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Der Israelit · 1885-05-14 · Heft 38 (14.5.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 38 (14.5.1885)
Date
1885-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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daillc als Prämie bestimmt. In der Schult befanden sich diesmal zwei Mädchen, wovon eine Israelitin, welche nach dem Aussprüche des DircctorS Anspruch auf diese Medaille hatten. Tie Königin, die davon hörte, sandte dem Dircctor ein mit ihrem Namenszug geschmücktes Juwel, welches ihrem Aufträge gemäß der zweiten Schülerin als Prämie überreicht wurde. R u m ä u i c h. Darahai. Die hiesige Polizei hat es ans die Juden abgesehen. Sic verbot die bei denselben übliche Huttracht und lies; die Zuwiderhandelnden förmlich mit Schlägen tractiren. Aus den Wochcnmärktcn dürfen sie erst nach 12 Uhr Mittags cinkaufen, nachdem die Christen sich mit ihrem Bedarf vollständig versehen. Auf die Reklamation an die Negierung wurde ihnen der Bescheid, das; jede Stadt das Recht hat, ihre Marktordnung cinzurichten, wie sie will. Weil ein junger Israelit einem rum. Beamten nicht das verlangte Geld geschenkt, weil er eben an diesem Tage noch nicht so viel verdient hatte, wurde er 21 Stunden cingesperrt und daselbst schonungslos geschlagen. Frankrei ch. Paris. Cs ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, das; selbst Organe, die sich der Rcformrichtung zuncigen, nunmehr einsehen, daß mit den Nachahmungen fremder C.ultuseinrichtnngen dem Jndcnthum nichts genützt wird. So sprechen sich die ,,Ärch. Jsr." in ihrer neuesten Nummer über den sogenannten Consirmandcnuntcrricht, in dem die Heranwachsende Jugend wohl einige Phrasen erlernt, aber vom jüdischen Leben nur wenig oder gar nichts erfährt, in recht abfälliger Weise ans. Hoffen wir, das; man überall zu der Einsicht gelangt, das;, um das Judeuthum zu erstarken, die jüdischen Kinder in den Quellen der jüdischen Religion unterrichtet werden müssen. E n g t a » d. London. Dem vor Kurzem veröffentlichten Jahresbericht des „Board of Guardians" zufolge wurden im verflossenen Jahre 10,000 hilfesuchenden Personen unterstützt, von denen die Mehrzahl Ausländer waren. Die jüdischen Armenbehörden sorgen für ihre Armen in anerkennendster Weise; sic stecken die Unglücklichen nicht in» Armenhaus, sondern sorgen für Arbeit, verschaffen ihnen unter günstigen Bedingungen Werkzeuge, Nähmaschinen u. s. w., liefern ihnen Brod und Kohlen und unter Umstanden auch Geld, sind überhaupt darauf bedacht, das; die Armen nach und nach in die Lage kommen, sich später selbst helfen zu können. London. Die vor einigen Monaten errichtete Gesellschaft „zur Erbauung von Wohnungen für jüdische Armen" hat bereits mehrere passende Grundstücke erworben und wird demnächst zur Ausführung des von ihr gesteckten Zieles schreiten. Tie Armen erhalten die Wohnungen nicht gratis, sondern zu einem billigen Miethpreisc; es ist sogar den armen Leuten Gelegenheit geböten, durch kleine Anzahlungen nach und nach in den eignen Besitz einer Wohnung zu kommen. Die verstorbene Baronin Charlotte v. Rothschild hat die erste Anregung zu diesem Werke gegeben; auf ihrem Sterbebette hatte sie ihre Söhne darauf aufmerksam gemacht, und diese haben sich auch an die Spitze dieser Gesellschaft gestellt. R n s; l a n d. Petersburg. Ein cigenthnmlichcr Prozeß fand dieser Tage dahier statt. Ter 50 Jahre alte, schwache und kränkliche Selig (Peter) Grünfeld aus Mitau wurde im Knabenalter, wie cs zu damaliger Zeit oft vorgekommen, in'» Militär gesteckt, nach seiner Aussage im Jahre 1852, als er krank im Spitale lag, gegen seinen Willen getauft und im Jahre 1850 mit einem christlichen Mädchen verhcirathct worden, mit dem er aber nicht ehelich gelebt, und von demnach jetzt zwei Söhne und eine Tochter leben. 1875 erhielt er den gesetzlichen Freibrief, in welchem der Schreiber, angeblich aus sein Ersuchen, den jüdischen Name» cinschricb und von seiner Bcrheirathnng nichts erwähnte. 1875 verlies; er heimlich seine Frau und heirathetc in Petersburg ein jüdisches Mädchen nach jüdischem Ritus, mit dem er bi» 1870 glücklich lebte. In diesem Jahre wurde er von einem Soldaten dcnuncirt und nunmehr des verbotenen Rcligionswcchsels, der Bigamie und der Schriftfälschnng angeklagt. Der Angeklagte behauptet, das; er niemals anfgehört habe, Jude zu sein und seine erste Ehe. die übrigens nicht in gesetzlicher Form geschlossen worden sei, nur cingegangen sei, um sein Geheimnis; vor der Welt zu bewahren, auch die Schriftfälschnng sei nicht durch ihn geschehen. Man ist über das Nrtheil, welches später erfolgt, sehr gespannt.

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