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Der Israelit · 1885-06-25 · Heft 50 (25.6.1885) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 50 (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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853 Wohl, zu wissen, daß dies ohne Wissen und Einwilligung des intelligenten Elements geschah, obgleich es gewiß ist, daß nichts im Stande ist, diesen Schandfleck von Zala-Egcrszegh abzuwaschen. Ich erhielt damals des Oeftercn von Einzelnen und Corporationcn anonyme Briefe, in welchen ich beschuldigt wurde, in den Dienst der Juden getreten zu sein. Dies bestärkte mich jedoch nur in der Ucbereugung, daß der Antisemitismus ein Aushängeschild ei, unter welchem der Aufruhr sich auch auf andere Elasten erstrecken wird. Seien Sie ruhig, meine Herren, seien Sic nicht zu empfindlich, und ich glaube, es wird immer gut sein." Maurus Jokai läßt den zweiten Theil des Werkes „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild" das — wie bekannt — durch Se. k. und k. Hoheit den Kronprinzen Rudolf heransgegeben wird und in 2 Abthcilungcn, „Oestercich" und „Ungarn", zerfällt, ins Deutsche übertragen und hat mit der Ucbersctzung des ungarischen Originaltextes den rühmlichst bekannten Schriftsteller und hervorragenden Publicisten Dr. Adolf Sil berste in betraut. Temesvar. In dem nächst Dcmcsvar gelegenen, von Walachcn bewohnten Dorfe Bukovctz starb plötzlich am 25. dieses der dortige kaum 45 Jahre alte Rcgalicnpächtcr, Herr Salomon Roseuzweig, der durch mehrere Jahre das Richteramt in seinem Orte bekleidete. Er war sehr beliebt und erfreute sich in unserer Gemeinde, deren Mitglied er war, einer seinem an den Tag gelegten Wohlthätigkcitssinn gebührenden Achtung. Das Leichenbegängnis;, das hier stattfand, und bei welchem fast fämmtliche Einwohner des genannten Dorfes anwesend waren, gestaltete sich zufolge allgemeiner Lcileidsbezcngungcn zu einem höchst imposanten. Besonders rührend war cs mitanzuschcn, wie die Bauern von ihrem einstmaligen, dem jüdischen Glauben angehörenden Richter, als bereits die Grabstätte sich hügclförmig über ihm erhoben hatte, Abschied nahmen. Auch nicht einer von ihnen verließ den Friedhof, ohne daß er nicht Thräneu des tiefsten Beileids vergossen hätte. O, das; die ungarischen Walachcn ihren rumänischen Stammcsgenosseu in der Achtung, der Werthschätzung der Juden als Muster dienten! Krakau, 22. Juni. Dem Ehepaar Ritter und Marccll Stochlinski wurde die neue Anklageschrift (circa 250 Seiten) bezüglich des Mordes in Lutcza bereits cingehändigt. Die Berthcidiger, Dr. Machalski und Professor Rosenblatt, haben den Nccurs beim Ober-Landesgerichte überreicht. Brody. Anläßlich der Wahl unseres Glaubensgenossen, des Herrn Ritter von Kallir, zum Ncichstagsabgeordneten von Brody, spendeten die Herren Nirnstcin und Löwenhcrz 30,000 Gulden zur Bertheilung unter die Armen Brody's ohne Unterschied der Conscssion. In schönerer Weise hätten die Herren wahrlich ihre Freude kaum ausdrückcn können. Bosnien. Aus Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens, wird uns folgender, merkwürdiger Fall mitgctheilt: Bor demTnßlcr Gerichtshof wurde zwischen einem spaniolischcn Juden und einem Christen cin Proceß verhandelt. Es ist glcichgiltig, um was cs sich handelte; der Gerichtshof sprach das Urtheil; daß der Jude schwören müsse. Der Gerichtspräsident, ein österreichischer Baron, ergänzte aber das Urtheil dahin, das; der Schwur wohl dem Inden gebühre, in Anbetracht der Psisigkeit aber, die den spaniolischcn Inden eigen ist, wird der Schwur auf seinen Gegner, den Christen, übertragen. Der Jude protestirte gegen diese Beleidigung und unverkennbare Außerachtlassung des Gesetzes und verließ den Gerichtssaal ohne die Entscheidung abzuwarten. Roch an demselben Tage entsendete die Inden-Gemeinde in Tußla ihren 'Vorsteher an den Oberrabbiner von Scrajcvo, der sch auch sofort znm Statthalter voil Bosnien, Feldmarschall-Liculenant Freiherr» von Appel begab, von dem er eine entsprechende Gcnngthnnng forderte. Es vergingen jedoch einige Wochen, oh'-'.e daß in der Angelegenheit etwas geschehen war. Da begab sich der Ehacham Baschi in vollem Ornat noch einmal znm Statthalter und sprach wie folgt: „Ich kann nicht glauben, das; die glorreiche Regierung Sr. Majestät, unseres allergnädigsten Kaisers Franz Joseph, die diesem Lande soviel Segen und Heil gebracht, für die bosnischen Inden allein nur den Fluch, — den Antisemitismus, gebracht hätte; diese Giftpflanze, die wir bisher nicht gekannt haben, sic muß in ihrem Keime erstickt werden, und darum bitte ich ebenso nnterthänig als dringend, meinen Glaubensgenossen eine entschiedene Genugthunng zu verschaffen. Wenn dieses binnen 4 Wochen nicht geschehen wird, so werde ich vor dem Throne Sr. Majestät um Gerechtigkeit flehen, und dort werde ich auch Gerechtigkeit finden." Der Statthalter war über diese entschlossene Sprache nicht wenig überrascht, er beruhigte den Obcrrabbincr, der mit solchem Eifer für seine Confession eingetreten ist; und che ein Monat verging,

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