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Der Israelit · 1885-06-04 · Heft 44 (4.6.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 44 (4.6.1885)
Date
1885-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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721 Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen. Deutschland. Weftpreuße». Auf der Internationalen Ausstellung in Budapest har ein Israelit aus unserer Provinz, Herr Salomon in Hohenhausen, den Staatsprcis von 10,000 fl. für Gesammtleistung auf dem Gebiete der Vichansstetlung erhalten. Stratzbnrg, 29. Mai. Vor vierzehn Tagen starb dahier ini Alter von 70 Jahren Herr Scligmann Wolf, einer der geachtetsten und edelsten Männer hiesiger Gemeinde. In der Synagoge war er stets der erste und letzte, war Mitglied des Vorstandes und hat als solcher eine überaus lobenswerthe Thätigkeit entfaltet; aber namentlich ist seine immense Wohlthätigkeit hcrvorznhebcn; er war der Vater der Armen, für die er täglich Spenden sammelte und eigenhändig verthcilte, wobei er unermüdlich war, indem er bei Tag und Nacht die Stätten der Armuth aufsnchte. An seinem Leichenbegängnisse betheiligten sich mehr als tausend Personen von Nah und Fern und ans den verschiedenen Eonfcssioncn. An seiner Bahre wurden sechs Trauerreden gehalten, darunter drei von Christen. Der Hingang des Herrn Wolf hat eine große Lücke in unserer Gemeinde Hintersassen, die schwer auszufüllen sein wird. n//;//j,//3//n Jonas M a y e r. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pefth, 17. Mai. (Abgeordnetenhaus.) Komlosy interpcKirt den Minister des Innern in Angelegenheit der massenhaften Einwanderung der aus Rußland vertriebenen Jndenschaft nach Ungarn. — Miniftcr-Präsideut Tisza antwortet, er habe von einer Einwanderung in größerem Maßstabe keine Kcnntniß, da dies nicht der Falt sei. Dem Interpellanten scheine der vor einigen Jahren cingetretene Fall vor Augen zu schweben, als die Inden in Rußland mit Gewalt, Feuer und Eisen verfolgt wurden; aber auch damals nahm die Einwanderung nicht solche Dimensionen an, wie befürchtet worden. Im Uebrigen will der Minister-Präsident von dieser Stelle nichts sagen, was Rußland auch nur im mindesten derogircn würde; er muß jedoch bemerken, daß bisher in freien und verfassungsmäßigen Staaten das Vorgehen der russischen Regierung nicht als ein solches betrachtet wurde, welches man zustimmend, gewissermaßen als Beispiel hinzustcllen pflegt. (Beifall.) Diese Entdeckung blieb nur dem Interpellanten Vorbehalten. Der Minister-Präsident betont, daß keine außerordentlichen Fälle vorhanden feien, welche außerordentliche Verfügungen motiviren würden. Was die Auswanderung aus den obcrnngarischen Theilen betrifft, so weiß Jedermann, daß dieselbe bedeutend in Abnahme begriffen ist; auch weiß Jedermann, daß die Auswanderer in Ungarn immer Arbeit fänden.. Die wahre Ursache der Auswanderung, gegen welche wir übrigens Alles anwendcn, ist die Aufreizung, die von Vielen lediglich ans Gewinnsucht begangen wird. (So ist's!) Zur Sanirung des Uebclstandes dient auch, daß Amerika selbst gegen die Einwanderung unbemittelter Individuen Stellung nimmt. Was das Verlangen des Interpellanten betrifft, glaubt der Minister-Präsident, es lasse sich mit dem einfachsten Begriffe des freien Staates kaum vereinbaren, Jemanden nur aus dem Grunde abznschieben, weil er aus Rußland kommt und weil er Jude ist. Jeder, ob Jude oder Christ, muß abgeschoben werden, der dazu entweder durch gefährliche Umtriebe Anlaß gibt, oder der arbeitsscheu ist und jener Gesellschaft zur Last fallen würde, in deren Mitte er sich cinnisten wollte. Solchen Individuen gegenüber werden auch die heute bestehenden Verfügungen ohne Rücksicht auf die^ Eonfession geltend gemacht. (Lebhafte Zustimmung.)^ Der Interpellant verlangt einen Eordon gegen die russischen Juden, gleichwie die Regierung die Grenzsperre gegen eine Seuche veranlaßt. Diesbezüglich erklärt der Minister-Präsident, daß er gegen Jene, die nach Ungarn kommen wollen, nnr deßhalb, weil sie einer gewissen Eonfession oder Race angehören, keinen Eordon ziehen werde. Gegen Seuchen, welche den Körper bedrohen, lassen sich wohl Maßnahmen treffen; gegen geistige Seuchen jedoch ist Derartiges in einem freien Staate sehr schwierig. (Heiterkeit.) Denn der Herr Abgeordnete möge dessen gewiß sein, daß er, wenn dies möglich wäre, hier nicht jene Lehren verkünden würde, zu denen er sich bekennt. (Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit.) — Die Antwort wird fast einstimmig zur Kenntniß genommen. Pefth. Die hiesigen Bauunternehmer, die Herren Edmund und Marcell Neuschloß (Israeliten) wurden für ihre hervorragende Mitwirkung bei der rechtzeitigen und entsprechenden Fertigstellung der ungarischen allgemeinen Landesausstellung zu Rittern des Franz-Josephordens ernannt. Budapest, 25. Mai. Der jüngst in Balata- Füred verstorbene hochangesehene Primararzt Dr.

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