Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-05-14 · Heft 38 (14.5.1885) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 38 (14.5.1885)
Date
1885-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449540--22173-2511835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

632 Mutz dieses Bewußtsein uns erfüllen. 72mvn, wirft Du ständig und immerwährend mit Deinem geistigen Auge die Allgcgenwart Gottes betrachten, z-i, so wird in der Stunde der Gefahr die Erkenntnis; zum Siege Dir helfen. Tie Erkenntnis; allein würde sich machtlos erweisen; die voransgegangene Gewöhnung stärkt und kräftigt sie so, daß die Leidenschaft sie nicht zu überwinden vermag. Diesem Gedanken gibt David in wunderbar schöner Weise Ansdruck (Psalm 16, B. 7 und 8). „Ich werde preisen den Ewigen, der mir gerathen, auch in den Nächten, das heißt in des Lebens dunkeleu und trüben Stunden ntahucn mich meine Nieren." Und welches ist die Mahnung? I21J2N 72 'J'O'Ö ’rTCmiD'TW. „Ich stelle den Ewigen mir gegenüber beständig, Er ist zu meiner Rechten, ich werde nicht wanken." — Achten wir auf den Ausdruck wir; das Wort hängt zusammen mit mir, eben. Wenn auch Berge von Hindernissen sich dir eutgegenstellen: sobald du Gott dir gegenüber weißt, ebnet -sich sofort dein Lebenspfad. Wie schön und zutreffend ist nach dem Gesagten der Ausdruck 'T7, „und Du wirst nicht kommen, „zu den Händen" der Sünde! Es ist die Stunde der Gefahr, die Rabbi auch für den frommen und edlen Menschen, der das Gute um des Guten willen übt, hcrankommen sieht. „An der Pforte lauert die Sünde;" sie streckt ihre Hände nach dir ans, dich zu packen, zu überwinden. Nichts kann dich retten, wenn du dich nicht gewöhnt hast, mit geistigem Auge stets Gottes Allgegenwart zu schauen. Nur diese Gewöhnung entreißt dich den dich schon erfassenden Händen der Sünde. Rabbi Samuel de Oseda gibt eine andere Erklärung des Wortes h'7, die ebenfalls sehr schön und lehrreich ist. T heisst nicht allein „die Hand," cs heißt auch der Handgriff eines Gefäßes oder einer Frucht, mit welcher man das Gefäß oder die Frucht zu nehmen oder zn heben pflegt. Die Handgriffe der Sünde sind diejenigen Uebertretungen, die dem Menschen klein und unbedeutend erscheinen: ein unwahres Wort, ein unlauterer Scherz, eine üble Nachrede. Gcldausgeben am Sabbat, das Genießen von Milch oder Käse, die nicht rituell bereitet worden, und derlei Dinge mehr. Bor großen und schweren Sünden hütet sich der Mensch eher denn vor Uebertretungen, die ihm klein und gering erscheinen. Wenn du aber bedenkst, daß Gottes Auge überall dich sicht, daß Gottes Ohr dich immer hört und daß alle deine Thaten in ein Buch eingeschrieben werden, so wirst du auch nicht zu den Handgriffen der Sünde kommen; denn diesen sind jene dir klein erscheinenden Uebertretungen vergleichbar. Wie ein schweres Gefäß durch den daran befindlichen Griff leicht emporgehoben wird, so gewöhnen die leichteren Uebertretungen allmählich daran, die großen Sünden zu erfassen. Wenn du aber Gott dir stets gegenwärtig weißt, so wirst du jede Uebertretung Seines heiligen Willens ängstlich vermeiden und vor kleinen wie vor großen Sünden geschützt sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fürth, 15. Jjar. Am gestrigen Tage starb in Folge einer vor Kurzem an ihr vollzogenen Operation, Frau Helene Jchenhäuser dahier, eine in unserer Stadt und speciell in der jüdischen Gemeinde höchst angesehene Persönlichkeit. Ihr Verlust wird in vielen Kreisen um so schmerzlicher empfunden, als sie der Mittelpunkt einer großen respektablen Familie gewesen. Eine wahre 7n nir« nach jeder Richtung lebte sie als treue Anhängerin unserer h. Religion, und ihrem Einfluß ist es vielfach zu danken, daß diese religiöse Gesinnung auch bei ihren Angehörigen zu treffen ist. Tie Familie verlor ihre Krone und die Gemeinde eine ihrer herrlichsten Zierden. Berlin, im Mai. Ueber Wilhelm Marr, der in den sechziger Jahren den Antisemitismus in Deutschland durch seine erste Judenhetz - Schrift einführte, schreibt der „9t e i ch s f r e un d" wie folgt: „Wilhelm Marr, als der Sohn eines berühmten Schauspielers 1819 zu Magdeburg geboren, erlernte die Kaufmannschaft, hielt sich in den vierziger Jahren zuerst in der Schweiz und dann in Hamburg auf. Von 1844 bis 1848 gab er mehrere freiheitliche Schriften heraus, 1848 wurde er in Hamburg in die constituirende Versammlung gewählt, die vom Dezember 1348 bis zum Juli 1849 eine demokratische Lerfaffung entwarf und dann aufgelöst wurde. Dazumal gab er auch ein Witzblatt „Mephistofcles" heraus und betheiligte sich an demokratischen Versammlungen. 1852 ging er nach einer Verurthcilnng — wegen Beleidigung des Präsidenten der französischen Republik — nach Costarica, wo er — abgesehen von einer in Haniburg zugebrachten zweijährigen Unterbrechung — bis 1859 verweilte. In Costarica soll er — ein Mann mit stark ausgeprägtem Erwerbssinn — etwas Vermögen erworben haben. 1859 nach Hamburg zurückgekehrt, ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.