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Der Israelit · 1885-06-08 · Heft 45 (8.6.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 45 (8.6.1885)
Date
1885-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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739 im Cirkular dürste nur darin ihren Gnmd haben, ^amit sich auch religiöse Glaubensgenossen mit Bd^rägen an diesem als nra *01 bezeichnten Wene betheiligen sollen. Bezeichnend für das Ganze dürste die Thatsache sein, daß mehrere Personen nicht wenig überrascht waren, das Zirkulär mit ihren Namen unterzeichnet zu finden. Sollten religiöse Glaubensgenossen zu diesem „guten Werke" beigestenert haben, so werden dieselben, um auch keine amw rroy gcthan zu haben, sich die betreffenden Beiträge noch jetzt zurückfordern rönnen. Auch andere jüdische Blätter werden sicherlich durch Aufnahme vorstehender Zeilen dazu beitragen bivon yarb. Frankfurt a. M. Dem 37. Bericht des israelitischen Frauenvereins entnehmen wir, daß die Beiträge der Mitglieder, inklusive des kapitalisirten Beitrags des sel. Hrn. Dr. I. M. Jost 4988 M., die Geschenke und Legate 17,730 M. (darunter ein Legat von Herrn Dr. Odrell 4000 M., ein Legat der Freifrau Lioncl von Rothschild 3000 M., ein Legat des Herrn E. D. Eahn von 600 M. und ein Geschenk des Freifräulein Helene von Rothschild in Paris von 500 M. Die eingenommenen Zinsen betrugen 6573 M. Die Haushaltung kostet 15,057 M., die Gehalte 2510 M-, der Unterricht 1400 M., das Schulgeld 739 M., Hauskosten, Wasser, Hospitalkosten u. s. w. 1168 M. Anfangs 1884 waren in den: Verein 27 Zöglinge, zu welchem im Laufe des Jahres 3 hinzukamen; 2 sind ausgetreten. Da laut vorjährigem Bericht die Vereinsschule aufgehoben ist. so besuchen 14 Zöglinge die Pctersschule, 6 die Liebfrauenfchule; den Religionsunterricht empfangen sie in der Religionsschule unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Horowitz. Die älteren, der Schule entwachsenen Zöglinge werden in geregelter Stufenfolge und Ordnung zu allen Arbeiten in Haus und Küche herangczogen und zu allen Leistungen befähigt, welche man von tüchtigen Hausmädchen verlangen kann. Sie werden daneben fortgesetzt in weiblichen Handarbeiten, einige auch im Französischen unterrichtet. Die tüchtige Hausmutter Frl. Johanna Weil, wird von Frl. Recha Stern wirksam unterstützt. M. 312 gingen den Zöglingen für bestimmte Zwecke zu; außerdem wurden am 26. Mai 985 M. als Zinsen der Pauline und Leopold Höchberg'schen Stiftung, am 26. Juni M. 207.50 als Zinsen der Henriette Landau'scher Stiftung und verschiedene kleinere Beiträge in die Sparkassenbücher sämmtlicher Zöglinge eingetragen, desgleichen erhielt die älteste, die beste und die 5 würdigsten Zöglinge kleinere für diesen Zwecke gestifteten Beiträge. Der Verein zählt zwischen 700 und 800 Mitglieder. Frankfurt a. M., 29. Mai. Frau Baronin Wilhelm von Rothschild hat nach dem „Jnt.-Bl." niehrcre an das Klementinen-Hospital grenzende Grundstücke angekauft, um auf denselben ein Siechenhaus zu errichten. Gin auf dem Terrain stehendes Haus ist bereits für diesen Zweck hcrgerichtet worden. Oester r. - Ungar. Monarchie. Aus Mähren. Von einem Erösus aus Brasilien wird erzählt: In dem freundlichen Städtchen Lnndcnburg in Mähren feierte der einzige Sohn eines dortigen Kaufmannes im Mai 1865 die Hochzeit mit der reichen Tochter eines Rcalitäten-Besitzers aus der Nachbarschaft. Der junge Ehemann, Hermann Haas, wurde von allen Freunden und Bekannten beglückwünscht und beneidet. Er galt als unternehmender Spekulant und seine kühnsten Pläne schienen sich stets nach Wunsch zu realisiren. Der Ehrgeiz des jungen Mannes winde dadurch immer mehr angespornt, er wollte mit einem Schlage ein reicher Mann werden und seinem geliebten Weibe, das ihn nach einem Jahre mit einem Töchterchen erfreute, Schätze zu Füßen legen, um ihr Dasein zu verschönern. Einige gewagte Nuteruehmungcn schlugen endlich fehl und der Verlust konnte mit neuen Spekulativen gedeckt werden. Die Ausfälle waren jedoch immer größer und es blieb nur noch ein gefährliches „va banque“ übrig, das so unglücklich ausfiel, daß der waghalsige Spieler über Nacht zum Bettler wurde. Im Juni 1867 war Haas plötzlich verschwunden und Niemand hatte eine Spur davon, wohin sich der Vermißte gewendet und ob er in seiner Verzweiflung nicht gewaltsam seinem Leben ein Ende gemacht hat. Seine trostlose Gattin, welche keine Ahnung von dem finanziellen Ruine hatte, fand folgende Zeilen ihres Mannes: „Geliebte Emma! Ich wollte Dich reich wissen und habe Dich zur Bettlerin gemacht. Die Verzweiflung treibt mich fort von Dir, von der Seite meines geliebten Kindes, hinaus in die Welt. Du sichst mich niemals wieder, wenn es mir nicht gelingt als Erösus zurückzukehren. ... Denke an Deinen unglücklichen Hermann." —- — Seit jener Zeit sind 18 Jahre vergangen. Die arme Frau lebte mit ihrer Tochter Anna in dürst tigen Verhältnissen. Sie hatte sich in Lundenburg von dem Reste des Vermögens ihrer Eltern eine bescheidene Wohnung eingerichtet. Von ibrem Gatten konnte sie kein Lebenszeichen mehr erhalten, sie betrauerte ihn längst als Tobten. Kürzlich feierte

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