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Der Israelit · 1885-06-18 · Heft 48 (18.6.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 48 (18.6.1885)
Date
1885-06-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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800 daß es außer dem Staatverordneten Ewald noch einen anderen Ewald gegeben habe. — Da der Zeuge anwesend, so wird derselbe soso« vernommen. Schöne: Es gibt allerdings zwei Veute des. Namens Ewald, die agitatorisch, thätig gewesen sind lntb in den Akten der Criminalpolizei geführt worden. Der ande.e Ewald ist, glaube ich. auch Vergolder, oder hat doch wenigstens einen ähnlichen Beruf. Vielleicht waren sie Brüder. — Vors.: War von diesen beiden Einer mehr als der Andere agitatorisch thätig? — Schöne: Aus Beiden lastete der Verdacht der Agitation und aus Brive hatte die Polizei gleichmäßig ihr Auge. — Bors.: Was itNheilen Sie über das Gesicht des Ewald? — Schöne: Es war ein alltägliches Gesicht. — Rechtsanwalt Sachs richtet die Frage an den Zeugen: Sind beide Ewald öffentlich ausgetreten? — Schöne: Ja! Beide— Rrch'.sanw. Munckel: Wenn beide Ewald, falls überhaupt zwei existiren, össentlich aufgetreten sind, so wird die Annahme bestärkt, daß Stöcker Ewald kennen mußte, und die persönliche Vorladung Ewalds wird noch nöthiger gemacht. — Vors.: Es würde sich schließlich doch immer nur um «inen Ewald handeln müssen. Wissen Sie, wann Ewald ausgewiesen worden? — Schöne: Ich glaube im vorigen Jahr. — Vors.: Seit wann war Ewald agitatorisch derartig thätig, daß Stöcker ihn hätte kennen müssen? — Schöne: Seit 1880. — Staatsanw.: Ich widerspreche dem Antrag, Ewald vorzuladen. — Vors.: Vorhin haben Sie deni Anträge aber nicht widersprochen, Herr Staatsanwalt! Wir werden in jeder Weise die Form wahren und gründlich in der Sache Vorgehen. — Rechtsanw. Sachs: Ich konstatire, daß Zeuge nicht einmal zu wissen scheint, daß Ewald Vergolder ist, was doch jedes Kind in Berlin weiß. Daß er nicht weiß, wann Ewald ausgewiesen worden. — Zeuge Görcki wird noch einnial vernommen. — Vors.: Haben Sie der Versammlung beigewohnt, in der Ewald war? — Görcki: Ja, aber der Stadtverordnete Ewald, nicht der Andere! — Vors.: Kennen Sie einen anderen Ewald? — Görcki: Keinen, als den Stadtverordneten, der 1884 bei Gelegenheit der Stichwahl ausgewiesen worden. Wie lange er agitatorisch thätig gewesen, weiß ich nicht. Den anderen Ewald habe ich nie gesehen. — Vors.: Haben Sie vorher je von .einem anderen Ewald reden hören? — Görcki: Niemals! — Der Gerichtshof zieht sich daraus zur Bcrathung über den von der Venheidigung gestellten Strafantrag gegen Stöcker zurück. Nach kurzer Berathung verkündet der Vorsitzende das Resultat derselben, dahin gehend, daß der Strafantrag im Lause des gegenwärtigen Verfahrens gesetzlich unstatthaft uud durch Beschluß zurückgewiesen sei. Danlit wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Hieraus begründete Staatsanwalt W e i ch e r t die Anklage gegen den Redacteur der „Freien Zeitung" Bäcker, wie folgt: Die Verhattdlung in dieser Sache hat leider sehr viel Haß, Verachtung und Mißgunst zu Tage gefördert. So traurig das ist, so bin ich doch der Ansicht, daß der Prozeß eine günstige Wirkung geübt hat. Die Atmosphäre ist nun rein geworden und der mit aller Macht verfolgte und verleumdete Sto)er wird aus drin Cturzbade der Verleumdungen lauter und intakt hcrvorgehen und so rein dastehen, wie vorher. Zunächst muß ich den Wenh des Zeugnisses des Hospredigers Stöcker beleuchten, denn es ist allerdings ein Theil der themata probanda nur durch sein Zeugniß beleuchtet worden. Es ist keine einzige Thatsache hier angeführt worden, die die Glaubwürdigkeit Stöckers in Furage stellt. Um damit aufzuraumen. was an schwersten Beleidigungen gegen Stöcker hier vorgebracht worden ist, will ich gleich aus die heute vorgebrachte Behauptung kommen, daß Stöcker einen Meineid geleistet habe, entweder einen wissentlichen oder fahrlässigen. Ich mochte den preußischen Stichler sehen, der auf Gruud dieser Thatsachen Herrn Stöcker