Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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852 getreuen von orthodoxen Nabbinen geprüften Schochet versehen. Der neue Vorstand hatte die an sich gute Idee einen Lehrer, der zugleich erot? ist, zu engagircn, hat sich aber nicht dazu verstanden , sich einem der benachbarten Rabbinate anzuschließen, obgleich zwei Inhaber von Nabbinatssitzen sich bereit erklärten, die Aufsicht über die 'Gemeindeinstilulionen nncntgeldlich zu übernehmen. Es haben sich in Folge dieses ganz eigcnthümlichc Verhältnisse gestaltet. Tie Stelle, welche stets mit 600 M. fixen Gehalt und 4—500 M. Nebenverdienste aus der Schechitah ausgeschrieben wird, war schon mehrmals von Lehrer besetzt, die aber, weil sic sich nicht ernähren konnten, dieselbe bald wieder verlassen haben. Die meisten und besten Metzgermeister behalten nämlich den seit 20 Jahren pflichtgetreuen und vertrauenswürdigen alten Schachet und nur einige wenige Metzger lassen bei dem qnest. Lehrer schachten. Diese Verhältnisse sind um so trauriger als Wildungen Badeort ist und die Badegäste hiervon keine Kenntniß haben. Gegenwärtig ist die Stelle wieder zur Besetzung ausgeschrieben. Möchte doch der Vorstand im Interesse der Gemeinde diesem traurigen Zustande ein Ende machen, und veranlassen, daß die Gemeinde sich einem Rabbinate anschließe, so daß alle Gemeindeinstitute, also auch die rwnw unter strenger Aufsicht gestellt werden, und bis dies geschehen, das frühere Verhältuiß eiutreten lassen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pesth. Der hiesige Korrespondent der „Köln. Ztg." scheint seine feindliche Gesinnung gegen die Inden aufgegcben zu haben. Der folgende Bericht desselben, den er in genanntem Blatte vom 7. d. M. veröffentlicht, läßt wenigstens in uns diese Behauptung aufkommen. Gr schreibt: „Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der Antisemitismus, der in Wien noch in Blüthc steht, in Pest und in llngarn überhaupt im Niedergänge begriffen ist. Ich will damit nicht sagen, daß die ungarische Gentry und der deutsche Bürger in Pesth den ihnen nicht zu Gesicht stehenden Juden über Nacht liebgewonnen hätten; aber es läßt sich nicht leugnen, daß die ungarische Landesausstellung zu dem Ergebniß geführt hat, daß die jüdischen Industriellen einen bedeutenden Antheil des Erfolges für sich beanspruchen können, und daß auch der jüdische Grundbesitzer in der Ackerbauhalle beachtenswerthe Erzeugnisse ausgestellt hat. Es ist heute eine handgreiflich erwiesene Thatsache, daß die ungarischen Juden nicht allein auf dem Handelsgebiete mit Erfolg und mit Nutzen für die Handelsintereffen Ungarns wirken, sondern daß sie auch an der Spitze jener gewerbthatigen Kreise stehen, denen Ungarn seine Fortschritte auf diesem Gebiete verdankt. Diesen Thatsucheu gegenüber steht dann eine andere Thatsache im Vordergründe der hiesigen, politischen Ereignise, nämlich die Auflösung der antisemitischen Reichstagspartei, eine Folge der Zerfahrenheit und Unfähigkeit jener politschcu Gruppe, die vom Volke berufen wurde, den Antisemitismas im Parlamente und im Lande ofsiziell zu vertreten. Um gerecht zu sein, muß man gestehen, daß nicht allein die Verschiedenheit der Anschauungen oder der Umstand, daß die Mitglieder der Antisemitenpartei den verschiedenen Parteischattirungen angehören, das einträchtige Wirken der Antisemiten im Abgeordnetenhause unmöglich gemacht haben; aber letztere lebten in der Ueberzeugung, daß sie in dem Kampfe, den sie im Parlamente beginnen wollten, in allen Parteien ansgcheime. Bundesgenossen rechnen dürften. Das aber war eine Selbsttäuschung, denn die Judenfrage ist für Politiker und Publicum äußerst ^langweilig" geworden. Tie antisemitscheu Zeitungen und Schriften blieben unbeachtet; die Christen wollten sie nicht lesen und die Juden auch nicht mehr, während letztere früher den größten Prozentsatz der Leser der antisemitischen Literatur ansmachten. Hierzulande verläuft der Antisemitismus im Sande." Pesth. Der Vcsprimer Bischof, Dr. Sigmund Kovacs, weilte am 9. d. M. in Marczali, wo er das Sacramcnt der Firmung ertheilte. Unter den zahlreichen Deputationen, welche bei ihm aus diesem Anlasse vorsprachen, befand sich auch jene der israelitischen Gemeinde, welche dem Bischof Dank sagte für den Hirtenbrief, welche» er zur Zeit der judenfeindlichen Bewegungen veröffentlichte. Bischof Kovacs antwortete hierauf Folgendes: „ Ich habe mit Freuden gehört, meine Herren, daß die Veröffentlichung meines erwähnten Hirtenbriefes in Marczali nicht gerade vonnöthen war, weil hier die Confessiouen in schönster Eintracht mit einander leben; seien Sie aber überzeugt, daß ich zu jener Zeit nicht nur als Lberhirt, sondern als Mensch handelte, indem ich es für meine Pflicht hielt, in der bekannteu Weise vorzugehen. Ich versichere den Herren, daß es meiner Seele, so lange ich lebe, wehe thun wird, daß die Aufwiegelung gegen Race und Religion in meinem Geburtsorte Zala-Egerszegh so große Dimensionen annahm; andererseits aber thut es mir