Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1885)
- Date
- 1885-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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R. Seckel Bambcrger Wi, im Jahre 1840 geboren, war der würdige Sohn seines großen Vaters, R. Seligm. Bär Bambcrger b"v"t. Schon früh wurde er zum Studium der Thora geführt, und schon als Jüngling von 19 Jahren — damals lernte Ihr Referent ihn kennen und wurde sein Studiengenoffe — stand er wegen seines umfassenden Wissens und der Fähigkeit ein schwieriges Thema klar zu erfassen und durchznarbeiten in hohem Ansehen. Besonders aber war es sein friedvolles, liebenswürdiges Wesen und seine unbegrenzte Bescheidenheit, die uns zu ihm hinzog. Unablässig war er mit dem Studium der Thora beschäftigt, er kannte nur ein Ziel: er wollte ein tüchtiger pcS werden, aber nicht um einen Titel oder äußere Ehren zu erlangen, sondern rein aus Liebe zur mm, aus Liebe zur Wahrheit. Ucberhaupt wurde er niemals in seinem Leben von selbstischen Gründen geleitet, wie er auch nie selbstische Zwecke zu erreichen suchte. Mit seinem 23. Jahre trat er hier in Frankfurt als Hauslehrer in das Hans eines hiesigen Kaufmanns ein und übernahm auch später einen Theil des Talmudnntcrrichts an der Schule der isr. Religionsgesellschaft; in beiden Stellungen hat er die Achtung und Liebe derer erworben, mit denen er in engere Beziehung zu treten hatte. Einige Jahre darauf gründete er sein eigenes Heim; er heirathete eine Tochter des berühmten N. Solomon Klein yVr aus Colmar und erfreute sich an der Seite seiner frommen und liebevollen Gattin, umgeben von einer Schaar wohl erzogener, gut bcanlagter und in Gesundheit aufblühender Kinder, eines recht glücklichen Familienlebens. Seine äußere Stellung wurde auch dadurch noch eine gehobenere, daß er zum Dajan der Religionsgesellschaft ernannt wurde. Die Schaar seiner Freunde mehrte sich immer mehr. Die Charaktereigenschaften, die wir schon an dem Jünglinge erkannten, zierten ihn als Mann nur noch in desto größerem Maße. Es war wiederum seine Bescheidenheit, seine Selbstlosigkeit, die ihm Freunde überall erwarb. Jetzt ist dieser edle Mann dahingegaugeu, wir empfinden tief die Lücke, die durch den Tod des Unvergeßlichen entstanden ist. Vor ungefähr 11 Wochen wurde der Verewigte von einem Leiden heimgesucht; Jeder wartete mit Spannung auf Bericht vom Krankenlager, da auch die Krankheit damals durchaus noch nicht den Charakter einer schweren hatte. Es trat eine Besserung ein, aber diese brachte nur kurze Freude; dunkle Gerüchte von einer erneueten schweren Erkrankung, die der Hoffnung auf Genesung wenig Raum gäbe, wurden laut, die Gerüchte wurden zu sicheren Nachrichten, und schwere Sorge und Kummer ergrin die Freunde. Noch einmal schien es sich zum Bessern zu wenden, bis sich aber auch diese Hoffnung als trügerisch erwies und die Katastrophe einrrat. - Heute Vormittag wurde er nun zur letzten Ruhe bestattet, eine richtige Illustration zu dem heutigen Gedenktag der in Scherben gegangenen Gesetzestafeln und der Eroberung der heiligen Stadt. An diesen Gedanken knüpfte auch der Schwager des Dahingeschiedencn, Herr Rabbiner Fromm, an in der Gedächtnißrede, die er im Sterbehause vor einer großen Versammlung Leidtragender hielt, eine Rede, die kein Auge thränenlecr ließ. Er schilderte den Verstorbenen als Familienvater, Lehrer, Dajan und Gemeindcgenoffen und zeichnete so ein lebensvolles, wahrhaftiges Bild des Tahingeschiedencn, ihn mit R. Ulla bar Abba vergleichend, auf den seine Genossen wegen seiner Bescheidenheit, seiner Lehrthätkgkeit, seiner werkthätigen Liebe, seines Strebcns nach Wahrheit als auf den Mann hinwiescn, der als tan p bezeichnet zu werden verdiente. Als nach diesen Worten die Leiche auS dem Hanse getragen wurde, erhob sich ein allgemeines Schluchzen und Weinen, das sich der ganzen vor dem Hause versammelten Menge mittheilte, die in tiefem Schweigen dem Zuge sich anschloß, welchen außer den oun die obersten Elasten der Realschule der isr.Religionsgesellschaft, begleitet von dem Lehrercollegimn eröffnete. Es war ein imposanter Leichenzug, der sich durch die Straßen bewegte, und dessen größerer Theil sich nicht durch die Hitze und den Fasttag zurückhalten ließ, den weiten Weg dem geliebten Lehrer und Freunde bis zum vbip n»a zu folgen. Die Reihe der Redner eröffnete dort Herr Director Dr. Hirsch (Herr Rabb. Hirsch ist *. Z. auswärts), der hervorhob, wie der Dahingcschledene zu allen Zeiten gleich seinem Vater und Schwiegervater, den zwei *^ru bntsr, für das unverfälschte Judenthum eingetreten sei, für dieses seine Kinder erzogen und dieses gelehrt und treu seines Lehramts gewaltet habe. Herr Rabbiner Bamberger aus Aschaffenburg widmete dem theuren Bruder Worte der Liebe und Anerkennung, und Herr Rabbiner Schüler aus Vollweiter rühmte den verstorbenen Schwager als einen Mann, der mit der min ein ivn nfroj verband, dessen Großartigkeit seines Gleichen suche. — Davon war Jeder durchdrungen, daß alles Lob, das dem Dahingeschiedenen gespendet wurde, nicht zu viel war. - Die Liebe und die Achtung, die R. Seckel Bamberger in seinem für uns leider so kurzen Leben sich erworben, sie trat so recht deutlich heute zn Tage; dies ist aber das beredtste