Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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832 welche sie vor den Gesetzen des Staates und der Kirche verantworten und büßen müßten. Den 12. April im Patriarchat. - Auf Befehl Sr. Heiligkeit der Ober-Bikar Gabriel. Wir, Joachim von Gottes Gnaden Erzbischof zu Eonstantinopel dem neuen Nom und ökumenischer Patriarch. Sehr geehrte Geistliche der großen Christuskirche, fromme Priester und ehrwürdige Brüder, die Ihr in den geheiligten Kirchen der Stadt singet, sowie auch in Galata und am Bosporus, und Ihr alle, gesegnete Christen, die Gnade und der Friede Gottes seien mit Euch. Mit großem Schmerze haben wir in Erfahrung gebracht, daß trotz der von der kaiserlichen Negierung cjngeleiteten pflichtschuldigen Untersuchung zur Entdeckung und Strafe der Schuldigen an den Unruhen in Kadikeuy, Einige unter Euch nicht aufhören in gewaltsamer und gesetzwidriger Weise zu verfahren, indem sie die Juden, denen sic auf der Straße begegnen, mißhandeln und sich zu Handlungen hinreißen lassen, welche die religiösen Leidenschaften und den Haß zwischen Völkerschaften reizen, die dasselbe Land bewohnen, Untcrthanen derselben Negierung sind und in Liebe mit einander verkehren sollten. Diejenigen, welche so handeln, wissen wahrscheinlich nicht, daß sie damit der christlichen Bevölkerung keine Ehre einbringcn; dieselbe hat sich stets durch ihre Milde und christliche Nächstenliebe ausgezeichnet, wie cs die orientalisch-orthodoxe Kirche, welche ausdrücklich den unzeitgemäßen Eifer und den Haß gegen Andersgläubige verurtheilt, vorschrcibt. Auch lenken sic den den Zorn und die Mißbilligung der kaiserlichen Negierung auf sich, welche über alle Völkerschaften, ihre Uuterthancn, wacht, den öffentlichen Frieden und dieRuhe aufrecht erhält und stets bereit gewesen ist, die wirklich überwiesenen Schuldigen nach Gebühr zu bestrafen. Daher empfehlen wir väterlich, daß man sich von gesetzwidrigen, nnchristlichcn Handlungen enthalte und sich nicht selbst Gerechtigkeit verschaffe den Landesgesetzen zuwider und dieser Art denjenigen, welche die orthodoxe, friedliche und die Gesetze achtende Nation hcrabwürdigen wollen, indem sie ihr Fanatismus und Neligionshaß vorwerfen, geeignete Vorwände liefern. Künftighin möge Niemand den Juden Schimpf oder Unrecht anthun, sei cs in Worten oder strafwürdigen Handlungen, sondern sich überzeugt halten, daß die kaiserliche Negierung einerseits den Gesetzen gemäß diejenigen strafen wird, welche thatsächlich an der Schmach ihren Antheil gehabt, andererseits aber denjenigen, welche durch Gewaltthätigkeiten die Drdnnng und Ruhe stören werden, nicht freie Hand lassen wird. Ihnen dies sagend und anempfehlend, rechnen wir auf Eure christliche Ergebenheit und Folgsamkeit gegenüber unfern väterlichen Rathschlägen, und möge Gottes Gnade und ewige Barmherzigkeit mit Euch sein. April 1885. (Die Israeliten Marocco's.) Wir haben neuerdings an Israeliten von Fez begangene Mordthaten zu verzeichnen. Gegen den 18. März wurden in der Nähe von Marocco Rnben Azerral und Mimon Drojman umgebracht. Die Beraubung war der Anlaß zu diesem Verbrechen. Diese Israeliten waren mit einer Summe von 30,000 Frcs. in landesüblichem Gelde, welches sie gegen Fünffrankenstücke umwechscln sollten, beladen. Man vcrmuthet, daß zwei Berittene, von denen sie begleitet waren, das Verbrechen begangen. Bis jetzt sind keine Maßregeln getroffen worden, um die muthmaßlichcn Mörder zu ergreifen. Augenblicklich herrscht große Unruhe im Mcllah zu Fez. Vierhundert jüdische Familien sind obdachlos. Die Wohnungen sind in geringer Anzahl vorhanden, und die Miethen sehr hohe. Diese Familien, die nicht im Stande waren, ihre Miethe zu bezahlen, sind aus ihren Wohnungen vertrieben worden und campircn jetzt unter freiem Himmel. Man glaubt, das; Se. Majestät einen neuen Mellah erbauen lassen wird. lIsraeliten Rußland'«.) Das Ecntral-Burean für Statistik zu Petersburg hat auf Befehl des Grafen Pahlen, Präsidenten' der jüdischen Eomiffkon, unter dem Titel „die jüdische Bevölkerung und der Bodenbesitz in den südwesrlchen Provinzen Rußlands, in dem Rayon, welches die Inden bewohnen dürfen", folgende Nachrichten über die Israeliten Rußlands gebracht: Es gibt in Rußland 2,930,639 Inden, welche 10,5°/0 derGcsammtbevölkerung ausmachen. Am zahlreichsten sind sic in Lktthauen und am seltensten in Klein-Rußland. Aus Folgendem kann man das Verhältnis; ersehen, in welchem sie sich in den größer« und kleinern Städten und den Dörfern einiger Bezirke aufhaltcn. (Jaffa.) Herr Hirsch, Dircctor der Ackerbauschule, hat uns Nachrichten über das Gedeihen der Anpflanzungen in der Ackerbauschule zukommen lassen: „Die Graupen-Ernte wird binnen einigen Tagen beendet sein; das Resultat ist ein mittelmäßiges. Mit unserem Getreide ist es schlecht bestellt wegen Regenmangels, und wir werden wenig ernten. Ucberall trifft dies nicht zu. In der israel. Colanie