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Der Israelit · 1885-06-25 · Heft 50 (25.6.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 50 (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu Nr. 80 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Heilbronu a. N. Wieder hat der Tod eine Lücke in die so lichten Reihen der Frommen gerissen. Am Freitag, dem 19. d., wurde seinem Wunsche gemäß Herr Maier Strauß von hier in seiner Geburtsstadt Wcikershcim, um deren isr. Gemeinde er sich als langjähriger Vorsteher große Verdienste erworben, an der Seite seiner vor 8^/2 Jahren entschlafenen Gattin zur ewigen Nutze gebettet. Ausgestattct mit seltenen Gaben des Geistes und Herzens hat der Verewigte diese von frühester Jugend an bis 2 Tage vor seinem, am Abend des 4. Tamus erfolgten Tode, im Dienst seiner Religion und zum Wohl seiner Ncbeumcnschen zu verwerthen gewußt. Als Jude und Mensch gleich verehrnngsivürdig hat er durch seine nngchenchelte Frömmigkeit sich allgemeine Achtung erworben. Gr war ein echter Biedermann, Freund alles Gdcln, ein wahrer itin cti? rfni düv. Mit einem umfassenden Wissen in der jüdischen Lehre verband er zugleich auch den unbeugsamen Willen nach den Vorschriften derselben zu handeln und kein Opfer zu scheuen, wo es galt, die Gebote unserer heiligen Religion in herkömmlichcr Weise zu erfüllen. Schon vor dem Bestehen der neuen Synagoge, als ein reformirter Gottesdienst mit Begleitung eines Harmoniums hier eingeführt wurde, hat der Verblichene mit aller nöthigen Ausstattung im eigenen Hause aus eigene Kosten einen Betsaal errichtet, wo er täglich mit dem vorgeschriebeucn pc Morgens und Abends, meist selbst als Vorbeter, sowie auch als ypin bi fuugirend, mit ergreifender Innigkeit und Pünktlichkeit seine Andacht verrichtete. Leider hatte er scit.2 Dezennien nach Vornahme einer unglücklichen Operation sein Augenlicht' verloren; dennoch hatte er mit seinem scharfen Gcistesblicke für alle Fragen und Fälle des Lebens ein lebhaftes Interesse. Gin Beweis seines unbegrenzten Gottvertraucns, seiner wahrhaft edlen Frömmigkeit, seiner treuen Hingebung an den göttlichen Willen ist es. daß während dieser gauzell Zeit kein Wort der Klage über seine Lippen gekommen, selbst da nicht, als vor etiva 7 Jahren ein Schlaganfall seine edle Gattin auf ein N-jähriges Krankenlager warf und ihn, den Gepflegten, nun znm Pfleger berief, welche Aufgabe er in rührendster Weise mit Sohn und Tochter theilte. Hand in Halid mit seiner seligen Gattin hat er in schönster Weise alle die Pflichten des rsboi □non erfüllt; mildthätig, allezeit zu körperlichen Leistungen so lange bereit, als seine Natur es gestattete, war er im wahrhaften Sinne ein Vater aller Bedrängten. Ja, wir dürfen es anssprechen, sein Leben rechtfertigt seinen Rnf. Sanft hauchte der Edle nach kurzem Leiden in dem hohen Alter von fast 82 Jahren seine reine Seele aus. Möge er im Himmel den verdienten Lohn für seine guten Werke finden! rm& pna *dt. Berlin, 20. Jnni. Der in Halle an der Saale erscheinenden „Saale-Zeitung" wird folgendes mitgctheilt: „Als ein Beitrag zu der Frage, wie unser Kronprinz über die agitatorische Thätigkeit des Hofprcdigers Stöcker denkt, kann die folgende, uns von zuverlässiger Seite zugehende Mittheilung dienen: Gin Geistlicher in einem Dorfe bei Potsdam, der früher als Missionar in Afrika gewirkt hat, wird von unserem Kronprinzen hin und wieder besucht. Eines Tages fragt auch der hohe Herr, ob der Geistliche uiit den kirchlichen Verhältnissen Deutschlands zufrieden sei. Freimnthig aber antwortet der Pastor: „Nein, Kaiserliche Hoheit! Verschiedene Bestrebungen, die jetzt in nuferer Kirche zutage treten, besonders das agitatorischeVorgehen meines Amtsbruders, des Hofprcdigers Stöcker, gefallen mir gar uichh ich sehne mich wieder in meine frühem Verhältnisse zurück," Ein Lächeln zuckt über das Gesicht des leutseligen Herrn. „Bleiben Sie nur hier, Herr Pastor,Stöckersche Verhältnisse können nicht ewig bestehen," lautete die tröstliche Mahnung des Kronprinzen." Wilduugeu. Durch großen Zuzug aus aller Herren Länder ist Bad Wildungen zu einer zahlreichen jüdischen Gemeinde geworden. Bis vor ungefähr 5—6 Jahren wurde der isr. Schuljugend von eiucnt geprüften Lehrer des Nachbarlandes wöchentlich 2mal Religionsunterricht ertheilt; der Gottesdienst von einem dazu fähigen Mitglieds der Gemeinde geleitet und die nD’rw von einem Pflicht-

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