Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1885)
- Date
- 1885-06-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gamliel noch einige Worte hinzu, um uns zu sagen, daß cs ein Mittel gibt, auf die Gewalthaber zu wirken, ihre Absichten und Pläne uns günstig zu gestalten und zu verhindern, das; böse Anschläge zur Ausführung gelangen. Denn die Herzen der Fürsten sind in der Hand des allmächtigen Gottes, der nach Seinem Ermessen sie lenkt und leitet. Willst Du also zum Besten Deines Volkes eintreten, so baue nicht auf die Gunst der Großen und Mächtigen: denn darauf ist kein Verlaß. Suche vielmehr die Gnade des allmächtigen Königs der Könige dir zu sichern, indem du darnach strebst, nur das zu thlin, was Sein Gesetz, in welchem Er uns Seinen heiligen Witten offenbart hat, vorschreibt. Vollziehe den Willen Gottes mir derselben Eilfertigkeit und Freude, wie wenn es sich darum handelte, deine eigenen Lieblingswünsche anszuführen. Dann wird der Heilige, gelobt sei Er, dir mit demselben Maße messen, deinen Willen zur Ausführung bringen, die Wünsche deines Herzens erfüllen und am Tage der Roth Seine allmächtige Hilfe dir nicht fehlen lassen, wie es heißt (Ps. 135. V. 5). „Alles, was der Ewige will, vollbringt Er, im Himmel und auf Erden, in den Meeren und tiefsten Tiefen." In Bezug hierauf lehrt Nabbon Gamliel: Thue Seinen Willen wie deinen Willen, damit Er thue deinen Willen, wie Seiner! Willen, sticht auf Fürsten vertraue, ihren Willen zu thun, damit sie euch zu Willen seien, denn da würde euer Vertrauen bald getäuscht werden. Nur auf Gott vertraue zu jeder Zeit und thue freudig und gern Seinen Willen, wie er es dir befohlen hat in Seiner Lehre, wie es heißt (Mischte E. 2. V. 4.): Suche GotteS Witten, wie nach Geld du strebst und wie um große Schätze du dich mühst. - - Wisset, wenn eine Zeit der Noth eintritt, daß eure Sünden die Gefahr herbeigeführt haben, wie Gott es in Seiner Thora vielfach ausgesprochen, und wie es sich ereignet hat in den Tagen des bösen Haman und so oft, so oft in der langen Leidensgeschichte Israels, da gibt es nur ein Mittel, die Gefahr abzuwenden 'jso *pin wsi, den Eigenwillen zu brechen, die bösen Neigungen und Triebe zu unterdrücken und in Nene und Buße zurückzukehre» zum Urquell unseres Lebens und unseres Heils, wie es im Gebete des weisen Königs heißt (l. B. d. K. E. 8. V. 46 u. s.) Wenn sie gegen Dich sündigen werden und in Noth gerathen; im Elende aber werden sie ihre Sünde bereuen und bekennen und werden zu Dir zurückkehre» mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele, dann wirst Du verzeihen Deinem Volke und sie Erbarmen finden lassenbei ihre» Unterdrückern und sie werden sich ihrer erbarmen. — Daher lehrt Nabbon Gamliel: Zerstöre deinen Willen, das heißt, deine bösen Triebe und Neigungen, vor Seinem Willen, damit Gott zerstöre den Willen deiner Feinde und Dränger. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrdenze«. Deutschland. Würzburg, im Juni. Ich habe Ihnen heute von einem jedenfalls interessanten, wenn auch nicht gerade erfreulichen Falle zu berichten. In dem nur einige Stunden von hier entferuteu Dorfe Unterblcichfcld wurde vor circa 4 Wochen in einem dortigen Wirthshause ein junger Mensch von 23 Jahren erhängt gefunden. Die Gerichts-Eommission constatirte einen Selbstmord und die weiteren Recherchen ergaben, daß es der Jsraelite Michael Blazek aus Castro» in Böhmen gewesen und derselbe ungefähr ein halbes Jahr im jüdischen Krankenhause zu Fürth als Wärter bedienstet war. Nach Aufnahme des Thatbestandes wurde die Leiche auf dem Kirchhofe zu Unterbleichfeld abgesondert, bestattet. In den nächsten Tagen erfuhren einige in dem Orte geschäftlich verkehrenden Juden aus Rimpar den Fall und machten von demselben dem hiesigen Rabbinate Anzeige. Herr Rabbiner Vamberger that sofort die geeigneten Schritte bei der zuständigen kgl. Behörde, um die Ausgrabung der Leiche und ihre Verbringung auf einen jüdischen Friedhof zu erwirken, was bei der loyalen Gesinnung dieserseits auch keine große Schwierigkeiten hatte. Nachdem die behördliche Erlaubuiß bezw. Anordnung hiezu erfolgt, wendete sich Herr Rabbiner Bamberger wegen der Aufnahme au die Verwaltungen der nächsten jüdischen Friedhöfe. Während die eine den Antrag entschieden zurückwies, fand er bei der hiesige» Verwaltung unter der Bedingung Annahme, daß der Herr Rabbiner die Ausgrabungs- und Transportkosten übernehme, und so wurde die Leiche am 3. d. auf dem hiesigen Friedhofe begraben. Mögen sich sülche Fülle nicht oft wiederholen; immerhin zeigt der vorliegende, wie man bei den k. b. Behörden religiösen Ansprüchen gerecht wird, und daß ein nach dieser Seite hin gerichtetes Streben den erwünschten Erfolg hat. Vom Jiheiu. In diesen Blättern wurde schon vor einigen Jahren auf einen Jrrthum aufmerksam gemacht, der hier in Rheinhessen vielfach die mso mit einer großen rrvzy verbindet. ES ist näiulich ans dem Lande die allgemein verbreitete An-