Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1885)
- Date
- 1885-06-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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780 doch die Synagoge stets eines starken Besuchs; am rat? v"' ,twjn, u. s. w. ist' kein Platz frei und auch an Wochentagen, wo zweimal täglich Gottesdienst ist, ist der Besuch ein recht erfreulicher. Das gemiethete Lokal ist auch bereits zu klein, und man geht in den Kreisen der Gemeinde damit um, für nächstes Jahr ein größeres zu erwerben. Die Ausgaben der Gemeinde sind auf die Miethe und Licht beschränkt, da das Vorbeten und m-nn 'y von kundigen Mitgliedern unentgeltlich versehen wird, wobei ich. bemerke, daß cs wohl wenig professionelle c'jti gibt, die so meisterhaft „leinen" verstehen, wie Herr Leszinski, der auch in der größten Gemeinde mit Ehren als x-npi>jn fungiren könnte. Dreimal wöchentlich versammeln sich Abends die Mitglieder um einen ps ’jtw: gemeinschaftl. zu lernen, während rat? zwischen nruo und myo ein Kapitel »bh vorgelernt wird. Von Zeit zu Zeit hält auch ein Mitglied, Herr Herzbcrg einen Vortrag, worin er in sachkundiger Weise neben der Besprechung der Wichtigkeit der verschiedenen Rcligionsgesctze auch Stellen aus dem Talnmd in klarer Weise avseiuandersetzt. Herr Privat. Herzberg ist auch ein Mann, lvie man in Amerika wohl wenige finden wird. In jungen Jahren hierhergekommen, hat er während seines ganzen Hierseins nicht nur strikt in Gottes Wegen gelebt, er hat sich auch hier durch eisernen Fleiß unter Hülse des auch in weiteren Kreisen bekannt gewesenen ba“', Dn-ax in Baltimore so emporgearbeit, daß er in und vw recht gut Bescheid weiß. Möchten noch recht viele solcher Männer in N. H. sein, und gar Manches würde besser. Was besonders bei der Gemeinde n"x hervorzuheben ist, daß man hier eine ganze Anzahl relig. junger Männer findet, was umsomehr zu der Hoffnung einer recht gedeihlichen Entwicklung beiträgt. Eines soll jedoch hier betont werden; der Mangel einer ryn im obern Theil der Stadt N. U. ist sehr beklagenswert!) und sind Reflektanten gcnölhigt, sich derjenigen im polnischen Viertel von down town zu bedienen. Sollte die Gemeinde n"x dieser wichtigen Angelegenheit nicht gerecht werden können? Die Wichtigkeit einer derartigen Institution bedarf kaum einer Erwähnung. — Vergangene Woche traf auch der Nachfolger des Dr. Hübsch in der Neformgemeinde „Ahawath Ehesed", Dr. Kohut ein. Dr. Kohut, der zwar ein Neformrabbiner ist, hat jedoch noch viel zu thun, um sich zu der Höhe eines Dr. Gottheil, Wise n. s. w. emporzuschwingen. Seine Antrittsrede war ziemlich conservativ — allein wer erinnert sich nicht des Eintritts von Dr. Hübsch in dies Land? Damals pflegte H. täglich n"-i und ’in Tephillin zu legen und wie weit brachte er es in den letzten Jahren? Doch lassen wir die Todten ruhen. Dr. K. sagte in seiner Antrittsrede, er wolle in Frieden der Gemeinde vorzustehen suchen und dieselbe zu einer Stätte wahren Judenthums machen. Das Zusammen-' sitzen von Herren und Frauen billigt er nicht, doch er kann es nicht ändern; was er zu der Abschaffung des 2. v"' sagt, wird man nächster Tage hören. Jedenfalls ist Kohut im Vergleich zu dem größten Theil seiner hies. Collegen bis jetzt ein „Zadik" und wenn er auch in breslauer Ideen steckt, so kann er doch in mancher Beziehung Gutes leisten. Warten wir. jetzt die Entwicklung ab. Ich möchte diesen ersten Brief nicht schließen, ohne eine kleine Eharakteristik zu geben, wie ein großer Theil des Publikums Hierselbst sich die Aufgabe seiner — Führer vorstellt. Ein Freund von mir sprach jüngst mit einem Mitglied einer Tempelgemeinde über die Jnconsequenz des „Seelsorgers" des betreffenden Tempels, deffen Reden mit seinen Thaten so oft im Gegensatz stehen. „Ja, das ist ganz klar", erwiederte das getreue Schaf des Tempels. „Der Herr Doktor ist von uns engagirt und bezahlt das Wort Gottes zu lehren und zu predigen; ob er es halten will, das ist seine Sache, daS geht uns nichts an". — Recht nett, fürwahr! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 14. Juni. Der Vorstand des Vereins „zur Beschränkung des Wanderbettels" in F r a n k f u r t a. M. hat die Absicht, eine Versammlung aller ähnlicher Vereine oder Verwaltungen ähnlicher Tendenz zu einer gemeinsamen Besprechung nach Frankfurt a. M. cinznladen und fordert dcßhalb dieselben auf, schon jetzt dieserhalb mit ihm in Verbindung zu treten. Das anzustrebende gem einsame Wirken derartiger Vereine ist nach jeder Seite hin ein wahrhaft ersprießliches, sowohl in sittlicher Beziehung als auch im Interesse der verschämten und wirklich bedürftigen Armen. Wir wünschen diesen Bestrebungen den besten Erfolg. Frankfurt a. M. Mancher, der die halsbrecherischen Ucbungen bewundert, die Blondin gegenwärtig hier zum Besten gibt, mag vielleicht nicht daran denken, daß diese Kunststückchen schon eine lange Geschichte hinter sich haben, die bis in's Alterthum hinaufreicht, und daß schon in grauer Vorzeit die Besteigung des Thnrmseils ausgeführt wurde. In der Kaiserzeit waren dergleichen Schaustellungen zu Rom sehr beliebt und später war eS im Beginn