Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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861 Summen ciiiliefcrii, und auch alle Wohlthätigkeitsanstaltcn Ncw-Aork's verlöre» eine» thätigcn Freund und Mitarbeiter. 7 Kinder und 4 au Kindcsstatt angenommene Waisen (Giessen und Nichten, die er in seiner einzig dastehenden Wohlthätigkeit in sei» Hans ausgenommen) betrauern neben der braven und frommen Witttve und den zahlreichen Freunde» den Tahingcschicdnen. Mögen seine Nachkommen in seinen Fußstapfen wandeln, mögen sich recht Viele der Ueberlebendcn seinen Lebenswandel als Beispiel nehmen. n*2Vj*n Ihr Korrespondent hat selten die Gelegenheit alle hies.jüdischen Zeitungen zu lesen; doch für einen gclvipenhaften Eorrespondcuteu ist cs nöthig, von Zeit zn Zeit in einige derselben einen Blick zu werfen. Da fällt mir nun im vorwöchcutlichcn „Meffcngcr" folgende rcdactioricltc Notiz in die Augen, welche die Leser des „Israelis gewiß erheitern wird. Es heißt da in der Uebcrsetzung aus dem Englischen: „Es ist etwas unfreundlich von einigen unsrer jüdischen Colleginncn, die Gewohnheit, den Rabdi's am Eonsirmationstagc (Schobiwth) Geschenke 511 überreichen, zu bespötteln. Solche Geschellte sind ganz freiwillig und sind ehrende Ausdrücke von Anerkennung für vermehrte Thätigkeit. Eine Reform möchte dabei eingeführt werden — die Ucbergabe sollte nicht anläßlich der Festlichkeit in der Synagoge stattfindcn. Aber das ist gänzlich Sache des Takts. Auf jeden Fall möchten einige unsrer jüdischen Zeitungen mehr Takt entwickeln, als diese Gewohnheit mit nunöthigcr Heftigkeit zu rügen n. s. w." Ich glaube, daß zn diesem kurzen Artikel jeder Eommcntar überflüssig ist. Daß die Herren Doktoren gleich im Gotteshaus die Bezahlung für die schwere Arbeit annehmen, ist sicher neu. Die Mitthcilung ist säst unglaublich, allein uicin Eitat ist wörtlich dem „Meffcngcr", dem angesehensten hies. jüdischen Organ entnommen, dem auch die 'Verantwortung bleibt. Als gewissenhafter Berichterstatter, wollte ich nur Notiz von dieser interessanten Mitthcilung nehmen. Was ich bereits in einem früher» Briefe äugedeutet, kömmt allmählich zur Entwicklung. Dr. Kohut sucht weiter in feiner Gemeinde durch glänzende Predigten auf die Mitglieder zn wirken nud solche zur Umkehr zu bewegen. Bevor er jedoch einen Erfolg aufzuweisen hat, sind ihm feine Eollcgcn von der „höchsten Reform" auf den Ferse». Dr. Köhler hat den Fehdehandschuh hingcwsrfcn und predigt in unbekannter Weife gegen Talmud «. f. w., wurde jedoch von Dr. Kohut lebten rosv in glänzender Weife abgcführt. Dr. Kohut ist als Redner und Gelehrter allen seinen Eollcgcn hier voraus, und man kann sich daher leicht erklären, wer beim Reden den Kürzern zieht. Während die Reformschnlen oder Tempel ziemlich leer sind, erfreut sich Kohilt's Synagoge eines sehr starken Besuchs. Natürlich werden die andern Lichter bald Kohlcr's Beispiel folgen und Kohut wird sich scharf wappnen müssen. Wenn auch zwischen der Orthodoxie und Kohut noch eine ziemliche Kluft ist, so stehen wir doch in seinem hiesigen Kampfe auf seiner Seite und hoffen und wünschen ihm besten Erfolg. Zcitungsnachrichtcu und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, l. Juli. Aus Frankfurt a. M. kommt uns die höchstbctrübende Nachricht zu, daß Herr Rabbinats-Asseffor Rabbi Scckcl Bambergcr Sohn des verstorbenen Herrn Distrikts-Rabbiner S. B. B a m b er fl c r in Würzbnrg, mit 15. Tamns nach längerem Krankenlager im Alter von 45 Jahren seine irdische Laufbahn vollendet hat. Wir werden, s. G. tu., in bei* nächsten Nummer Ausführliches bringen. Berlin, 1. Juli. Als Zeichen der Zeit ist zn erwähnen, daß mit dem Heutigen Tage die neue „Deutsche Volkszeittmg" des famose» Herrn Licbcrmaun von Sonuenberg ihr Erscheinen einstcllt. Herr L. v. S. betont in einer längeren Erklärung, daß das Eingehen der Zeitnng mit beut Prozeß Stöcker in keinem Zusammenhang stehe, vielmehr seinen Grund in finanziellen Erwägungen und darin habe, daß er selbst müde und matt sei. Herr Licbermmm von Sonneiibcrg erklärt, daß jetzt sein Blatt noch ohne Schulden abschließe, dies aber in Zukunft nicht mehr möglich erscheine, da die „Judenfurcht" dem Blatte die nöthige Anzahl von Annoncen nicht Zuströmen lasse. Eine» Abnehmer des Blattes hat Herr v. Liebermann trotz aller Anstrengungen nicht gefunden, und so will er denn dem Beispiele seines Freundes, Dr. Förster, folgen und Europa den Nucken kehren. — Zum Prozeß des Hofpredigers Stöcker gegen die „Freie Ztg." hören wir, daß auch seitens der Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Revision gegen das Crkcuntniß der ö. Strafkammer eingelegt worden ist. Das Reichsgericht wird also Gelegenheit haben, sich nach den verschiedensten Rich-