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Der Israelit · 1885-07-02 · Heft 52 (2.7.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 52 (2.7.1885)
Date
1885-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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864 bei uns noch nicht vorgckommcn. Gegen den Staatsanwalt erhebt der Senat den Vorwurf, daß er, sich an die Geschworenen wendend, unstatthafte Aenßernng gethan: „Sic leben inmitten der jüdischen Bevölkerung, Sic wissen, daß man die zum Christeuthum nbcrgctrctencn Juden aus der Stadt fortschaffcn muß, denn sonst verschwinden sie spurlos." Der Rechtsanwalt hat sich in seiner Rede zu der Acußcrnng hinreißcn lassen, das; „von der Höhe der Staatsanwaltschaft wilde Leidenschaften gepredigt werden", daß „der Staatsanwalt der ganzen Stadt 8115m die Beleidigung in's Gesicht geschleudert, daß die Bewohner in'religiösen Zwecken alle Mörder seien." Dem Präsidenten des Gerichtshofes wird endlich vorgehalten, daß er nur ein einziges Mal bei all den Ausfällen des Advokaten denselben in vorsichtigster Weise zur Ordnung gerufen. Durch alle diese Vorgänge sei die Würde des Gerichtshofes verletzt worden, und die ruhige und unparteiische Verhandlung des Prozesses unmöglich gemacht worden. Dieses energische Vorgehen des Senats zu Gunsten einer wohlgercgeltcn, leidenschaftslosen, den Racenhaß scharf vcrnrtheilendcn Rechtspflege hat natürlich allgemein in der Ocffcutlichkcit freudigen Beifall gefunden." In Grodno (Lithaucu) ist vor vierzehn Tagen eine furchtbare Fenersbrnnst ausgebrochen, die drciviertel der Stadt in Asche legte. Am meisten haben die Juden durch diesen großen Brand gelitten. Grodno zählt 82000 Einwohner, von denen über 20,000 Inden sind, und die fast alle ihr Hab und Gut verloren haben. Bon den 28 D'tms 'na sind die meisten, sowie die größten Synagogen und mehrere Wohlthätigkcitsanstalten ein Raub der Flammen geworden. — Der durch Feuersbrunst verursachte Gesammtschadeu dürste dem „8odz. Tgbl." zufolge die Summe von 6 Millionen Rubel wohl übersteigen. Bei den Notaren sind viele wichtige und werthvolle Dokumente verbrannt. Die Preise der Lebensmittel und die Miethprcise für Wohnungen sind unerhört gestiegen, für ein kleines Zimmer wird 800 bis 400 Rubel verlangt. Von 12 Advokaten sind nur 8, von den 85 in Grodno wohnenden Acrzten nur 7 von dem Brandunglück verschont geblieben. Im Ganzen sind von 40,000 Einwohnern 20,000 obdachlos geworden. — Das Elend und der Jammer, niitcr den Abgebrannten ist unbeschreiblich. In vielen Städten Rußlands haben die Juden Sammlungen für sie veranstaltet, deren Resultat aber nicht hinreicht, imt_ diesen Bcdaucrnswerthen nur einigermaßen aufzuhelfen. Es ist daher auch die ttmerftützung der auswärtigen Glaubensgenossen dringend notwendig, und ist die Red. des „Israelit" gern bereit, Gaben für dieselben in Empfang zu nehmen und zur richtigen Vertheilung zu bringen. Amerika. New-4)ork, 14. Juni. Wenn dem Leser des „Israelit" diese Zeilen zu Gesicht kommen, befindet sich der neucrnaunte Gesandte der amerikanischen Republik am Hofe des Sultans, Herr S. S. Cox aus Rcw-Aork,"aus dem Wege nach seinem Bestimmungsort. Die Ernennung dieses chrenwerthen Mannes hat in mir ein Gefühl der höchsten Befriedigung schon deshalb hervorgerufen, weil mit Herrn Cox ein Mann in die Metropole des türkischen Reichs cinzicht, der sich in seiner bisherigen Laufbahn als warmer Freund des Judenthums gezeigt hat. Cox vertrat seit vielen Jahren einen vielfach von Glaubcnsgcnoncu bewohnten Bezirk der Stadt New-Jork im Repräsentantenhaus zu Washington und war dort nicht nur einer der Leiter der demokratischen Parthci, sondern auch einer der angesehensten und tüchtigsten Abgeordneten. Zu jeder Zeit während ferner Amtsthätigkeit hat er sich der jüdischen Jntcrcpen angenommen; ganz besonders aber zur Zeit, als sich unsre Glaubensgenossen in Rußland m so bedrängter Lage befanden. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, hat Eox eine Reihe scharfer Resolutionen gegen das barbarische Gebühren der russischen Regierung vorgclcgt, und auch bei anderen, unsre Glaubensgenossen betr. Fragen, wie Marocco u. s. w. war er stets auf Seite der Bedrückten. Dieser Mann ist nun zum Gesandten nach Konstantinopel ernannt worden und wird voraussichtlich schon deshalb am türkischen Hofe einen ziemlichen Einfluß haben, weil er beim Sultan persona grata ist. Durch frühere Reisen in der Türkei, deren Resultate er in Reiscbricfen nicderlcgte, hat er genaue Äenntniß der dortigen Verhältnisse erlangt und seine Vorliebe für dies Land hat ihm die Freundschaft der dortigen hohen Würdenträger erworben. Ein Mann, der sich in der Heimath als so warmen Freund des Judenthnms zeigte, wird sicher die gleichen Sympathien in der Ferne hegen, und das ist es, worauf ich die Freunde von „Erez Jisroel" i n En r 0 p a Hinweisen wil l. Wenn auch die Interessen von Palästina und ganz besonders der Eolonisation dieses Landes von vielen Freunden gefördert werden, so fehlt es doch an einen warmen Vertreter in Konstantinopel, dessen Stimme bei der türkischen Regierung geneigtes Ohr findet. Herr Cox ist hochangesehen beim Sultan und ein warmer

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