Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1885)
- Date
- 1885-06-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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744 über jene traurigen Zustände bis zu den Stufen des rumänigen Königsthrones emporgedrungen? So viel oder wenig mau sich auch von einer solchen Intervention versprechen mag, sie.'wäre jedenfalls ein verdienstliches Werk, das aber ohne Zaudern vor sich gehen müßte, da über die Dauer des Aufenthalts S. Majcst. nichts Bestimmtes verlautet. Berlin. Der Kultusminister hat angeordnet, daß Erhebungen darüber angestellt werden, in welchem Maße in den öffentlichen Schulen für die religiösen, resp. konfessionellen Minoritäten der Religionsunterricht erlheilt wird oder auch in Zukunft wird erthcilt werden können. Zu diesem Zweck ist, nach der „Germania", den Lehrern an den ernklaffigen Schulen und den Hauptlchrern und Rektoren an den mehrklassigen aufgegeben worden, daß dieselben sofort die an sie in dieser Beziehung geftellteu Anfragen beantworten. Nächst der Bezeichnung des Ortes, wo sich die betreffende Schule befindet, soll der konfessionelle Charakter derselben, die Zahl der Lehrer und ihre Confession, die Zahl der Schulkinder und ihre Confession angegeben, sowie Auskunft ertheilt werden, in welcher Weise für den Religionsunterricht der Minoritäten gesorgt ist; in letzterer Beziehung soll angegeben werden, ob der Unterricht von Lehrern der Schule selber oder von anderen Personen, und in wie viel Stunden wöchentlich ertheilt wird, sowie, ob Kinder verschiedener Classeu oder Schulen eines Ortes oder mehrerer Ortschaften in einer Abtheilung vereint werden. Ferner soll darauf geachtet werden, ob in einer coufessionellen Schule die Kinder, welche nicht der Confession der Schule angehören, nicht vielleicht die Majorität bilden. Schließlich soll gesagt werden, welche Remuneration für die besondere Ertheilung des Religionsunterrichts bezahlt und aus welchen Fonds dieselben entnommen werden. Frankfurt a. M. 2. Juni. Unter ungewöhnlicher Bethciligung von Leidtragendelt wurde heute früh Herr Arthur May zur letzten Ruhestätte geleitet. Dein Sarge voran gingen Klassen aus der Arnsburger- und der Aunaschule. Unter dem Leichengefolge befanden sich u. A. die Herrell Polizeipräsident von Madai aus Berlin (der eigens zu dem Begräblliß hier eiugetroffen war), Polizeipräsident von Hergenhahn, Oberbürgernleister Dr. Miguel, die Stadträthe Dr. Matti und Strauß, Stadtverordnete, Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses der Israelitischen Gemeinde, und der vielen gelneinnützigen und geschäftlichen Vereinsvorstände, denen der Verstorbene angehörte. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Horowitz. Cr schilderte die vorzüglichen Herzenseigenschaften des Entschlafenen, seine opferbereite Hand für öffentliche und religiöse Zwecke und die Pietät gegen seine Eltern, die er durch zahreiche Stiftungen geehrt. Herr Stadtverordneter Rosenthal widmete Namens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde seinem Heimgegangenen Präsidenten einen Nachruf. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Plaut, indem er mit Trostesworten für die Hinterbliebenen schloß. Herr Oberbürgermeister Dr. Miguel feierte den edlen Bürger, den das Gellleinwesen schmerzlich vermissen werde; heimlich und still habe er seine reichen Spenden den Armen zukonnnen lassen. Noch einen Tag vor seinem Tod habe der Verstorbene zu ihm seine Frende. ausgedrückt über die Theiluame, die ihm von alle» Seiten knndgegeben werde, und gesagt: Das fei der schönste Lohn seiner Thatcn, aber unverdient, weil sein Herz ihn dazu bewogen. Ueber das Grab hinaus werde ihm die Liebe der Menschen, werden die Früchte seiner Thaten folgen. Namens des Vereins für das historische Museum legte Herr Otto Donner-von Richter als Zeichen unverlöschlicher Dankbarkeit einen Kranz auf den Sarg. May hat in seinen! Haus der Knust eine Stätte bereitet, wie in keinem Haus irr Frankfurt, und auch der wiffenschaftlichell Richtung, die derVerein verfolge, seine Unterstützung gewährt. Ihm seien die schönsten Bereicherungen des Museullls, namentlich die Funde aus Heddernheim, zu verdanken. Herr Rektor Herber widmete Namens der Aunaschule dem Wohlchäter der armen Kinder uub stets bereiten treuen Helfer in der Roth einen Kranz. Herr Justizrath Dr. Hamburger dankte beut Verstorbenen für die treuen und bewährten Dienste, die er immer der neuen Theater - Aktiengesellschaft geleistet, worauf Herr Intendant C laar einen weiteren Kranz auf den Sarg legte. Oesterr.-Nugar. Monarchie. Wien. Ueber den Aufenthalt des österr. Kronpriuzenpaares in Damascus wurde jüngst in der „Reuen Freien Presse" unter Anderem auch berichtet, daß zu Ehren des erlauchten Paares am Abende des 6. März im Hause des Herrn Lisbona eine glänzende Soiree veranstaltet wurden war. Vielleicht keiner nllter den Lesern der „N. F. P." dürfte jedoch wissen, daß dieser Herr Lisbona ein Jude ist und zwar eines der sieben Vorstandsmitglieder nyazr oyn '2iv der etwa 5000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde in Damascus. Schreiber dieser Zeilen verweilte im Jahre 1809 uiehrcre Monate in dieser wunderbar reizend gelegenen syrischen Stadt — die der eben in ihrer Nähe geborne Abulfeda für das erste der vier mohaniedanifchen irdischen Paradiese erklärte — und hatte öfters Gelegenheit, im Hause