Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-06-18 · Heft 48 (18.6.1885) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 48 (18.6.1885)
Date
1885-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449548--22359-2511977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

794 niflfl sich diese? inkorrekten Verfahrens vielleicht nicht bewußt gewesen sein, aber der Fall ist doch nicht ohne Bedeutung. Ungeachtet der Widersprüche, in welche sich der Zeuge Stöcker bei dieser ganzen Gruppe mit den rhatsachlichen Ermittelungen gesetzt hat, hat der Gerichtshof die Möglichkeit eines Jrrthnms seinerseits doch nicht ausgeschlossen, zumal ihm eine große persönliche Erregtheit innewohnt, was sein vielfach inkorrektes Auftreten vor Gericht bewiesen. Ans der einen Seite ist der Gerichtshof nicht in der Lage gewesen, es dem Angeklagten zu verargen, wenn er ans dem ganzen Auftreten des Zeugen Stöcker, aus allen diesen Behauptungen, Widersprüchen, Erklärungen und Zurücknahmen den Schluß zog, daß sich der Hofprediger Stöcker bewußt mit der Wahrheit in Widerspruch gesetzt hat. Mildernd komme dem Angeklagten ein ilmstand zu gute. Ter müßte seinen und seiner Väter Glauben schlecht ehren, der nicht schließlich aufgercizt und innerlich empört würde, wenn er solche Angriffe auf seinen Glauben sieht, namentlich wenn sie von einem Geistlichen ausgehcn. Der Gerichtshof ist sehr gewillt, einem Verkünder des göttlichen Wortes der Liebe und Versöhnung einen besonderen Schutz des Gesetzes znznbilligen, vorausgesetzt, daß sich der Geistliche auch von politischer Agitation fern hälr. Wer sich in den Strudel politischer Agitation stürzt, darf es nicht übel nehmen, wenn er von dem Gischt bespritzt wird." Der Präsident erklärte, daß der Gerichtshof ihn autorisirt habe, zu erklären, daß die Art und Weise, wie der Zeuge Stöcker Behauptungen aufstcttt und nachher widerruft, eine mindestens leichfertige ist und daß sein Auftreten vor Gericht zu tadeln ist. Nach ernsten Erwägungen hat sich der Gerichtshof dahin entschlossen, daß er trotz aller Milderungsgründe dem Angeklagten eine Geldstrafe doch nicht anferlcgen könne, daß er aber die Gefängnißstrafe doch ans 3 Wochen normireu solle. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Herr Dr. Fiebermann dahier, welcher eine Biographie des Sir Moses Montcfiore aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, erhielt von Montcfiore ein eigenhändiges Dankschreiben für diese Arbeit, sowie für die Glückwünsche zu seinem (M.'s) letzten Geburtstage. Gera, 14. Juni. Zn der vorgestrigen Sitzung des hiesigen Landtags kam u. A. auch die Heranziehung der Saline Heinrichshall bei Kösteritz zur Grubenfeldsteuer zur Berathung. Der Referent der Kommission, Abg. Dr. Hagen (Landgerichtsdirektor in Gera), empfahl die Herbeiziehung der jetzt im Besitz einer Aktiengesellschaft befindlichen Saline zu dieser Steuer, indem er dabei äußerte, daß Gründe einer etwaigen Pietät nicht dagegen sprechen, da die Saline nicht mehr im Besitz der Familie ihres Gründers Glenk, sondern in den einer Aktiengesellschaft, aus „Juden und Judengcnossen" bestehend, übergegangen sei. Aus Lothringen. Einen unersetzlichen Verlust hat' die isr. Gemeinde Dicmcringcn erlitten. Am p"tp my jro hat der unerbittliche Tod plötzlich aus segensreichem Wirken ihren langjährigen Lehrer und Vorsänger Herrn Leopold Bloch hinweggerafft. Seit 36 Jahren war der Verstorbene in hiesiger Gemeinde thärig, eine ganze Generation hat er herangebildet, die Zeugnis; gibt von seiner Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit als Lehrer. Tiefe Trauer lagert über dem Orte wegen des schnellen Hinscheidens dieses frommen und gottesfürchtigen Mannes. Die vollste Anerkennung sowohl seiner Vorgesetzten, als seiner Mitbürger, Freunde und Kollegen bleibt ihm ewig sicher. (n"n"3"j"n). W. O e st e r r. - U n g a r. Monorchie. Wien. Vor Kurzen; fand im akademischen Senatssaale der Wiener Universität eine Promotion 8ub auspiciis imperatoris, und zwar des Herrn Arthur Ferdinand Hcrzfeld, zum Doctor beider Rechte statt. Nachdem der Rector der Universität, Profeffor Hermann Zschokke, auf die Bedeutung des feierlichen Actes, welcher nun schon zum drittenmale in dem neuen Universitäts-Gebäude begangen wurde, hingewiesen hatte, ergriff der Kandidat das Wort, um in üblicher Weise eine Dissertation zu halten. In einem halbstündigen Vorträge „über die Vervollkommnung der Transportmittel und deren Einstuß auf das menschliche Leben" legte Herr Herzfeld, welcher derzeit Beamter im Commerzial-Bureau der Nordbahn ist, dar, daß die Transportmittel unserer Zeit das charakteristische Gepräge verleihen und daß ohne dieselben der jetzige Zustand unseres materiellen wie geistigen Lebens unmöglich wäre. Dabei sei der Vorwurf, welcher namentlich im Hinblick aus die Eisenbahnen den neueren Erfindungen gemacht werde, daß man durch sie schneller lebe und darum die Lebenskraft rascher confnt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.