Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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652 chismns, in dem es in dem Sinne nach heißt: „Derjenige, wacher sagt, daß das mündliche Gesetz (der Talmud) -er auch nur ein Wort daraus nicht von Gott sei, oder daß ein Wort dieses Gesetzes schon seine Giltigkeit verloren habe, hat keinen Antheil an der ewigen Seligkeit! Man kann sich nicht begnügen, die Beseitigung der Formel des jüdischen Eides" und deren Entbindung durch den Rabbiner zu wünschen, sondern man muß diese Beseitigung vom Staat verlangen, weil diese Sache von der größten Wichtigkeit für unser ganzes soziales Leben ist. Der Rabbinismus entbindet auch von den Eiden, die Dritten geschworen sind. Es kann nicht gestattet werden, daß Staatsbürger den Eid so verachten. Bei der Emancpation der Inden ist man davon ausgegangen, daß der Talmud nicht mehr gelte; aber er gilt mehr wie je. Die Juden stellen den Talmud selbst über Gott. Man hat daran noch nicht ein Atom anfgcgeben. Er wirkt noch immer nachthcilig auf unser ganzes sociales Leben und selbst auf das Christenthum." Stürmischer Beifall der Antisemiten lohnte den jüdischen Hetzredner. Es hieße, unsere Leser auf das gröblichste beleidigen, wollten wir dieses verlogene Zeug auch nur eines Wortes der Erwiderung würdigen. Etwas Anderes hat uns bestimmt, von der ganzen Sache so ausführlich Notiz zu nehmen. Unsere Leser sollen einen kleinen Einblick in die Maschinerie des Antisemitismus gewinnen und von der ganzen Erbärmlichkeit dieser schmutzigen Bewegung sich wieder einmal überzeugen. Wer ist Dr. May? Wertst der Jude, welcher mit einem Stöcker in die Arena tritt, als Ankläger und Verleumder seines Glaubens? Die Antwort lautet: D r. M a y ist ein Individuum, das keine regelrechte Bildung genossen hat, in mehreren Lederhandlungen hiersclbst Lehrling gewesen ist, daun Hutmacher nnd Lederhändler in einem Vororte Berlins wurde, sein Geschäft ausgeben mußte, im Kampfe ums Dasein Herausgeber einer antisemitischen Zeitschrift wurde, zum Ankläger seiner angestammten Religion und schließlich zum Gewährsmann und Freund des Hofpredigers Stöcker avancirte. Ein Roman, der sicher noch nicht abgeschlossen ist! Wir meinen, wenn die Stürme von zwei Jahrtausenden das talmudische und einzig wahre Judeuthum in seinen Grundvesten nicht zu erschüttern vermochte, wird das der Hof Prediger Stöcker und der Lederhändler May auch nicht erreichen. Unserem himmlischen Vater aber müssen wir für seine Gnade danken; denn mit jedem Tage sehen wir es mehr und mehr, daß das Lügengebäude der Judenfeinde zusammenbricht, und daß seine Baumeister elend uutergehen. Feuilleton. Gerettet. Eine Erzählung von Friedrich Rott. Fünfzehntes Kapitel. Eine Reihe von Jahren war verstrichen. Wir befinden uns in der schönsten Gegend des deutschen Reiches, an dem lachenden, rebenbepflanzten Ufer des Rheines. In einer jener freundlichen Städte hart an dem Ufer des mächtigen Stromes befand sich das Institut des Doctor Seebach, ausschließlich von Söhnen aus den ersten Familien des Landes besucht, nahezu sämmtlich von altem Adel. Der herrliche Garten, der das schmucke Gebäude von drei Seiten umschließt, zieht sich an der einen Seite hinab bis an den Rhein, an einer anderen Seite führt das Gartenthor direkt auf die Landstraße. Die Unterrichtsstunden sind vorüber, die meisten der Knaben tummeln sich auf dem prächtigen Spielplätze vor den Gartenanlagen, während die anderen zwischen den Blumenbeeten oder in den schattigen Laubgängen lustwandeln. Zn den Letzteren gehören zwei hochgewachsene schlanke Knaben von fünfzehn oder sechzehn Jahren. Sie sind beinahe von gleicher Größe, doch während der Eine mit dunkelm Haar von bräunlichem Teint, hat der andere hellblondes Haar und eine zarte rosige Gesichtsfarbe. „Laß' uns hier rechts umwenden," sprach der Letztere, „am Wasser gefällt cs mir am besten." „Mir auch," entgeguete der Andere, „nur halten wir uns in der Nähe der Rosensträuche, dort duftet es jetzt wunderbar." „Meinethalben, obgleich die Rosen sonst nicht zu meinen Lieblingsblnmen gehören." „Du bist ein seltsamer Kautz. Wie kann ein Mensch die Rosen nicht lieben." „Ihr Duft ist mir zu süß; wenn ich ihn längere Zeit einathme, wird mir das Denken schwer," „Das hätte ich nicht geglaubt. So gehen wir auf die andere Seite. — Aber jetzt erzähle, was hat denn in dem Briefe gestanden, den Du heute Mittag erhalten hast. Du bist dunkelroth geworden, als Du ihn gelesen hast und hast gesagt, wenn wir allein sind, wolltest Du mir's sagen." „Ja, ja, die Anderen sollen es noch nicht wissen, und wenn ich es Dir sagen soll, so mußt Du mir auch versprechen, cs nicht auszuplaudern." „Wie kannst Du so reden! bin ich ein Schwätzer? Hast Du mich je auf einer Jndiscretion ertappt?" „Verzeih', Hugo, ich hätte Dir wirklich das Schweigen nicht anzuempfehlen brauchen. Aber mein Papa schreibt mir, er wünsche nicht, daß sei«