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Der Israelit · 1885-06-15 · Heft 47 (15.6.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 47 (15.6.1885)
Date
1885-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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676 um die Religion Israels in ihr zu erhalten; - ein Ersatz dafür durch einen methotischpädagogischen, deutschen und verständlichen Religionsunterricht von dem polnischen Lehrer nicht geschaffen werden kann, so bleibt leider unserer heutigen Jugend mpi mp, an allein religiösen Wissen baar, nackt und bloß in jeder Beziehung. Nur so ist cs denkbar und erklärlich, daß man Hunderte jüd. Kinder trifft, welche nicht einmal die 10 Gebote kennen, weder hebr., noch deutsch, und daß man Fälle erlebt, wie folgende: daß ein jüd. Gymnasiast durch den Besuch einer katholischen Kirche, von dem mystischen Zauber, der ihm dort plötzlich entgegentrat, verlockt, sich heimlich, ohne Wissen und Willen, der Eltern, taufen ließ oder lassen wollte — und ein anderer bei seinem Abiturientencxamen in allen Stücken glänzend bestand, aber dennoch durchficl, weil er nicht wußte, wie die Patriarchen hießen! — Eine Statistik über die jüd. Gemeinde-, Eultus-, Schul- und Beamtcnverhältniffe hcrzustcllen, wäre gewiß sehr nothwendig und nützlich, doch müßte sie, um keine Trugschlüsse, keine halben und einseitigen Resultate zu ergeben, eine sehr ausgedehnte und umfassende sein. Sie müßte nicht bloß, wie Eorrespondcnt will, feststetten, wie viel ausl. Beamten in deutschen Gemeinden fungircn, sondern auch, wie viel deutsche in und außer Stellung vorhanden, wie sie sich nach Nationalität und Lokalität vcrthcilen, welche Art von Aemtern sic führen, nach welchem Modus sie angcstcllt und abgesctzt werden, ob definitiv, provisorisch, interimistisch, kündbar auf lange oder kurze Zeit, mit oder ohne höhere Genehmigung 2C.; ferner, wie es mit den Schulen, dem Schulbesuch, der Einrichtung derselben, den Gegenständen, dem Maß und Ziel derselben u. s. w. steht; ebenso mit dem Gottesdienst re. k. — Will man mit Aufhebung jener ausweisenden Verfügung petitionircu, so werden wir gerne unsere Hand dazu bieten, wenn zugleich auch darum petitionirt wird, daß die einmal gewählten, geprobten und angcstellten Beamten, gleich den Gemeindebamten anderer Confcssioncn, unter gesetzlichen, staatlichen Schutz genommen, fest angcstcllt, pensionsberechtigt und gegen Willkür, Vergewaltigung und eigenmächtige Absetzung geschützt werden. So lange' dies nicht geschieht, können wir jene Verfügung nicht anders als eine sehr bedauerliche zwar, aber durch Schuld der Gemeinden leider nothwendig gewordene Maßregel betrachten, mit der weiteren Verdrängung der einheimischen Beamten endlich zu steuern und das überwuchernde ausl. Element in andere Bahnen zu lenken, vor allem aber, um der Zukunft unseres heiligen Glaubens willen, da wir je länger, je mehr. die dringende Nothweudigteit einsehen, daß das Gebot, einen geregelten, systematischen, Zeit und Mittel weise ausnntzenden und bleibende Früchte tragenden Religionsunterricht überall in Deutschland einzuführen — zum höchstem Gebote der Religion, -zn dem der Erhaltung ihrer selbst — erhoben werden Ocsterr. - Unga r. Monarchie. Wie», 4. Juni. Am Sonntag fand eine vom Fachvercine der Wiener Hutmacher einberufcne und von ungefähr 1500 Person n besuchte Arbeiterversammlung statt, in welcher Dr. Elbogcn, derselbe Mann, der den berüchtigten Justus-Brimanus entlarvt hat, einen Vortrag über „die Grundgesetze der Wirtschaft" hielt und zum Schluffe bcOelbctt die Stellung kennzeichnete, welche die Arbeiter der antisemitischen Bewegung gegenüber einznnehmcn haben. Nach beendigtem Vortrage beantragte Ausschußmitglicd Ullmaun die Annahme des folgenden Beschlusses: „Die heutige, freie Versammlung des Vereins der Hntmachergehilfen spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen die Wühlereien der Antisemiten ans." Dieser Beschluß wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Wien. Fünfhundert antisemitische Flugschriften, welche au die Adreffe des Zeitungsvcrkäufers Bubcnik in Troppau angclangt sind, wurden vom dortigen Staatsanwalt confiscirt und gegen Bubenik die strafgerichtliche Untersuchung wegen Aufreizung gegen eine anerkannte Religionsgcnoffenschaft cingeleitet. - Pesth. Der Antisemitcnklub wurde, wie wir bereits gemeldet, aufgelöst. Ein Thcil der antisemitischen Deputirtcn beabsichtigt der „gemäßigten Partei" und die übrigen der „äußersten Linken" sich anznschließen. Der Führer der letzteren Partei, Abgeordneter Jrauy, äußerte sich hierüber wie folgt: In unserer Partei wurde über diese Angelegenheit noch nicht gesprochen: aber soviel kann ich doch mit Bestimmtheit anssprcchen, daß diese zersprengten Antisentiten nur unter der Bedingung in unserer Partei Aufnahme finden würden, wenn sie vor Allem unser Programm voll und ganz acceptiren. Ta nun dieses Programm die vollständige Gleichheit aller Eonfessionen und Nationalitäten enthält, müßten die guten Leute ihren Antisemitismus erst von sich werfen, wenn sie in unsere Partei cintretcn wollen. Ein Antisemit kann als solcher nientals unser Mitglied werden.

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