verurtheilen würde. Stöcker erklärte vor dem Schöffengericht» er sehe Herrn Ewald zum ersten Male. Er ist allerdings mindestens zwei Mal dem Ewald begegnet. Ader jener Prozeß hatte die Frage zum Gegenstand, ob er sich mit Ewald in Unterhaichlungen eingelassen habe. Der Ausdruck: ich habe ihn noch nicht gesehen, ist nun allerdings unglücklich gewählt. Es ist nicht richtig, was Stöcker gesagt hat, gewiß nicht. Kana man aber verlangen, daß ein Mann, der Hunderte und Tausende von Reden hält, den Ewald nach zwei oder vier Jahre» wiederrrkennen soll? Ich gebe zu, die Begegnung ist aus ein und derselben Tribüne erfolgt, die beiden Männer standen Aug in Auge gegenüber. Deshalb ist es doch möglich, daß sich Stöcker des Herrn Ewald nicht erinnern kann. Der Letztere hat ja keine solche Bedeutung, man überschätzt ihn. Er ist durchaus nicht ein berühmter Mann, dessen Gesichtszüge man sich zu nierken pflegt. Ich komme nun zu de» Anikeln der «Freien Zeitung." Gleich die Ueberschrift: «Hosprediger» Reichstagskandidat und Lügner" enthält die unerhörtesten Beleidigungen; denn eine größere Beleidigung kann man sich nicht denken. Trotz seines hohenpriesterlichen Amtes wird ihm doch die Beleidigung, die Unwahrheit wissentlich gesagt zu haben, zugesügt und der Behörde der Vorwurf gemacht, daß sie einen Lügner im Amte lasse. Stöckers Eandidatur wäre eine Schmach für das Land und für Berlin, er sei der Kapuziner der Bierbank, er sei ein Ehrabschneider, der nicht würdig wäre, im Parlanlcnte zu sitzen, der sronune Hosprediger und der Mann der Wahrheit oder der Lüge — das fei die Frage: das sind die Ausdrücke, die in den, ersten inkrimininen Artikel gebraucht werden. Der zweite Artikel ist mehr ironisch gehalten. Grünberg sei Stöckers Entdecker und Stöcker, der zweite Luther u. f. w. Ueber die Schwere dieser Beleidigungen kann ich mich wohl jeder Ausführung enthalten. Ich komme nun zu der Thüringer Kirchenkonferenz, die hier zur Sprache kam. Tie Zeugen Stöcker und . Vraasch befinden sich in einem absoluten. Widersprach. Stöckel: hat allerdings in jener Konferenz aus Befragen des Präsidenten gesagt: wir verlangen unser Recht! hinterher aber erklärt, er habe sich an der Debatte nicht becheiligt. Ich war voller Erstaunen, als Braasch hier sagte, er halte diese Worte für eine wesentliche Beihciligung an der Debatte. Das Urtheil von Braasch wird wohl von der Mehrzahl logisch denkender Menschen nicht getheilt werden. Auch bezüglich der Antifemitenpetition liegt die Sache ganz einfach. Stöcker konnte einfach aus die Frage, ob er die Petition unterschrieben habe, antworten: Ja oder Nein! Er hat Nein gesagt, hinterher mußte er Ja sagen. Daß sein Namen unter der in Deutschland circulirendea Adresse nicht gestanden hat, ist erwiesen, aber ec hat die ersten Exemplare unterschrieben. Er hat also die Petition unterschrieben und auch nicht unterschrieben und er hat es in einer Weife ausgedrückt, die,licht einmal falsch ist. Ich möchte übrigens wissen, welchem Manne, der im öffentlichen Leben steht, nicht derartige scheinbare Widersprüche nachgewiesen werden können! Was die Asfaire Veyschlag betrifft, so wiffen wir, daß die Auffassung Beyschlags ein Jrrthum war. Ein Missionar hat daS «Berliner Tageblatt" bei einem Abonnenten durch den «Reichsboten" ersetzt, aber nicht im Austrage Stöckers. Auch in Betreff der Fälle Löschmann und Aschenbrenner ist Herrn Stöcker keine Unwahrheit nachzuweifen, ebensowenig hinsichtlich der Uebergabe deS Todtfchen Buches an Grüneberg. Und was die Gründerliste betrifft, so vergegenwärtige man sich, daß Herr Stöcker viel weniger gegen das Judenthum als solches, als gegen den Mammonismus aufgetreten ist. Ich gehe nun zu dem Borwurf über, daß Stöcker wider besseres Wissen Herrn Horwitz als eine» Juden bezeichnet haben soll. DaS war ein Jrrthum, der sehr begreiflich ift und den Jeder verzeihlich finden wird, der in den östlichen Provinzen zu Hause ist. Ich muß wenigstens gestehen, daß man nach meiner Erfahrung in Bresla», jedesmal wenn

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