Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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831 über gekochtem Fleisch vor Verlegenheiten geschützt, und der religiöse Reisende, Badegast und Auswanderer in den Stand gesetzt, in seinem Reisckoffer seine Küche mit sich zu führen. Dainbach, 16. Juni. (Unter-Elsaß.) Endlich wurde unsere, seit zwei Jahren verwaiste, Rabbincrstclle wieder und zwar durch Herrn Dr. Salomo» Singer, ehemaligen Rabbiner zu Prerau (Oesterreich), besetzt. Heute fand dessen Einführung in sein Amt statt, mit welcher große Feierlichkeiten verbunden wurden. Um 3 Uhr machte Herr Dr. Singer unter zahlreicher Versammlung von Personen aller Eonfcssionen seinen Eintritt in die zu dieser Feierlichkeit prachtvoll geschmückte Synagoge. In Vertretung des Herrn Ober-Rabbiners wurde derselbe von Herrn Leon Schwartz, Banquier und Mitglied des israelitischen Eonsistoriums des Unter-Elsaß, in sein Amt eingeführt. Der Festlichkeit wohnten, außer der ganzen israelitischen Gemeinde, auch die Herren Krcisdirector, Amtsrichter, Bürgermeister und Gemciudcrath bei. Der Jnftallirnng in der Synagoge folgte ein solennes Bankett. Der israelitische Lcsevercin von Tambach. O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Vor wenigen Wochen hat sich dahier ein Verein jüdischer junger Männer, „vn;?" (Zukunft) benannt, gebildet, der die Hebnng des Znsammcngchörigkeitssinncs unter den jüdischen jnngcnMänncrn bezweckt und sich mit der Pflege der nationalen Geschichte des jüdischen Stammes mit Ausschluß jeder politischen Tendenz beschäftigt. Ter Zweck wird angestrcbt durch Veranstaltung geselliger Abcnduntcrhaltnngcn und größere Festivitäten, durch Errichtung einer entsprechenden Bibliothek und Anschaffung einschlägiger Zeitschriften, durch Vorträge und Discussionsabcnde und durch Ausschreibung von Preisarbeiten. In Pefth fand in der Nacht vom Samstag auf Sonntag ein Krawall statt, welcher durch das Hcrbciströmcn allerlei Gesindels große Dimensionen auzunchmen drohte und nur durch das energische Eingreifen der Polizei ohne üble Folgen blieb. Der in der Lilicngaffe wohnhafte Fragner Adolph Schwarzenberg hatte einem Taglöhncr einen Abzug von zwanzig Kreuzern gemacht, was diesen vcranlaßte, einen so ungeheuren Lärm zu schlagen, daß sofort sämnltliche Bewohner der umliegenden Häuser auf die Straße stürzten. Die Menge schwoll im Augenblicke an, aus den wenigen lärmenden Personen wurden bald Hunderte, welche unter den Rufen: „Heraus mit dem Inden, hängt ihn an die Laterne!" das Gewölbe Schwarzenbcrg's zu stürmen begannen. Sic plünderten die Auslagen, warfen Bürsten, Peitschenstiele re. ans die Straße und wollten bereits in das Gewölbe eindringcn, als cs der Polizei, die Thüren zu schließen und das aufgeregte Volk zurückzildrängen gelang. Frankreich. Paris. Monatsbericht (M a i) der „Alliance Jsr. Univ." (Israeliten der Türkei.) Wir haben bereits ausführliche Mittheilungcn gebracht über einen Vorgang in Haidar-Pascha. Dank sei es der Festigkeit der Polizei und der türkischen Behörde, welche gleich zu Anfang energische Maßregeln gegen die Ausständigen getroffen. Dank auch der Intervention des Patriarchen, welcher diese Rnhestörnngen ernstlich getadelt, konnten die Israeliten mit Ruhe in ihr Heim znrnckkehrcn. Anbei die Proclamation, welche (nach dem Stambnl vom 27. April) der ökumenische Patriarch diesbezüglich an die griechische Gemeinde gerichtet: „An das fromme Publicum dieser Stadt! Die große christliche Mntterkirchc hat mit gerechtem Erstanncn von der öffentlichen Beschimpfung gehört, welche vor einigen Tagen in Eadikcny der christlichen Religion von einigen sittenlosen Individuen zu Thcil wurde. Diese verbrecherische Handlung hat sic tief betrübt, aber nicht weniger die unverzeihliche und gewaltige Art, mit welcher einige der orthodoxen Ehristcn sich beeilt haben, die beleidigte Ehre unserer Religion zu vcrthcidigcn. Sie hätten bedenken müssen, daß über ihnen eine Gerechtigkeit waltet, diejenige der Gesetze dieses mächtigen Reiches, Beschützerin der Völker und aller Glaubensbekenntnisse, welche sich pflichtgemäß beeilt hat, die Schuldigen dieses beklagcnswcrthen Drama's zn bestrafen. Daher kann die Kirche nur — wenngleich sie nicht gleichmüthig auf die Beschimpfungen blickt, welche, sei cs von Inden oder Anderen, der Heiligkeit ihrer Religion zngcfügt tvcrden — diese Art, sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen, energisch und öffentlich tadeln nnd alle orthodoxen Ehristcn dieser Stadt ermahnen zum Vertrauen in den Schutz der Gesetze unserer kaiserlichen Regierung; sie mögen sich auch in den Geist unseres orthodoxen Glanbcns fügen, der niemals Beschimpfungen und Verfolgungen durch Repressalien oder Blutvergießen vergolten hat, sondern durch Sanftmuth nnd Geduld. Sie mögen sich also in Zukunft jeder Gcwaltthaten enthalten,