Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1885)
- Date
- 1885-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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754 Präsidenten cingetroffen, andern Leuten ist der Aufenthalt auf ilubcstimmtc Zeit gestattet. Dazu crfnhrc ich, daß inan allerdings an der Ecntralinstanz cingcsehcn hat, daß die Ausweisungen in vielen Hallen rigoros vorgenonimcn worden sind, namentlich soweit cs sich um solche russische Unterthanen handelt, die bereits ein Menschenalter in Deutschland wohnen und deren erwachsene Kinder in Deutschland geboren sind. ES sind, um die Verhältnisse zu studircn, Kommissare deS Ministers des Innern nach den Grcnzprovinzcn gesandt worden, auch finden, wie ich höre, diplomatische Verhandlungen nnt Rußland statt wegen der Ausnahme derjenigen Personen in Rußland, die das russische Indigenat verloren haben, ans Deutschland aber ausgewiesen werden, weil sic das deutsche Indigenat nicht erworben haben. Oest crr. - U ng a r. Monarchie. RW. Ans Böhmen. Dr. Zucker, Professor des Strafrechtes an der czcchischen Universität in Prag und deren Dccan, hielt in Ehotcbor einem, in jenem Wahlbezirke gelegenen Städtchen, für welchen er als Reichsraths-Kandidat vorgeschlagen wurde, seine Kandidattnrede, und sagte unter Anderem ohngesähr: „Trobdein ich von den Vertrauensmännern der czcchischen Nation einstimmig als Kandidat und mit der ausgesprochenen Absicht vorgeschlagcn wurde, an der Ausarbeitung des neuen Strafgesetzbuches theilzunchmen, hätte ich doch mit herzlichem Danke diese große Ehre abgelehnt, wenn ich mich nicht verpflichtet fühlte ans Dankbarkeit für die ezcchische Nation diese Stelle anznnehmcn. Ich bin nämlich, wie Ihnen bekannt ist, Jude, und fühle die lebhafteste Dankbarkeit für die ezcchische Nation, welche mit aller Kraft und edler Festigkeit der ekelhaftesten aller grassircnden Zeitkrankheiten,dem Antisemitismus, in ihre Kreise einzutreten verwehrt hat." Diese Erklärung wurde mit freudigem Jubel aufgenommen, und Dr. Zucker wurde mit allen Stimmen als Kandidat aufgestellt. Tisza-b'ßlar. Seit einigen Tagen wird in Tisza-Eßlar und Umgebung herzlich gelacht, so berichtet die „Pesther Jüd. Ztg." Der Streich war aber auch kein alltäglicher, den der Händler Samuel Lustig, eines der Opfer des Nyiregyhäzaer Schandprozesses, dcln Hauptmacher desselben, Geza Onody gespielt hat. Dieser unglückliche Lustig hat sich nach seiner Rückkehr in seine Heimathsgemeindc nach fünzehnuwnatlicher Haft nur schwer wieder in seine alte Lebensweise hineinleben können. Gar so freundlich kamen ihm die Bauern des Ortes und der Umgebung auch nicht entgegen, ja er war gar oft von Seiten der aufgestachelten Landlcute allen möglichen Sccaturen ansgesetzt. Er wollte den Ort verlassen, nach Amerika gehen, hiezu mangelte es ihm aber an Spesen, denn die gewisse Kanzlei, die ihm und seinem Leidensgenessen Abraham Braun in ihrem diesbezüglichen Vorhaben behilflich zu sein versprach, kann sich trotz wiederholter Briefe und Bittgesuche der Unglücklichen ihres Versprechens nicht mehr erinnern, Lustig mußte also, ob gut oder schlecht, in Tisza- Eßlar bleiben. Und der Bcdauernswerthe hätte sich auch schon mit seinem Schicksal abgefunden, wenn nicht ein neuer, unerwarteter Schlag all sein Bemühen, sich in Tisza-Eßlar fortznbnngen, vereitelt hätte. Zum größten Unglücke Samuel Lustig's ist nämlich in das Geschäft Geza Onody's, das er hier mit einem antisemitischen Blatte unternommen hatte, schon nach wenigen Wochen ein furchtbarer Krach eingctrcten. Da» Geld zu dem Unternehmen hat zwar der halbverrückte antisemitische Indenfreund, Graf Paul Festetiks jun. hergegeben, Geza Onody, dieser Krämer der Antisemiten hatte aber kühne Hoffnungen an dieses Geschäft geknüpft und diese sind ebenso zu Wasser geworden, wie die Hoffnungen, die er in das bekannte Unternehmen von Tisza- Eßlar gesetzt hat. lMit dem Bilde der Esther Solymossy hat zwar Onody in Deutschland ein gut Stück Geld verdient, aber selbst das scheint sich nicht rentirt zu haben, den das Bild ist bei einem hiesigen jüdischen Trödler auf 20 fl. — versetzt.) Der Krach des „Magyar Lap" hat aber Onody auch noch andere Unannehmlichkeiten gebracht. Die antisemitischen Führer hatten nämlich während dieses Unternehmens den teuflischen Charakter Onody's erkannt, fünf sind ans dem antisemitischen Club, dessen Präsident er ist, anSgeschiedcn, sechs, die zurückgeblieben sind, hatten gleich vom Anfang einen anderen Präsidenten, den Baron Andreansky, und drei waren gar nicht Mitglieder des. Elubs. Onody fand es also für gut, vorderhand die Hauptstadt zu verlassen und in Tisza-Eßlar sich nach einem neuen Geschäft nmzusehen, und das ist ihm denn auch gelungen. Im Frühling pflegt sich nämlich Samuel Lustig damit zu beschäftigen, daß er bei den Bauern die jungen Kälber zusammenkauft, diese dann den Tokajer oder Nyiregyhäzaer Metzgern abliefcrt. Am Tage der Ankunft Onody's geschah es nun, daß Lustig, als er im Stalle eines Bauern den Kauf eines Kalbes abgeschlossen hatte, eine Stimme hinter sich hörte, die dem Bauer znrief: „Was macht denn dieser Jude da?" — >Das Kalb