Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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657 Eompetenz des Professors Rohling wird hiedurch nicht zum erstenmale bestritten. Seit mehr als Jahresfrist schwebt zwischen Rohling und dem ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch ein EhrenbeleidigungS-Proceß, dessen Gegenstand gleichfalls die Fraget ist, ob Professor Rohling selbst die von ihm benutzten Citate aus den Quellen geschöpft habe und zu schöpfen im Stande war. Daß nun Brimannus mit Rohling in Beziehung, und zwar in naher Beziehung stand, daß diese von einem Vcrhältnine herrührte, welches wenigstens dem in dem obigen Schreiben des Brimannus angcdeutcten sehr ähnlich sein muß, das geht aus einem Briefe hervor, den Rohling selbst an Brimannus geschrieben hat. Dieser Brief bezieht sich auf den Prozeß gegen Dr. Bloch, und auch dieser Brief von der Hand Professor Rohlings befindet sich im Besitze des Dr. Elbogen, der ihn von Brimannus erhalten und uns in das Original Einsicht gewährt hat. Der Brief lautet: Ohne Datum: M e in Li eb e r! Dr. Pattai*) ist hier und sagt, daß gegen Bloch vor Gericht der Beweis der Wahrheit geführt werden muß, und wie ist das möglich, wenn Sie nün.fortgehen? Sic müssen mit nach Wien. Ter Procß wird im Januar oder Februar sein. Wollen Sie also nicht bis Ostern hier bleiben? Ich verpflichte mich, zu sorgen, daß Sie ein guter Dr. meä. werden sollen, auch wenn Sie dieses Eine Semester verlieren. Ich bitte also, nicht abzureisen, sondern hier zu bleiben oder aber sich in Würzburg einschreibcn zu lassen und dann gleich wieder hicrhcrzukommen. Ihr treuer Freund! Unterzeichnet mit hebräischen Buchstaben: Xoda, (Der Bekannte =Notus.) Dieses Schreiben bedarf wohl keines Commentars. Wenn Professor Rohling den Beweis der Wahrheit für seine Behauptung, daß die von ihm gebrachten Citate echt seien, für unmöglich hält, falls Brimannus ihm nicht zur Seite steht, dann muß der Letztere wohl eine wichtige Person für die gelehrte Forschung Rohling's sein, und die in dem Briefe des Brimannus gemachten Mitthcilungcn gewinnen dadurch einen hohen Grad von Glaubwürdigkeit. In diesem Herrn Brimannus dürfte überhaupt das Geheimniß der Talmud-Gelehrsamkeit, mit welcher die Mehrzahl der antisemitischen Schriftsteller prunkt, gelegen sein, und in dem Kreise derjenigen Gelehrten, welche die Wissenschaft um ihrer selbst und nicht um ihrer Tendenz willcil betreiben, ist dies auch nicht unbekannt. Dr. Elbogen, der sich die Mühe gegeben hat, den Spuren dieser pseudowissenschaftlichen Forschungen, die er durch Zufall entdeckt hatte, weiter nachzngchen, hatte auch Gelegenheit, mitPro- .fessor Bikell in Innsbruck über Brimannus und dessen .schriftstellerischen Thätigkeit zu sprechen. Auch Professor Bikell zeigte sich darüber unterrichtet, daß „Justus", der Verfasser des „Judenspicgcl", und Brimannus identisch seien. Aber noch mehr. Im Laufe des Gesprächs nahm Professor Bikel aus seiner Bibliothek einen Band, den schon erwähnten „Judenspicgcl im Lichte der Wahrheit" von Professor Ecker, aber auf dem Titelblatte war das Wort Ecker durch-" strichen und an . dessen Stelle gesetzt: Brimannus.' Professor Bikell zeigte dieses Buch dem Dr. Elbogen mit den Worten: „Denken Sie, wenn die Juden wüßten, daß Ecker und Rohling kein Wort vom Talmud verstehen, wie würden sie das für ihre Zwecke ausbeuten!" Professor Bikell machte die Aeußcrung nicht blos vor Dr. Elbogen, sondern auch in Gegenwart einer zweiten Person, des Herrn Ernst Schmidt, und dieselbe ist daher leicht erweisbar. Daß aber auch Professor Rohling von anderen antisemitischen Gelehrten weiß, wo Bartel den Most holt, auch darüber liegt ein interessantes Tocnmcnt vor. Außer den erwähnten Briefen befindet sich nämlich in Elbogen's Besitz das folgende von Rohling eigenhändig an B r i m a n n u s gerichtete Schreiben: Eorrespondcnz - Karte Poststempel Prag 11. März 1884. Sr. Hochwohlgeboren Hr. Dr. Aug. Brimann, Kreuzstraße 4 in Münster, Westphalen. Carissime! Ich habe di. beiden letzte» werthen Schreiben erhaltenwar aber leider kürzlich recht leidend und kam daher nicht znin Schreiben. Da Sie schon am 15. nach D. machen, was sehr gut ist, so will ich dorthin ausführlich schreiben, sobald Sie angclangt sein werden und Ihre Adresse in meinen Händen sein wird. Enthält Dr. E's „Beleuchtung des Speculum" auch die Stelle ans haigut him? (Es wäre das sehr gut, natürlich, wenn er in sensu nostrv spricht (was wohl der Fall sein wird). Sie haben w o h l zu d icser „Bcl euchtun g" mitgcwirkt! Gut, recht gut. Näheres später. Bon N. erwarte ich noch täglich die betreffende Nachrichtich glaube daran, daß sie in meinem Sinne ausfällt. Herzlichen Gruß. Prag, den 12. März. A. Rg. „Es wäre das sehr gut, natürlich, wenn er in sensu nostro spricht!" Die Bcmckung sagt mehr, als Bände, die sich über dieses System, auf angeb- *) Bertheidiger Dr. Rohling's.