Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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865 Fürsprecher der Juden, und sein Einfluß dürste für die Förderung jüdischer Interessen im gelobten Lande sehr nutzbringend sein. Deshalb möchte ich an dieser Stelle Diejenigen, weiche die Interessen des hl. Landes und dessen Colonisation im Auge haben, darauf aufmerksam machen, sich in vertrauenvollster Weife an Herrn Cox zu wenden, der sicher seiner Stimme in Koustaiitiuopel ebenso Gehör zu verschaffen versteht, wie im Nepräseutantenhaus zu Washington. Herr Cox verlasst diese Woche Ncw-Zjork; möge ihm der himmlische Later eine glückliche Neise geben und ihn wohlbehalten in seinen neuen Wirkungskreis einführeu. Asien. In Afghanistan wohnen mehr als 40,000 Juden. In der Stadt 5t abul sind 2000 derselben, zumeist gut situirtc Kaufleute, die ihren Handel bis in's Innere Asiens ausdehueu, ansässig, und nach deren Aussage befinden sich im Innern des Landes 00 mehr oder weniger grosse Gemeinden, die ihre Ccntralstelle in .Kabul haben. Wenn auch nicht vollberechtigte Staatsbürger, erfreuen sie sich dennoch der Gunst und des Schubes des Emirs. Die afghanischen Juden, welche keine Kenntnis; von den talmndisch-rabbinischen Schriften haben, beobachten den Sabbat, die Beschneidnug, Schechiiah rc., feiern die Feste wie wir, mit ganz besonderer Feierlichkeit das Laubhüttcnsest, an welchem sie sich besuchen und die Bedürftigen mit Almosen unterstützen. Ihr Familienleben ist ein musterhaftes und unterscheidet sich sehr vortheilhaft gegen das ihrer afghanischen Umgebung. Der vor Kurzem aus Afghanistan nach London zurückgekehrte Vertreter der engt. Negierung, Sir Peter L ums den, hielt dieser Tage in der „köuigl. geographischen GeseÜschast" einen Vortrag über die Bolksstämme dieses Landes und machte bei dieser Gelegenheit folgende Bemerkungen über die daselbst wohnenden Inden: Der Handel des „Peujdeh" ist ganz in Händen der Jude», von denen etwa zwanzig daselbst wohnen. In Hcrat zählt mau 350 jüdische Familien, von welchen 2O0 im Jahre 1862 aus Meshed, wo sie verfolgt wurden, eingcwandert sind. Letztere finb bekannt als „Kasvincer" Juden, da sie Schah Nadir von Kasvin nach Meshed brachte. Die übrigen Juden wohnen feit mehreren Generationen in Herat. Sie treiben Jcit ausgedehntesten Handel nach Balkh, Bokhara,'^Hiva nnd Merw. .;nii Afrika. Algier, 26. Juni. In Folge des Verbots der Aufführung einer Operette in der Sabirsyrsche herrscht hier seit zwei Tagen eine leichte Erregung. Fünfzig junge Leute durchzogen gestern Abend lärmend die Strassen mit dem Ruf: „Nieder mit den Juden!" Sieben Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Zwischenfall hat keinerlei Bedeutung Verirrt. Erzählung von S. Behrend. IV. Eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, lag das Landhaus des Dr. Wenzel; ein grosser Garten umschloss das in modernein Styl aufgesührte Gebäude. Zwei Männer, die ihrer Kleidung nach dem geistlichen Stande angehorten, gingen im Hinteren Thcile des Gartens spazieren. Der Eine war Dr. Scharf, der Andere Dr. Wenzel. Ter Garten stiess au das Besitzthnm eines Handelsgärtners. Dasselbe war zur Zeit znm grossen Theil mit Herbstblumen bewachsen. Die beiden Männer kamen an der Hecke vorüber, die die beiden Besitzthümer von einander trennte. „Scheu Sie," sagte Dr. Wenzel, alte die Blumen wandeln morgen oder übermorgen zur Stadt, um den Israeliten zur Ausschmückung ihrer Laubhütten verkauft zu werden. Es soll ciu schönes Fest sein; nun Sie kennen das ja, lieber Scharf, Ihre Eltern waren ja streng orthodoxe Inden." „Ehrwürde» erinnern mich an die traurigste Zeit meines Lebens", sagte Tr. Scharf, „an die Zeit, da ich ein Jude war." „Nun, nun," sagte Dr. Wenzel, „Sie dürfen immer aus diese Zeit zurückblickcn, denn sic ist die Ursache, dass Ihr Lohn dereinst im Himmel ein größerer sein wird; ein Jude, der Christ geworden, steht dem Herzen Gottes näher, als jeder Andere." „O! ich möchte, sie Alle zn nns herüber führen, Alle die Ungläubigen, und die, die nicht folgen, vernichten!" „Ein Schaf werden wir übrigens bald aus der räudigen Heerde abgesondert haben, ich meine den jungen Mann, Moritz Dessau." „So haben Ihre Lehren so viel gefruchtet, das