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Der Israelit · 1885-06-04 · Heft 44 (4.6.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 44 (4.6.1885)
Date
1885-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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720 Menschen emporgehoben und mit der Führung der öffentlichen Angelegenheiten betrauet werden. Da sind es der Ehrgeiz und die Herrschsucht, welche sich nur zu leicht des menschlichen Herzens bemächtigen. In diesem Falle wird der Mensch mehr Böses als Gutes stiften. Auf seine eigene Ehre zu viel bedacht, von dem Wunsche befangen, seine Mitmenschen zu beherrschen, wird er nicht die rechten Mitteln und Wege wählen, wird überall ans Hindernisse stoßen, die ihm Aergniß und Kummer bereiten und selbst seine gute Absichten vereitle». Daher lehrt Nabbon Gamliel: Und Alle, die sich um die Gemeinde bemühen, sollen sich um sie bemühen, um Gottes willen, in reiner Absicht, nicht aus Ehrgeiz und Herrschsucht; dann wird auch das Schwerste mit Leichtigkeit vollbracht; denn das Verdienst der großen Ahnen des israelitischen Volkes steht ihnen bei, und die Früchte des gottgefälligen Wandels, kommen für ewige Zeiten ihren Kindern zu Gute. Wenn die Führer des Volkes nur die eigene Ehre und die Befriedigung ihrer Herrschsucht im Auge haben, so können sie nicht auf das Verdienst der Väter zählen; wenn sie aber lediglich das Wohl der Nachkommen Abrahams, Jizchaks und Jakobs wollen, so wird die unendliche Liebe Gottes für die frommen Begründer unseres Volkes die Wirksamkeit ihrer Führer auch in den spätesten Zeiten zu segensreichem Erfolge führen. Das größte Beispiel hat uns hierin unser Lehrer Moscheh gegeben. In jener verzweiflungsvollen Lage, da ganz Israel mit wenigen Ausnahmen von Gott abgefallen war, einen goldnen Götzen sich gemacht und ihn augedetet hatte, als Gott das sündige, unverbesserlich scheinende Volk vernichten wollte, da slehete Moscheh zum Ewigen, seinem Gotte und sprach: „Gedenke doch Abrahams, Jizchaks und Jakobs, Deiner Diener." llnd Gott gedachte der Liebe der frommen Väter und verzieh. rcmt'y rmn *i:tp DD'ty w ntyo dpw „Und ihr, ich rechne euch großen Lohn an, wie wenn ihr eS gethan hättet." Wir haben schon mehrfach darauf hingewiescn, daß die Schlußworte unserer Mischnah schwer verständlich sind. Bartinora fuhrt drei verschiedene Erklärungen an. Die erste ist: Wiewohl ihr Führer nun nicht eigentlich die Werke der Rettung, der Hilfe bei Gefahren, die Schaffung des Guten und Nützlichen selbst vollbringt, wiewohl das Gelingen eures, Wirkens vielmehr zum größten Theile der Hilfe Gottes >.m Hinblicke auf die hohen Verdienste unserer Ahnen zuzuschreiben ist, so bestimmt .euch Gott so großen Lohn, wie wenn ihr selbst und allein es vollbracht hättet. Eine andere Erklärung ist die folgende: Angenommen, cs gilt ein großes und schweres Werk zu vollbringen, große Summen aufzutreiben für die Auslösung von Kriegsgefangenen, Gelder herbeizuschaffen für die Gründung von Lehrhäusern, Krankenhäusern, Waisenhäusern, für die Unterstützung der Nothleidcnden bei allgemeinen Ealamitäten wie Hungersnoth und epidemischen Krankheiten; auch die Verschontgebliebenen sind nicht in der Lage, mit Leichtigkeit Helsen zu können; so sollen die Führer nicht an dem Werke der Rettung und der Hilfe verzweifeln; sie sollen nur aus reiner Absicht, ohne Ehrgeiz und Herrschsucht, bestrebt sein, alle Hebel in Bewegung zu setzen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen; denn das Verdienst unsrer frommen Väter wird der Gemeinde beistehen, daß sie selbst die schwersten Opfer zu bringen und mehr als sie selbst meinen, zu leisten vermögen, moiy crp-ssi „Und die Zedakah, die sie mit übermäßiger Anstrengung üben, besteht für die Ewigkeit, erwirbt die ewige Seligkeit. Ihr aber, ihr Führer in Israel, die ihr zu so großen Opfern die Menge veranlaßt habt, euch bestimmt Gott so reichen Lohn, wie lvenn ihr allein, ans eigenen Mitteln das Ganze vollbracht hättet." Die dritte Erklärung, die Bartinora, nach Maimonidcs, anführt, geht dahin, daß bei der Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten häufig specielle Pflichten versäumt werden müssen. In Bezug darauf versichert Rabbon Gamliel die Führer Israels, daß Gott selbst diese versäumten Pflichten ihnen anrechnet und sie dafür belohnt, wie wenn sie dieselben gethan hätten. Wir haben nunmehr noch das Wörtchen nm, „viel" zu erklären. "Rur Derjenige, welcher für das Allgemeine wirkt, kann das Größte erreichen. Wer die große Menge belehrt und zur Tugend führt, wer für das geistige und leibliche Wohl von Taufenden sorgt, dem werden all die guten Thaten der großen Menge von Gott angercchnet, wie wenn er sie selbst vollbracht hätte. Sein Lohn ist unendlich. Weit über seinen Tod hinaus wirkt die Lehre fort, die er gegeben, geht wieder und wieder die Saat auf, die er gesäet; denn die Frucht wird stets wieder Samen, und dem edlen Menschen, der ans Erden Großes gewirkt, komme» nach Jahrtausenden, im ewigen Lebe», die Früchte zu Gute, die dem Saatkorn entstammen, das er einst in die Erde gelegt hat. Das ist der nnn -> ar, der sich stets vervielfältigende Lohn, den Gott Seinen Fkonunen bestimmt. (Fortsetzung folgt.)

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