Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449552--22448-2512070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
868 rathcs die Ernennung jener 30 Obcrhausmitglieder vollzogen, deren Ernennung das Gesetz über die Oberhausrcform der Krone bei Activirung des neuen Oberhauses vorbchalten. Unter den ueuernannten Magnaten auf Lebenszeit sind als Repräsentanten der jüdischen Confessio« die Herren Dr. Hirschler und Sva b zu betrachten. Herr v. Tisza hat bekanntlich im Oberhause sowohl als bei der zweiten Berathung der Ncformvorlage im Abgeordnetenhanse erklärt, er beharre zwar nicht darauf, daß in dem Gesetze die Berufung eines Vertreters der jüdischen Confessio« fixkrt werde, er werde aber die confessionelle Gleichberechtigung dadurch zum Ansdruck bringen, daß er die Ernennung jüdischer Mitglieder des Oberhauses Vorschlägen werde. Das ist, wie die Liste zeigt, geschehen. Miskolez, 20. Juni. Herr Di-. Josef Rose nf e l d, Zögling des H i l d e s h c i m c r schcn Rabbiner-Scminars und 'ein Sohn des hiesigen Rabbiners, ist zum ungarischen Prediger hicrselbst gewählt worden. Lemberg, 24. Juni. Wie die Blätter berichten, bcgicbt sich demnächst von hier eine Deputation nach Wien, um beim Kaiser, dem Minister-Präsidenten und dem Jnstizministcr sich über die systematische Präterirung jüdischer Gerichtspraktikantcn bei Avancements in Oftgalizien zu beschwören. England. London, 26. Juni. Aus der Tiefe aller Herzen unserer Glaubcnsbrüder strömte die Quelle beseligender Freude ob der Ernennung des Baron Sir Nathauiel de Rothschild zum erblichen Lord im Herrenhause der hohen Kammer der Ncichsräthe. Seit dem Bestehen Englands hatte noch niemals ein Jsraclitc einen Sitz im llousv ok Lcnls eingenommen. Bcmerkenswerth ist, daß Baron Lioncl de Rothschild (sel. Vater des Sir Nathanicl) lange zu kämpfen hatte, bis cs ihm gestattet wurde, in's Parlament zu treten, ohne den Eid nach dem neuen Testament zu leisten, aber nach mühevollem Streben erreichte der edle Verblichene sein Ziel, und die Lorbeeren erntete nun der Sohn, welcher jetzt den höchsten Sitz errang, ohne die Principien seiner Religion durch Leistung des besagten Eides verletzen zu müssen. Mit Recht ist Lord Nathanicl de Rothschild eine Krone des Judcnthums zu nennen, indem derselbe den Glaubensgrundsätzen seiner Väter stets treu geblieben ist und mit unermüdetem Streben den Gemcindeangelegenheiten seine Sorgfalt - widmet, den Nothleidcnden Stütze gewährt und das Jndcnthum mit Feuereifer zu vertreten sich zur Aufgabe stellt. Mögen die Bemühungen des edlen Lords stets mit reichem Erfolg gekrönt werden! London, 28. Juni. Die heute stattgefundene Preisvcrtheilung in der Freischule gestaltete sich zu einem erhebenden Feste, indem die Begeisterung und der Jubel aller Anwesenden beim Erscheinen des Lord und der Lady de Rothschild ganz unbeschreiblich war. — Die Elite der Gcmeindeglicder, die Herren Arthur Cohen M. P., Baron de Worms, Scrjeant Simon, Samuel Montagne rc., sowie eine unzählige Menge ans allen Ständen waren in den Schullokalitätcn versammelt, und viele erhebende Ansprachen, von welchen die des Herrn Dr. Hermann Adler als eine der eindrucksvollsten zn erwähnen sein dürfte, wurden abgehalten. Ter Lord nahm die Gratulationen der hervorragenden Anwesenden mit sichtlich freudiger Erregtheit entgegen. — Rußland. Petersburg, 21. Juni. Eine ungewöhnlich, sehr scharfe Senalsentschcidung in einer sensationellen Prozeßangelegenheit macht hier viel von sich reden und hat sowohl unsere Richtcrkreise als auch unsere Advokaten in nicht geringe Aufregung versetzt. Es handelte sich um eine gegen die Inden: das Ehepaar Lozcw, Gorewitsch und Maich, erhobene Anklage, in der Stadt Luzin ein christliches Dienstmädchen ermordet zu haben, weil der Sohn der Lozew sich in dasselbe verliebt hatte, der, da in Rußland Ehen zwischen Christen und Inden verboten sind, zum Ehriftenthum übergehen wollte, lim seine Geliebte zu heirathen. Um dieses zu Hintertreiben, sollen darauf die Eltern den Gegenstand seiner Liebe bei Seite geschafft haben, wodurch für den Sohn der Grund des Ncbcrtritts zum Ehristenthume wegfiel. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten frei, worauf der Staatsanwalt beim Senat gegen das Urtheil Protest einlegte. Nach Durchsicht der Prozeßakten kassirte der Senat das Urtheil und verwies die Sache zu neuer Verhandlung an dasselbe Gericht; außerdem konstatirte er jedoch eine ganze Reihe von Unregelmäßigkeiten, was zur Folge hatte, daß er den Präsidenten des Gerichtshofes dem 1. Departement des Senats zur Verantwortung überwies, eben so den Staatsanwalt dem Juftizlniuister und den Lcrthcidiger dem Bureau der Petersburger vereidigten Rechtsanwälte. Seit den 20 Jahren des Bestehens der neuen Justizordnung ist ein solches Scnatsurtheil