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Der Israelit · 1885-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1885)
Date
1885-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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656 lichen Uebersetzungcn der Originale zu Hilfe kam. Unter dem Pseudonym Justus edirte er ein Buch, der „Judcnspiegel" betitelt, welches seither eine der Hauptqnellcn der antisemitischen Agitationsschriften geworden ist und welches auch in einem seinerzeit in Deutschland abgefühnen Prozesse eine bedeutsame Nolle spielte und namentlich durch das von Prof. Dr. Jacob Ecker in Münster über dasselbe abgegebene und seither auch im Separat-Abdruck erschienene Gutachten: „2cr_3iiboifpicgcl im Lichte der Wahrheit", eine gewillt Berühmtheit erlangt hat. Es wird nämlich behauptet, daß das Material zu der Ecker'schen Beleuchtung des „Judcnspiegel" des Dr. Brimannus gleichfalls von Dr. Brimannus geliefert wurde; ob diese Behauptung richtig ist, vermögen wir nicht zu entscheiden, aber Prof. Rohling in Prag scheint, wie ans dem weiter unten folgenden Briefe desselben an Dr. Brimannns hervorgeht, dieser Ansicht zu sein. Im vorigen Jahre unternahm es die Buchhandlung Schuhmacher in Innsbruck, eine deutsche, vollständige Uebersetznng der talmudischen Bücher zu veranstalten, und es wurde ihr von der Regierung im Wege der tirolischen Statthaltern zu diesem' Zwecke eine Subvention von 2000 Gulden bewilligt, und zwar, wie das bezügliche Dekret bemerkt, dcßwcgen, weil es für die Negierung von Wichtigkeit sei, die religiösen Satzungen eines Volkes, welches in bedeutender Zahl in Oesterreich angesicdelt ist, authentisch feftgestellt zu wiffen. Mit der Abfassung dieser Uebersetznng wurde auf Anrathen des Professors der Theologie in Innsbruck, Dr. Bikell, dessen Gutachten abverlangt wurde, Dr. August Brimannns betraut. Brimannns hat auch die Uebersetzung begonnen, wurde aber seither an der Fortsetzung des Werkes verhindert. Zur Zeit, als Brimannus.mit der Uebersetznng beschäftigt war, machte er die Bekanntschaft des bekannten Verthcidigers in Strafsachen, Dr. Friedrich Elbogen, der in seiner Eigenschaft als Vcrtheidiger mit ihm in Berührung kam. Brimannus machte bei dieser. Gelegenheit Dr. Elbogen mancherlei Mittheilungen über seine wissenschaftliche Thätigkeit, sowie über die Beziehungen, in denen er zu den verschiedenen Autoritäten der antisemitischen Literatur stand, insbesondere auch zu Professor Rohling in Prag, und in dem Besitze des Dr. Elbogen befinden sich Briefe des Dr. Brimannus, welche namentlich über diese Seite seiner Beziehungen lehrreiche Auskunft geben. Einer der interessantesten dieser Briefe des Dr. Brimannus an Dr. Elbogen, in dessen Original uns von dem Letzteren freundlich Einsicht gestattet wurde, lautet: Geehrter Herr Doctor! Um der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sehe ich mich zu folgender Mitthcilung über die Person des Herrn Professors Rohling veranlaßt: Herr Professor Rohling nahm im Jahre 1884 mehrere Monate hindurch bei mir Unterricht in Talmudicis, wofür er mir ineinen ganzen Unterhalt gab. Der Unterricht bestand Anfangs darin, ihn i m Lesen der rabbinischen Schriften zu unterweisen, dann aber begann ich mit ihm die leichtesten Stellen aus dem Tractate „Aboda Zara* zu übersetzen. Doch mußte ich das Unterrichten aus diesem Grunde aufgeben, weil das Lesen der rabbinischen Schriften dem Herrn Professor Rohling so schwer fiel, daß an eine Möglichkeit, ihm die Fähigkeit des Uebersevens jemals beizubringen, nicht zu denken war. Merkwürdiger Weise veröffentlichte er, während ich ihn unterrichtete, zwei Broschüren, in denen viele hunderte Citate aus solchen Büchern vorgeführt sind, deren Originalschrift er nicht einmal zu lesen im Stande ist, z. B. »8obar“, Schepha Tal“ u. dgl. Dies ist so sehr der Fall, daß Herr Professor Rohling sich genöthigt sah, mir die inliegende, ihm zugekommene Karte (dieses Wort ist durchstrkchcn und dafür „Zeitung" gesetzt) zur Nebersetzung einzusenden, weil er dieselbe nicht übersetzen konnte. Hochachtungsvoll 23. Januar 1885. Dr. Brimannus. Diesem Briefe lag ein Exemplar einer hebräischen Zeitung bei, welche eine (in hebräischer Sprache abgefaßte) Kritik von Schriften des Professors Rohling enthielt. Es ist leicht zu ermessen, wie viel Vertrauen einer wissenschaftlichen Autorität zukommt, welche, wie dieses schriftliche Gcständniß beweist, erst nach Publikation einer großen Anzahl von angeblich aus den Quellen geschöpften Schriften über den Talmud es unternimmt, in die Sprache dieses Werkes sich einweihen zu lassen, und noch dazu mit einem so entschiedenen Mißerfolge. Indessen könnte immerhin die Glaubwürdigkeit der in diesem Briefe von Brimannus gemachten Mittheilung in Zweifel gezogen werden, nachdem Professor Rohling in einer beträchtlichen Anzahl von Broschüren und Zeitungsartikeln Belegstellen aus den hebräischen Schriften mit Hinweisung auf die Quellen angeführt hat, die ihrerseits wieder citirt und die Citate wieder ver- » werthet worden sind. Allein die wissenschaftliche

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