Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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836 Hofes, insbesondere aber des Vorsitzenden, zu graste Aniorderuugen stellen. Tie Verhandlung sei daher aus Tienstag Vormittag neun Uhr vertagt worden. An diesem Tage wird zunächst die Verhandlung behufs Au'llärung der dem Gerichtshof noch nicht genügend klaren Punkte fortgesetzt und sodann das Erkennruist publizirt werden. Berlin, 16. Juni. Nach kl Luge zum Prozeß Stöcker. Von dem auögcwiescnen Stadtverordneten Herrn Ewald erhält das „Verl. Polksblaufolgende Erklärung: „Es ist richtig, daß ich zweimal mit Herrn Hosprcdiger Stöcker gesprochen habe, und zwar, wie die vernommenen Zengeil aussagtcn, in einer Versammlung in der Tonhalle, im Jahre lssi, woselbst ich in Folge meiner Erklärung, daß ich mich zur sozialdemokratischen Partei bekenne, sistirt wurde. Zum zweiten Male traf ich mit Herrn Hosprcdiger Stöcker am 18. Januar 1883 in einer Versammln,:.^ in der „Linde" 'zusammen. Beide Male fand das Zusammentreffen unter Umstande» statt, die man in seinem Leben nicht vergessen kam:. Venn Herr Hofprediger Stöcker ferner behauptet, er habe nicht gewußt, dast der Vergolder Ewald und der Stadtverordnete Ewald eine und dieselbe Person scien. so ist das wahrscheinlich auch einer der bekannten „Irrthnincr", denn das Organ des Herrn Hoipredigers Stöcker, das „Ehristlich-soziale.lkorrcspoudenzl'latt," wußte cs sehr gut, daß der Vergolder und der Stadtverordnete Ewald eine und dieselbe Person waren. Kurz vor meiner Wahl znin Stadtverordneten befckäftigte sich dieses Blatt sehr viel mir meiner Person, eö besprach meine Ausstellung und sagle u. A., der Vergolder- Ewald sei einer der vernünftigsten sozialdemokratischen (Kandidaten. Nach vollzogener Wahl brachte das Blatt das Rrmliat, sanrmttichc getvahlre Eaudidaren der Arbeiterpartei mußten Revue passircn und auch hier wurde wieder mein Name und mein Stand, teurerer als Vergolder, angegeben. Es bleibt somit nur der eine Ausweg, daß Herr Stöcker Z'.'.gielr, dast cr nicht einmal sein eigenes Organ liest, Fernerhin wird von dein io linl nal Kominissarins Herrn Schöne behauptet, int Jahre 1831 oder 1882 l-ätten sich .zwei Männer Karecus Ewald in hervorragender Weise an der sozialdemokratische» Vervegung berhciligt. 'Ich kann dagegen nur anfiibren, daß ich seit Anfang der 70er Jahre in jener Brwcgni'.g stehe, und ich behaupte, daß außer mir lein Ewald als Redner oder Vertrancuslnann ausgetreten ist. Rur einmal wurde ncciii Bruder bestraft, weil er im 5. Wahlkreis euren Wahlaufruf angeklebt baben soll. Mein Bruder har aber noch niemals in einer öffentlichen Versanrmlung ein Wort gesprochen. Es kann daher von einer hervorragenden Thäriakeit deüel! en. in der Parin wohl schwerlich die Rede sein. Ferdinand Ewald, Brandenburg a. H." - Tie ..Voss. Ztg." erhält von einem ihrer Rcserenlcu folgende Mirrhcilung: „Ta cs leider zu spät ist. noch eine den Hoftwediger Stöcker belastende Aussage z:- mach»-'.!, so sehe ich mich Veranlaßt, gieichsckls zu erklären, das; ich allein in zwei bernerlenswerthen Vers.rnnnlnngcn. die beide vordem k-cc-ar.nrcnEerichrslcrmin starrsanden. HerrnStöcker- und Hrrrw Ewald in engster Verbindung und