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Der Israelit · 1885-06-22 · Heft 49 (22.6.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 49 (22.6.1885)
Date
1885-06-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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814 Zahlen kundgibt. Dieser Einfluß war so stark, ist so sehr in Fleisch und Blut der Bekenner des Judenthums eingedrungen, daß er auch bis jetzt zum großen Theil noch diejenigen beherrscht, die in ihrem Leben mit den Lehren des Judenthums gebrochen haben. Wir sagen: bis jetzt und zum großen Theil, denn bei manchen Abgefallenen treten schon die Anzeichen auf, daß sie des alten, wohlthätigen Einflusses sich leider nicht mehr zu erfreuen'haben. Wir empfehlen die interessante Schrift auf's Angelegentlichste. Zur Beleuchtung des Stöcker-Mythus. Ein freies Wort von Dr. theol. M. Schwalb. Berlin 1885. Walter & Apolant. 8. Der Herr Hofprediger hat seine Reden, weil diese, wie er selbst, „durch eine lügnerische Presse zum Gegenstand der journalistischen Mythologie geworden," unter dem Titel „Christlich-Social" herausgegeben; mm aber könne „Freund und Feind die Wahrheit lesen." Wir haben dieses nicht hier citirt, damit man über die Wahrheit des Herrn Stöcker lache, sondern weil der Verf. der vorliegenden Schrift diese Worte zum Ausgangspunkt für seine Kritik der Reden des Hofprcdigers nimmt, um uns diesen Herrn in seiner Thätigkeit vorzuführen. Wir wollen nur kurz bemerken, daß der Protestantenvercknler Herr Schwalb dem orthodoxen Hofprediger uachwcist, daß er nicht bibelgläubig sei, wie er seinem Standpunkte nach sein sollte, daß er vielmehr in diesein Punkte gar sehr diplomatisirt. Der dogmatische Streit hierüber interessirt uns hier nicht, ebensowenig interessiren uns die gewiß wohlgemeinten aber übel angebrachten Rathschläge, mit denen der Missionär Herr Schwalb der bedrängten Juden zu Hilfe kommen will. Die ganze Schrift, die auch über die bewährte Wahrheitsliebe des Herrn Stöcker und dessen Hetzereien ein kräftiges Wörtchen spricht, hat für uns nur den symptomatischen Werth, daß auf christlicher Seite die Ansicht immer mehr und mehr Terrain gewinnt, daß die Handlungsweise des Herrn Stöcker dem Christenthum beziehungsweise mehr schade als der Judenheit. Um dies zu verzeichnen, darum haben wir auf die Broschüre hier aufmerksam gemacht. Beiträge zur Erklärung des Jesaiah. Bon Prof. Dr. I. Barth. Berlin 1885. 8. Dem diesjährigen Jahresbericht des Rabbiner-Seminars zu Berlin geht die obengenannte wissenschaftliche Abhandlung voran. Der Berf. gibt hiermit gleichsam Proben seiner Vorlesungen, die er am Seminar über die Propheten hält, und man ist wohl berechtigt nach den Proben auf ein gutes Lager zu schließen. Die Propheten werden historisch und sprachlich mit Berücksichtigung älterer lind neuerer Commentatoren und Forscher erklärt, ein Verfahren, das nicht nur berechtigt, sondern sogar zur Pflicht wird, wenn die einstigen Führer der Gemeinden in den Stand gesetzt sein sollen, der im Aufputz eines wissenschaftlich scheinenden Gewandes auftretenden Kritik mit den Waffen der Wissenschaft gerüstet, erfolgreich entgegentreten zu können. Der Weg, die prophetischen Schriften für Predigt und Familie zu benützen, soll durch die wissenschaftliche Behandlung natürlich nicht verlegt werden. Der Verf. scheint uns in Aufklärung recht schwieriger Stellen zumeist sehr glücklich, wenn wir auch nicht verhehlen wollen, daß uns wiederum Manches sehr gewagt erscheint, wie z. B. 8, 23. Es will uns nicht einleuchten, daß bpn und Taon auf die Eigenschaften der Truppcnkörper sich beziehen solle — der Hinweis auf -ro ny scheint uns nicht genügend und für ^>pn findet sich überhaupt kein Analogon — wir würden noch immer vom rein philologischen Standpunkte aus die alte Erklärung dieser Wörter als „schmählich behandeln" und zu „Ehren bringen" vorziehen. Abgesehen von dergleichen einzelnen Ausstellungen, wie sie sich aus der subjcctiven Anschauung des Lesers ergeben, können wir die Abhandlung als eine treffliche und recht lesenswerthe, weil sie anregend und belehrend ist, empfehlen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München. Donnerstag, der 21. Sivan, versetzte unsere Gemeinde in tiefschmerzliche Trauer: die Krone wurde ihr vom Haupte genommen, denn der fromme und hochherzige Herr Abraham Märzbacher ging an diesem Tage zu' den Himmlischen ein. Er war ein Mann, reich an Thorakenntniffen und profanem Wissen. Nachdem er mit bestem Erfolg die Jcschibah zu Fürth besucht und hierauf die UniversitätenErlangen undMünchen frequentirt hatte, wandte er sich dem Handel zu, der seine Redlichkeit und Thatkraft.auf das schönste lohnte. Mit irdischen Gütern gesegnet blieb er stets sich selbst getreu. Er lernte seinen regelmäßigen -tfjm, versäumte keinen Synagogengang, war ein foio, der keine Mühe in

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