Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1885)
- Date
- 1885-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449548--22360-2511978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
795 mire, unrichtig', wir leben heute vielmehr besser. Der Dccan der juridische» Facultät, Hofrath Professor Emil Wahlberg, wünschte hierauf dem Kandidaten zu seiner künftigen Laufbahn Glück, wobei er einige beachtenswerthe politische Bemerkungen cinflocht. Er sagte: Es sei als ein Glück zu betrachten, in einem großen Staate durch den Cnltus der Rcchtsidee an der Aufrechtcrhaltung des Rechtsbcwußtseins mitzuwirken, denn nur so werde das einheitliche Recht gegen varticularistische Bestrebungen geschützt; das sei die Lebensaufgabe der Martini, Haan und Zeiller gewesen, welche Rechtscinheit und Rechtsgleichheit auf ihr Panier geschrieben hatten.. Solche Männer möge sich der Candidat zum Vorbilde nehmen. Nun nahm der Prorector, Hofrath Professor Joseph Zhis mann, Herrn Herzfcld den Doctorseid ab, worauf der Vice-Präsident der niederöstcrreichischen Statthalterei, Hofrath Ritter v. Kntschera, dem jungen Doctor im Namen des Kaisers den mit dem kaiserlichen Namenszuge geschmückten Brillantring überreichte. Ter Feierlichkeit wohnte ein zahlreiches, größtentheils akademisches Publicum bei. Wien. Bei den jüngst stattgchabteu Abgeordnetenwahlen für den Neichsrath wurden sieben Abgeordnete jüdischer Eonfession gewählt. Eine gleiche Anzahl jüdischer Abgeordneten sitzt im ungarischen Abgeordnetenhaus. Antisemitische Abgeordnete zählt der österr. Reichsrath vier. Krakan, n. Juni. In Tornow macht eben ein merkwürdiger Gerichtsfall großes Aufsehen, weil derselbe in seinem ganzen Verlaufe an den mysteriösen, demnächst hier zur dritten Schlußverhandlung gelangenden Proccß Ritter erinnert und geeignet ist, die Jury bei Abgabe ihres Vcrdicts zur äußersten Vorsicht zu veranlassen. Im vorliegenden Falle gaben die Geschworncn ein Verdict auf schuldig ab, woraus der Präsident ein Todesnrtheil aussprach. Seine Vollstreckung wäre ein Justizmord gewesen, der durch die Gnade des Kaisers glücklicherweise verhütet wurde. Der Sachverhalt ist in Kürze folgender: Im Dorfe Radgoszcz (bei Tarnow) verschwand im vorigen Jahre das Bauernmädchen Katharina Sroczanka, Stieftochter des Landmannes Jan Gawenda. Da im Dorfe das Gerächt verbreitet war, daß sie von dem eben genannten Stiefvater ermordet worden sei, und nachdem so manche Umstände aus den Lebensvcrhältniffen Beider dieses Gerücht zu bestätigen schienen, sah sich der Gendarm Prus veranlaßt, den Jan Gawenda zu arretiren. Letzterer hat auch — gleich dem im Processe Ritter Mitangeklagten M. Stochlinski — vor dem erwähnten Gendarm eingestanden, daß. er (Gawenda) mit Hilfe des Bauers Franciszek Gallus die Katharina Sroczanka ermordet habe. In der hierauf cingcleitcten strafgerichtlicheu Untersuchung hat jedoch Gawenda — ebenfalls wie Stochlinski vor den Gerichten in Rzeszow und Krakau — das vor dem Gendarm Prus gemachte Geständnis; vollständig revocirt. Während der diesbezüglich im vorigen Jahre vor dem Tarnower Schwurgerichte durchgcführten Hauptvcrhnndlung hat Jan Gawenda, angesichts der Wucht der anscheinend die Anklage begründenden Momente, ein beharrliches Schweigen beobachtet, so daß er fast auf keine Frage antworten wollte. Die Jury hat auch in Folge dessen die beide Angeklagte betreffenden Hauptfragen bejaht, und auf Grund dieses Verdictcs wurde seitens des Tarnower Gerichtshofes Jan Gawenda zum Tode durch den Strang und Franciszek Gallus zu zehn Jahren schweren Kerkers vernrtheilt. Jan Gawenda verfiel dann in eine solche Apathie, daß er das Urthcil ganz gleichgiltig aufzunehmen schien. Das Todcsurthcil wurde jedoch in lebenslängliche Kcrkerstrafe umgcwandclt. Seitdem war dieser Proceß in Vergessenheit gcrathen, und die zwei Verurtheilten wurden noch vor mehreren Monaten nach dem Strafhause in Wisznica bei Bochnia abgeführt. Vor einigen Tagen entdeckte man plötzlich, daß die angeblich ermordete Katharina Sroczanka in dem Dorfe Szarwark sich anfhält. Dieselbe ist im vorigen Jahre ans ihrem elterlichen Hause weggclaufcn und hat sich in letztgenanntem Dorfe versteckt. Bezeichnend für die Boshaftigkeit und Rohheit dieser Vauerudirue ist der Umstand, daß sic selbst dann, als sic die Kunde von dem gegen ihren Stiefvater gefällten Todesnrtheile erhielt, gleichwohl kein Lebenszeichen von sich geben wollte, um denselben vom Tode zu retten. Das Tarnower Strafgericht hat unverzüglich veranlaßt, daß die Katharina Stroczanka nach Tarnow gebracht und eine neue llntersnchung, respective eine Wiederaufnahme dieses interessanten Protestes angeordnet werde. Rumänien. Jassy, N. Juni. Me „Bnkarester Zeitung" berichtet: Ein in der Eommunc Dragasani ansässiger Israelit erhielt von den; Primär die Weisung, sein Domizil unverzüglich zu verlassen. Der. Gemaßregclte, welcher jedoch nicht im Stande war, Hab und Gut, das auch thcilweise in einer Viehhcerde bestand, sofort zu veräußern, sandte vorerst seine Frau und Kinder nach Savcui und blieb noch in; Orte zurück, um seine VcrmögcuSvcrhältnisft zu m