nächster Nähe zniaiumru gesehen habe. Mcinenl E'-edächtnist kommt mein im Onginalnlannsknpt noch vorliegender, damals unter dcrn vockeu Eindruck der Versammlung geschrleleuer Bericht z:r Hilke, der A. Ausnahme in hiesigen Zeitnng-n fand. Türm heißt cs ». er. über die im Januar iLä r in der „Linde" statrgehabte Versammlung, daß Stöcker auf der Tribüne, auf der Ewald staub und refrrirte, Platz nahm, daß Ewald sich mit biicctcit bffentlichctt Fragen an Stöcker geroandt. und dast Letzterer ans Ewalds Berlaug-.-.-! bestimmte Ertlärnngen abgao. Auch enrsinne ich mich, dast beide Männer nach der slartgehaLte» Ausiösllng noch bei einander standen, so daß schon dieses eine Zusammensein genügt hätte, die Persönlichkeit Ewalds in dem Gedächtnis; Stöckers haften zu kaffen. Ein zweites Mal — ich weist allerdings nicht, wann cs war, aber jedenfalls auch vor jener Gerickusverharrdlung — sah ich Stöcker und Ewald in der Tonhalle zusammen. Tamals kam Ewald auf die Tribüne, auf der Stöcker saß und präsidine, damals wurde Ewald, der das Mißfallen der Slöckerfrenndc erregte, „hinausgegraulk", und als cr ruhigen Schrittes durch die Versammlung zum Ausgang ging, wurde er fast handgrcisiich bearbeitet. Das Alles sah und hörre Stöcker von seinem hervorragenden Platze aus. In beiden Versammluugc» spielte Ewald eine Art Hauptrolle." Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Aus Bade», 15. Juni. In Nr. 46 Ihres geschätzten Blattes hat „vom Rhein" ein Mohel mit Recht daraus aufmerksam gemacht, das; in Bezug aus nzxz rt**c mancher iisos vorkommt und zwar einfach dcßhalb, weil man diese nso seltener als andere zu beobachten hat und sich,deshalb nicht immer zur Zeit von compctcnter Seite gehörige Belehrung verschaffen kann. Ihr Correspondcnt hat nur eine Andeutung gegeben, ich glaube aber, das; in dieser Beziehung eine eingehendere Belehrung am Platze wäre. Es weis; nämlich Jeder, daß die 'nha am 8. Tage nach der Geburt stattznsinden hat, gleichviel 5u welcher Tagesstunde das Kind zur Welt kommt, und das; die Nacht zum folgenden Tag gerechnet wird. Das weiß aber nicht jeder Laie, daß die Zeit, so lauge es noch Tag in, selbst wenn das Dnyc* Gebet schon längst verrichtet ist, zu dem gegenwärtigen und nicht znm morgigen Tag gehört, und das; auch der Freitag Abend, wenn die Synagoge auch ans ist und man vielleicht auch zu Hanse schon crsp gemacht und gespeist hat, so lange cs noch Tag ist, zum Freitag gehört, und ein Kind, in dieser Zeit geboren, am Freitag beschnitten werden mnß. In der Dämmerung, wo ein Zweifel — ob Tag oder Nacht — obwaltet, wird das Kind nicht als heute, sondern als morgen geboren betrachtet. Ist cs aber Freitag Abend und es obwaltet ein solcher p.rv, so wird wegen des Zweifels die ntvo auf S o n n t a g verschoben (also nicht Freitag und nicht; an Feiertagen wird in dieser Weise die Verschiebung bis auf einen Tag nach den Feiertagen bestimmt und findet dadurch die rb'n oft erst am 12. Tag nach der Geburt statt. E. E. O e st e r r. - U n g a r. Mona r ch i e. Brünrr, 15. Juni. In der mährischen Haupt- ' stadt geht cs toll her. Achttausend Arbeiter streiken imb_ befinden sich in Aufruhr. Gin Theil der Arbeiterschaft wollte heute Morgen die Arbeit anfnehmen.