Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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724 Vater ein einheimischer Steuerzahler der Stadt Foticcui gewesen; 13. Ein Ztligniß von 5 hervorragenden Bürgern (Christen) zu Folticcni, unter Nr. 3485 lcgalisirt, am 18. Dezember 1880, daß mein Vater in Folticcni geboren und niemals unter fremdem Schutz gestanden. Vermittels dieser Aktenstücke war es mir möglich, im Jahre 1884 von dieser Präfcctur zu Galatz einen Paß zu erlangen; dieselbe hatte meinen Fall an den Minister für auswärtige Angelegenheiten berichtet und erhielt folgenden Bescheid: „Ich habe die Ehre, Sie zu bitten, dem Herrn Max Schapira den von ihm erbetenen Paß auszufertigen: durch die mir cingesandten Aktenstücke cönstatire ich, daß er nicht unter fremdem Schutze steht und mit den Rumänen freundschaftliche Beziehungen unterhält." Es will mir scheinen, daß diese Akten augenscheinlich constatircn, daß ich mich im Einklang mit den vom Artikel 7 §2, lit. b der Constitution verlangten Bedingungerc befinde, und das Recht habe, zu erstaunen, daß die Commission nicht nur kcins dieser Aktenstücke erwähnte, sondern auch noch behauptet hat, das; ich durch kein Attest einer Behörde bewiesen, daß ich in Rumänien von rumänischen Eltern geboren bin. Feuilleton. Gerettet. C*iitc Srzählr.ng von Friedrich Rott. Achtzehntes Kapitel. Viktor, den Hut tief in die Stirn gedrückt, eilte hastigen Schrittes durch die Straßen des freundlichen Städtchens dem Wohuhause des Dr. Secbach zu. Er kam gerade zur rechten Zeit, man hatte so eben zmn Abendessen geläutet. Einige Kameraden theilteu ihm mit, daß sein Freund und Stubengenosse Hugo von betten auf die telegraphische Nachricht von der plötzlichen Erkrankung seiner Mutter plötzlich a'ogercist war. Viktor achtete nicht darauf, er saß am Tische, ohne das Geringste zu genießen, obgleich es auch an Brod und Früchten nicht fehlte. Aber der Hals war ihm wie zugeschnürt. Die freundliche Frau des Jnstitutsvorstehers hatte ihn wiederholt znm Esten aufgcfordert, er murmelte einige entschuldigende Worte und bat, sich in sein Zimmer zurückziehcn zu dürfen. Er mußte allein sein, die Gesellschaft der heiteren Genoffen erschien ihm unerträglich. Erst in seinem Zimmer athmetc er wie erleichtert auf. Doch in seinem Innern gährtc und tobte cs fort von einander widersprechendsten Gedanken und Empfindungen. Und doch wiederholte er sich unablässig, daß sein einsichtsvoller Pflegevater recht habe, daß seine Lage ruhige Ucberlcgung heische, daß er seine Aufregung bezwingen wüste — aber das wollte ihm so rasch nicht gelingen. In dem kleinen Stübchen schritt er auf und nieder, unablässig auf und nieder. Aus dem sorglosen, fröhlichen Knaben war urplötzlich ein ernster, sorgenvoller Jüngling geworden. Die Nacht war hereingebrochen, er wußte, daß der Sabbat jetzt vorüber, daß er jetzt an seinen Vater hätte schreiben dürfen, doch was wollte er ihm schreiben? — Maibamn hatte ihm zwar gesagt, er müsse vor Allem seinen Vater zu bewegen suchen, ihn in ein jüdisches Haus zu geben — doch in welcher Weise seinen Vater dazu bewegen? — Vor Allem galt cs, die unkindlichen Gefühle in seiner Brust znm Schweigen zu bringen — und das war schwer, o so schwer. — Sein Vater hatte sich zu schwer an ihm versündigt — und dennoch, er war fein Vater. — Stand auch sein Entschluß unerschütterlich, fortan durch nichts zu einer wistentlicheu Ucbertretung irgend eines Gebotes sich bewegen zu lasten — doch ans seinem Munde, aus seiner Feder sollte kein unehrerbietiges Wort kommen. Unablässig wandelte er auf und nieder in dem kleinen Raum , den des Vollmonds Silberschein mit freundlichem Dämmerlichte erfüllte. Da ward die Thüre leise geöffnet, der Justitutsvorsteher trat in das Zimmer. „Was ist Ihnen, Viktor?" fragte Dr. Secbach besorgt, „Mitternacht ist vorüber, warum haben Sie sich noch nicht niedergelegt?" „Mitternacht vorüber?" wiederholte Viktor, indem er mit der Hand über die Stirne fuhr, „ich wußte nicht, daß es schon so spät ist." „Sie sehen übel ans," fuhr der Doctor kopfschüttelnd fort, „oder ist cs vielleicht das Mondeslicht, das Sic so bleich erscheinen läßt? — Aber Sie haben auch heute Abend nichts gegessen, der Besuch bei Ihren Pflegceltern hat Sie zu sehr erregt." Viktor murmelte einige unverständliche Worte, der Doctor fuhr freundlich fort. „Seien Sie vernünftig, legen Sie sich nieder und suchen Sic zu schlafen. Nur durch Schlaf können Sie Ihre aufgeregten Nerven beruhigen, und ich möchte Ihnen doch gern öfter erlauben, die braven Leute zu besuchen."