, so hätte mein Besuch in Hechingen viel Gutes gestiftet. Schmiehcim. (Baden), 30. Juni. Am 28. Juni feierte dahier der Militärverein das Fest der Fahnenweihe, an welchem an 40 Vereine von auswärts sich betheiligtcn. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Akt der Toleranz begangen, der von der großen Einigkeit zwischen den verschiedenen Confessionen ein beredtes Zcugniß ablegt. Unser Bezirksrabbincr, Herr Dr. M. Ra witz, wurde mit der Festrede betraut, und sind unsere Lokalblätter voll des Lobes über dessen großartige und begeisternde Rede. E. m K. Berlin, 26. Juni. Zum Prozeß Stöcker ergreift auch die neueste Nummer der „Schlesischen Kircheuzeitung" (verautwortlicher Redakteur Diakonus Just) das Wort. Das Blatt schreibt Folgendes: Der Prozeß Stöcker's gegen die „Freie Zeitung" hat die Augen der ganzen Welt auf den Mann gerichtet, der im politischen, sozialen und kirchlichen Partcikampfc seit Jahren im Vordcrtreffen gestanden hat. Der Umstand, daß derselbe ein evangelischer Geistlicher, ja ein Hofprediger ist, hat das Interesse, das alle Welt an dem Ausgange dieses Prozesses genommen hat, noch erhöht. Im Interesse der evangelischen Kirche wäre zu wünschen gewesen, daß der Prozeß einen anderen Verlauf genommen hätte. Der verklagte Redakteur ist wegen der Belcidignngen, die er Stöcker angethan, zwar zu drei Wochen Gefängnitz verurtheilt worden; aber Stöcker kann sich nur in selbstvcrblendcter Eitelkeit dieses Sieges freuen. Denn die Lerurtheiluug ist hauptsächlich wegen der Form erfolgt, in welcher die Beleidigungen vorgebracht waren; die Vorwürfe dagegen, die der jüdische Redatteur dem evangelischen Prediger gemacht hat, hat der Gerichtshof zumeist als berechtigt anerkennen müssen. Es war wahrlich kein schönes Charakterbild, das der weltliche Gerichtshof von einem Maune entwarf, welcher sich so oft als den eigenüichen Bertteter des Christenthums geberdet hat, welcher von der Brandenburger Provinzialsynode zum Bicepräsidenten ernannt wurde, der auf Pastoralkonfercnzen zu dem von Gott legitinlirten Parteiführer proklamirt wurde, in dem man die gegenwärtig herrschende kirchliche Richtung verkörpert zu sehen gewohnt ist. Der Gerichtshof constatirte, daß sich der Hofprediger Stöcker in kolossalen Widersprüchen bewegt habe, daß seine Behauptungen mit den ermittelten Thatsachen nicht im Einklänge ständen; daß er Andersgläubige wegen ihres Glaubens schwer gekränkt; ja eine» evangelischen Amtsbruder ans Rachsucht und verletztem Ehrgeize habe in öffentlicher Versammlung wollen beleidigen lasse»; endlich, daß sein Auftreten vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.